Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Klamroth, Marie, verh. Lomnitz-Klamroth

* 14. Dez. 1863 in Moskau, † 17. Mai 1946 in Leipzig, Organistin, Pianistin und Bibliothekarin. Sie wurde als Tochter von Karl Klamroth, dem ersten Konzertmeister der Kaiserlich Russischen Oper zu Moskau geboren. 1885 nahm Marie Klamroth ein Studium am Leipziger Konservatorium mit den Fächern Klavier und Orgel auf. Bereits zwei Jahre später feierte sie ihr Debüt als Organistin „mit einer Sicherheit und Kraft, die ihr […] zu Ehre gereichte“ (NZfM 1887, S. 452). In den nächsten Jahren hatte Marie Klamroth mehrere erfolgreiche Auftritte in Leipzig und Meiningen. Sie spielte Werke von Joh. Seb. Bach, Gustav Adolf Merkel, Rheinberger und Pachelbel. 1891 absolvierte sie mit der Phantasie und Fuge in g-Moll von Joh. Seb. Bach ihre Hauptprüfung am Konservatorium und wurde im „Musikalischen Wochenblatt“ enthusiastisch gelobt: „Frl. Klamroth ist eine perfecte Künstlerin ihres Instrumentes, sie verbindet mit abgeklärter Virtuosität und fast absoluter Sicherheit auf Pedal und Manual ein in strenger Schule gereiftes Verständnis und hat mit dieser Leistung eine grosse Reihe männlicher Studiengenossen überholt“ (FritzschMW 1891, S. 167).

Ein Jahr später heiratete sie den Verlagsbuchhändler Ferdinand Lomnitz und zog sich ganz aus der musikalischen Öffentlichkeit zurück. Stattdessen widmete Marie Lomnitz-Klamroth ihre Zeit der Aus- und Weiterbildung von Blinden. 1894 war sie Mitbegründerin des Vereins zur Beschaffung von Hochdruckschriften für Blinde in Leipzig, aus dem die Deutsche Zentralbücherei für Blinde wurde. Von 1901 bis 1946 bekleidete sie hier das Amt der Direktorin. Im Jahr 1925 erhielt sie die Würde einer Ehrenbürgerin der Universität Leipzig, 1928 wurde sie dort zur Ehrensenatorin berufen. 1930 publizierte sie ein „Lehrbuch der systematischen Punktschrift-Typographie nebst fachtechnischen Hinweisen.

 

LITERATUR

FritzschMW 1891, S. 167

NZfM 1887, S. 452; 1888, S. 67, 91, 95, 295; 1889, S. 506; 1891, S. 100

Signale 1889, S. 467, 1030; 1891, S. 322f.

Kurt-Rudolf Böttger, Neues Leipziger Taschenwörterbuch für Einheimische und Fremde, Leipzig 1999.

Horst Riedel, Stadtlexikon Leipzig von A bis Z, Leipzig 2005.

Helmut Bähring u. Kurt Rüddiger (Hrsg.), Lexikon Buchstadt Leipzig. Von den Anfängen bis zum Jahr 1990, Taucha 2008.

http://personen-wiki.slub-dresden.de/index.php/Lomnitz-Klamroth,_Marie, Zugriff 2. Sept. 2010.

http://www.uni-leipzig.de/~agintern/frauen/lomnitz.htm, Zugriff 1. Aug. 2014.

 

CF

 

© 2010 Freia Hoffmann