Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Handley, Muriel (Eleanor Barrett), verh. Spicer, Lady Muriel Eleanor Barrett Handley Spicer

* 1872 in Stafford/Staffordshire, † 22. Okt. 1963 in Castle Hedingham/Essex, Violoncellistin. Muriel Handley wurde am Abney Park College in London, einer Schule für höhere Töchter, in Musik und Literatur ausgebildet. Am 29. Juli 1884 ist eine Mitwirkung als Sängerin bei einem Konzert in dem Versammlungsraum des Colleges dokumentiert. Ihre Ausbildung als Violoncellistin erfolgte später an der Guildhall School of Music in London, „under [Ernest] De Munck, with the advice of[Alfredo] Piatti“ (Violin Times 1899, S. 205f.). Nach dem Tod des befreundeten Komponisten, Dirigenten und Leiters der Guildhall School of Music Sir Joseph Barnby (1838−1896) studierte sie bei Robert Hausmann (1852−1909) in Berlin, der zu dieser Zeit am Sternschen Konservatorium lehrte. In den Schülerlisten ist Muriel Handley allerdings nicht erwähnt. Im Okt. 1896 heiratete sie den Papierhändler Howard Spicer (1871−1926), später Sir Howard Handley Spicer, Knight of the British Empire.

Im Okt. 1895 wurden die Leistungen der Violoncellistin an der Guildhall School of Music im Rahmen einer Preisverleihung gewürdigt: „Miss Jeanne Levine (gold medalist), Miss Muriel Handley, and Miss Julia Alice Tabb exhibited marked ability in violon, violoncello, and pianoforte solos respectively“ (MusT 1895, S. 834). Anschließend spielte sie, vorwiegend bei Konzerten anderer KünstlerInnen, in weiten Teilen des Vereinigten Königreichs und Irlands: Im Febr. 1896 konzertierte sie in Belfast und Dublin, anschließend in Stockton (Okt. 1896) sowie in Greenock bei Glasgow (Nov. 1896). Weitere Auftritte erfolgten in Norwich (März 1898), Langport (Okt. 1898), Bournemouth (Febr. 1899), Leeds (Nov. 1899), Westminster (März 1900) und Ipswich (Okt. 1900). Der letztgenannte Auftritt fand am 17. Okt. beim Konzert der Sängerin Marie Roberts in der Lecture Hall zusammen mit der Violinistin Kate Chaplin statt. Das Zentrum ihrer Aktivitäten blieb jedoch London, hier spielte sie zwischen 1895 und 1901 meist mehrmals jährlich, unter anderem in der Victoria Hall (Nov. 1897, März 1898 und im Jahr 1901), der Queens Hall (Febr. 1895) und der Steinway Hall (Juni 1898, 2. Nov. 1898 und Juli 1901).

Ein Höhepunkt ihrer Karriere war sicherlich die Mitwirkung bei einem Konzert der Sängerinnen-Schwestern Marie Louise und Lillian Nebriska in der St. Jamess Hall im Juli 1899. Hier spielten bekannte MusikerInnen wie der Komponist und Pianist Stanley Hawley, die Clara Schumann-Schülerin Natalie Janotha und der ungarische Violinist Tivadar Nachéz. In den Rezensionen findet sich dazu lediglich eine knappe Bemerkung: „Miss Muriel Handley played violoncello solos in excellent style“ (The Era 8. Juli 1899). Für das Jahr 1900 ist eine Konzerttournee durch Großbritannien mit „Madame Gomez, Miss Florence Lancaster, Mr. Gregory Hast, Mr. Charles Copland and Madame Frickenhaus, under the direction of the Anglo-American Agency Long“ (Violin Times 1899, S. 206) angekündigt, die jedoch in der Presse kaum Niederschlag fand.

Im Juli 1907 nahm Muriel Handley als Leiterin des Chors der wesleyanischen Kirche Holly Park an einem Chorwettbewerb im Alexandra Palace teil und gewann in der Kategorie Madrigale den 2. Preis und den „Silver Challenge Cup“ (The Musical Journal 1907, S. 102) für die Leistungen ihres Mädchenchors.

Muriel Handley spielte zunächst auf einem Instrument von Jacob Fendt, erwarb jedoch im Jahr 1898 ein Violoncello des Streichinstrumentenbauers Pietro Giacomo Ruggeri von 1717, welches zuvor von Paganini und Piatti gespielt worden war.

 

Muriel Handley, Photographie um 1899.

 

Für genealogische Informationen danken wir Aubrey Slaughter.

 

LITERATUR

Athenæum 1900 I, S. 379

Belfast News-Letter 1896, 25., 26. Febr.

Bristol Mercury and Daily Post 1898, 14., 15. Okt.

Daily News [London] 1897, 27. Okt.; 1900, 5. März

The Era [London] 1895, 16. Febr., 21. Dez.; 1896, 7. Nov.; 1898, 28. Mai, 12. Nov; 1899, 8. Juli

Freemans Journal and Daily Commercial Advertiser [Dublin] 22. Febr. 1896

Ipswich Journal 1900, 6., 13., 20. Okt.

Lloyds Weekly Newspaper [London] 1898, 6. März, 23. Okt.

Musical Journal 1907, S. 102

Musical News 1898 I, S. 383f.; 1898 II, S. 584f.; 1899 II, S. 395, 442ff.

Musical Standard 1895 II, S. 286, 404

MusT 1898, S. 187, 339, 834; 1901, S. 478f.

Non-Conformist Musical Journal 1896, S. 153; 1899, S. 834

Northern Echo [Darlington] 27. Okt. 1896

Orchestra, Choir and Musical Educator 1884, S. 138

Organist and Choirmaster  1899, Okt., S. 111

Violin Times 1898, S. 111f.; 1899, S. 205f., [215]; 1900, S. 97f.

Edmund Sebastian Joseph van der Straeten, History of the Violoncello, the Viol da Gamba, their Precursors and Collateral Instruments, 2 Bde., Bd. 2, London 1915, Repr. in einem Bd., London 2008.

 

Bildnachweis

Violin Times 1899 Sept., S. [215]

 

JW

 

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