Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Kirchhoff, Cornelia

Lebensdaten unbekannt, Ende 19. Jahrhundert, Organistin. Cornelia Kirchhoff war wie Hedwig Peters Schülerin des Berliner Organisten und Komponisten Otto Dienel (1839–1905). Im Jahr 1881 trat sie in einem Schülerkonzert ihres Lehrers in der Luisenkirche in Charlottenburg auf. Dabei spielte sie den 1. Satz aus Dienels Sonate d-Moll und wurde für ihr „cultivated taste and feeling“ (Musical Standard 1881 II, S. 54) gelobt. Ab 1882 trat sie selbst als Konzertveranstalterin in Erscheinung. Dabei gab sie hauptsächlich Wohltätigkeitskonzerte mit der Unterstützung anderer Musiker in Kirchen in Berlin und Umgebung. Eine besonders rege Konzerttätigkeit ist im Jahr 1883 belegt. Hier konzertierte Cornelia Kirchhoff in Berlin und reiste im Juni nach London, um dort mit großem Erfolg im Crystal Palace zu spielen. Ende des Jahres trat sie mit dem Organisten Harry Linden, ebenfalls Schüler von Dienel, wieder in Berlin auf.

Im Jahr 1884 begann Cornelia Kirchhoff eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem von Heinrich Urban geleiteten Berliner Dilettanten-Orchesterverein. Am 24. Apr. desselben Jahres wurde in diesem Rahmen die Sinfonie für Orgel und Orchester von Alexandre Guilmant zur Uraufführung gebracht, die Cornelia Kirchhoff mit dem Orchester bis 1885 erfolgreich in Berliner Kirchen wiederholte.

Zu ihrem Repertoire gehörten Werke von Gustav Adolf Merkel, Adolf Friedrich Hesse, Alexandre Guilmant, Otto Dienel, Joh. Seb. Bach und Mendelssohn. Die Spanne ihrer Auftritte betrug nur wenige Jahre; in dieser Zeit war sie dennoch erfolgreich und wurde u. a. bezeichnet als „Meisterin des gewaltigen Instruments; technische Geläufigkeit und Sauberkeit, wie stylgerechte und geschmackvolle Registrierung andererseits zeigten Frl. Kirchhoff im vorteilhaftesten Lichte“ (Bock 1884, S. 93).

Über ihren weiteren Lebensweg liegen keine Informationen vor.

 

LITERATUR

ADMZ 1881, S. 239: 1883, S. 288

Bock 1881, S. 317; 1882, S. 86; 1883, S. 141, 357, 404; 1884, S. 93, 140f; 1885, S. 141; 1886, S. 134

FritzschMW 1885, S. 269

Musical Standard 1881 II, S. 54

Musikalisches Centralblatt 1884, S. 31

MusW 1883, S. 387; 1883, S. 814

NZfM 1883, S. 324; 1885, S. 109

Otago Witness 10. Nov. 1883, S. 23

Urania. Musik-Zeitschrift für Orgelbau, Orgel- und Harmoniumspiel 1885, S. 108, S. 156

Jenny Hirsch, Geschichte der fünfundzwanzigjährigen Wirksamkeit (1866–1891) des unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrich stehenden Lette-Vereins zur Förderung höherer Bildung und Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts, Berlin 1891.

Volker Choroba, Das Konzert für Orgel und Orchester im 19. und 20. Jahrhundert, Kassel 2001.

 

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