Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

HenriquesHendrigues, Henrigues, Fernanda, verh. Hänflein

* 20. Mai 1857 in Kopenhagen, † 13. Jan. 1904 in Berlin, Pianistin. Die Tochter von Martin Ruben Henriques (1825–1912) und Therese geb. Abrahamson erhielt ihre Ausbildung in Kopenhagen bei August Wickel und Franz Neruda (1843–1913) sowie um 1880 in Paris bei Alfred Jaëll (1832–1883). Ein erster öffentlicher Auftritt fand im Mai 1879 in ihrer Heimatstadt bei einem Konzert von Edvard Grieg statt, in dem sie mit ihm die vierhändige Klaviersonate F-Dur KV 497 von Mozart musizierte. In den folgenden Jahren betätigte sie sich in Kopenhagen kammermusikalisch, ehe sie 1884 mit ihrem Bruder Robert (1858–1914), einem Violoncellisten, eine Deutschland-Tournee unternahm. Am 1. März trat das Geschwisterpaar in Berlin auf, am 23. März im Leipziger Blüthner-Saal vor „eingeladenem Publicum“ (Signale 1884, S. 420), assistiert vom Gewandhaus-Kapellmeister Carl Reinecke (1824–1910), danach mehrfach wiederum in Berlin. Am 20. Sept. 1885 heiratete Fernanda Henriques den Geiger Georg Hänflein (1848–1908), einen Schüler Ferdinand Davids und Joseph Joachims. Hänflein war zu diesem Zeitpunkt als Konzertmeister der Hannoveraner Hofkapelle und später als Konzertmeister in Kopenhagen tätig. Dort wurde die Tochter Elisabeth Hänflein (1892–1984) geboren, die wie die Mutter Pianistin wurde.

Im Bereich der Kammermusik gehörten zu ihrem Repertoire die oben erwähnte vierhändige Klaviersonate von Mozart, die Violoncello-Sonate g-Moll op. 5 Nr. 2 von Beethoven, Mendelssohns Klaviertrio in c-Moll op. 66 und die Violinsonate G-Dur op. 15 von Anton Rubinstein. Bei der mit dem Bruder unternommenen Konzertreise trug sie solistisch den Anfangssatz einer Sonate C-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach vor sowie aus den Fantasiestücken von Robert Schumann Aufschwung und Warum?, die Romanze Es-Dur von Anton Rubinstein und eine Etüde des dänischen Komponisten August Winding.

Besondere Presseresonanz fand das erwähnte Leipziger Konzert vom 23. März 1884: „Frl. Fernanda Henriques ist eine prächtige Clavierspielerin, welche über eine superb ausgebildete Technik verfügt und in ihrem Vortrag musikalische Intelligenz mit geläutertem Geschmack verbindet“ (FritzschMW 1884, S. 219).„Fräulein Fernanda Henriques zeigte sich als eine äußerst schätzenswerthe Clavierspielerin, denn sie besitzt eine Technik, die bedeutende und mit großer Correctheit verbundene Geläufigkeit, sowie einen schönen, modificirungsfähigen Anschlag in sich schließt, und eine feinfühlige, wenn auch hin und wieder von Manierirtheit nicht freie Vortragsweise“ (Signale 1884, S. 420).

 

LITERATUR

FritzschMW 1884, S. 219

Monthly Musical Record 1884, S. 81

MusW 1884, S. 229

NZfM 1880, S. 235; 1884, S. 140, 197

Signale 1879, S. 627; 1882, S. 38; 1884, S. 334, 344, 420

Henrik Vissing Schytte, Nordisk Musik-Lexikon, 3 Bde., Kopenhagen 1888–1906, Art. Henriques, Robert.

Wilhelm Joseph von Wasielewski, Die Violine und ihre Meister, Leipzig 71927.

Johan Peter Emilius Hartmann, J. P. E. Hartmann og hans kreds. En komponistfamilies breve, 1780–1900, 4 Bde., Kopenhagen 1999–2002.

Lena Johannesson, Gunilla Knape, Eva Dahlman, Women photographers, European experience (= Gothenburg studies in art and architecture 15), Gothenburg 2004.

 

Peter Schleuning

 

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