Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Hatzfeld, Anna Maria Hortense, Hortensia, Gräfin von, geb. von Zierotin

* 1760 wahrscheinlich in Wien, † 1813 (Ort unbekannt), Pianistin, Sängerin und Mäzenin. Über ihre musikalische Ausbildung ist bekannt, dass sie „von den besten Meistern im Singen und Clavierspielen zu Wien“ unterrichtet wurde (CramerMag, S. 387). 1783 lebte sie in Bonn, wo sie als Sängerin und Pianistin konzertierte und Gönnerin von Christian Gottlob Neefe und Ludwig van Beethoven war. Zu einem unbekannten späteren Zeitpunkt siedelte sie nach Wien über. Bei dortigen Opernaufführungen Righinis, Glucks und Mozarts wirkte sie erfolgreich als Sängerin mit. Mit Mozart war sie über die Familie Jacquin persönlich bekannt; 1784 erscheint ihr Name auf einer Subskribentenliste seiner Akademien (Brief an den Vater vom 20. März 1784). Bis zum Jahr 1793, wo sie als Aspasia in Salieris Oper Axur auftrat, ist ihr Wirken als Sängerin belegt. Auch als Pianistin konnte sie die Musikkritik überzeugen: „Auf dem Fortepiano spielt sie sehr brillant, und überläßt sich dabey völlig ihrem Gefühl. Deswegen hört man oft das Tempo rubato von ihr, ohne daß sie tactschwankend ist“ (CramerMag, S. 388). „Allen Nachrichten zufolge war sie eine größere Künstlerin als alle Sängerinnen und Clavierspielerinnen, welche zu damaliger Zeit öffentlich als solche in der musikalischen Welt erschienen“ (Schilling). Sie war Widmungsträgerin verschiedener Klavierkompositionen. Dazu gehören Beethovens 24 Klaviervariationen in D-Dur über Vincenzo Righinis Ariette Venni Amore WoO 65 (1791) sowie Klaviersonaten von F. X. Riegler und L. Kozeluch. Sie war verheiratet mit dem Hofbeamten des Kurfürsten von Köln, Clemens August Johann Nepomuk Graf von Hatzfeld.

 

LITERATUR

Bock 1892, S. 352

CramerMag 1783, S. 387f.

Schönfeld

Gerber 1, Chor/Fay, Gerber 2, Schilling, Schla/Bern, Mendel, OeML

Alfred Kalischer, Beethoven und seine Zeitgenossen, 4 Bde., Bd. 2 Beethovens Frauenkreis, 1. Teil, Berlin u. Leipzig 1910.

 

HB

 

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