Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Larcher, Clarisse

Lebensdaten unbekannt (um 1800), Violinistin. Der „Dictionnaire historique des musiciens, artistes et amateurs“ von Choron und Fayolle (1810/11) nennt sie widersprüchlich „célèbre amateur sur le violon und bemerkt, sie habe „avec succès, des concertos et des airs variés dans plusieurs concerts publics („mit Erfolg Konzerte und Variationen in mehreren öffentlichen Konzerten) gespielt.

Um 1800 formierte sie, zusammen mit Agathe-Victoire LadurnerFelicita Blangini (Viola) und  Thérèse-Rosalie Pain (Violoncello), ein Frauenstreichquartett, das möglicherweise nur in privatem Rahmen auftrat, aber noch Mitte des Jahrhunderts in der „Biographie universelle, ancienne et moderne“ von Michaud als Besonderheit hervorgehoben wird: „Ces quatre dames formaient […] un excellent quatuor, et l’exécutaient avec toute la précision, l’énergie, l’ensemble, les nuances qu’exige ce genre si difficile. On se fera sans doute une idée de l’impression que devait causer cet assemblage de quatre femmes répandant à flots autour d’elles le plaisir, et disputant par les talents l’empire de l’attention au plaisir des yeux et à celui des oreilles“ (Diese vier Damen bildeten […] ein exzellentes Quartett und musizierten mit der ganzen Präzision, der Energie, dem Zusammenspiel und den Feinheiten, die diese so schwierige Gattung verlangt. Man kann sich gewiss ein Bild machen von dem lebhaften Vergnügen, das dieses Ensemble von vier Frauen auslöste, wenn man sich vorstellt, wie die Darstellung ihrer Fähigkeiten mit dem Augenschmaus und dem Hörerlebnis wetteiferten, Michaud, Art. Ladurner, Antoine).

1811/12 unternahm Clarisse Larcher eine Konzertreise durch den deutschsprachigen Raum, die sie zunächst nach Frankfurt a. M. führte (Anfang Nov. 1811). Zwei weitere Auftritte sind in München am 28. und 31. Dez. 1811 belegt. Dass die „Allgemeine musikalische Zeitung“ von einer „in ihrer Art seltenen Kunstdarstellungschreibt (AmZ 1812, Sp. 123), ist ein Indiz dafür, dass Geige spielende Frauen zu dieser Zeit weiterhin als Ausnahmen betrachtet wurden. Immerhin urteilt der Rezensent durchaus positiv über die aus Paris stammende Musikerin: „Ihr zarter, runder Vortrag, und das Deutliche, Ausdrucksvolle ihres Spieles gefielen allgemein. Sie nahm die Tempos sehr gemässigt, und ihre ganze Manier und Spielart ist besonnen und überdacht. Könnte sie in ihrem Instrumente jene kraftvollen Töne erzeugen, welche hohen Künstlern eigen sind, so würde sie den grössten Erwartungen in aller Hinsicht genügend entsprechen“ (ebd.). Als sie in Wien im kleinen Redoutensaal am 16. Febr. und am 8. März 1812 konzertierte, erhielt sie wieder „ihres schönen, gefühlvollen Vortrags wegen, vielen Beyfall“ (AmZ 1812, Sp. 211). Aber auch hier wurde auf mangelnde Kraft verwiesen: „Ihr Bogenstrich ist gut; nur vermissten viele die Kraft, die man sonst von einem guten Violinspieler fordert“ (ebd.). Ihr Programm bestand aus einem (dem 6.) oder möglicherweise mehreren Violinkonzerten von Pierre Rode sowie Variationen mit Orchesterbegleitung von Philippe Libon.

 

LITERATUR

AmZ 1812, Sp. 80f., 123, 126, 211, 281

Bertuch 1812, S. 197

Münchener Politische Zeitung 1811, S. 1378

Oesterreichisch-Kaiserliche privilegirte Wiener-Zeitung 4. März 1812, Allgemeines Intelligenzblatt, Nr. 19

Chor/Fay

Joseph Fr. u. Louis Gabriel Michaud, Biographie universelle, ancienne et moderne, 85 Bde., Paris 1811–1862, Bd. 69, Paris 1841 (Art. Ladurner, Antoine).

Eduard Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, 2 Bde., Bd. 1, Wien 1869, Repr. Hildesheim [u. a.] 1979.

Arthur Pougin, Le violon. Les violonistes et la musique de violon du 16e au 18e siècle, Paris 1924.

 

FH

 

© 2010 Freia Hoffmann