Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Junge, Felicia, verh. Mosel-Junge

* 1868, Sterbedaten unbekannt, deutsche Harfenistin und Harfenlehrerin. Ein erster Nachweis stammt aus dem Jahr 1886, als sie in Berlin mit dem Flötisten Emil Prill (1867–1940) den langsamen Satz aus Mozarts Doppelkonzert C-Dur KV 299 aufführte. Im Sommer 1887 war sie im niederländischen Zandvoort engagiert, wo sie in Konzerten des Kurorchesters mit Werken von Adrien-François Servais (Nocturne für Violoncello und Harfe), John Thomas (Fantasie Pensif et joyeux) und Karl Oberthür (Fantasie über Motive aus der Oper Martha von Flotow) auftrat. In den folgenden Jahren konzentrierte sich ihre Tätigkeit am Mittel- und Niederrhein, vorwiegend als Orchesterharfenistin. 1888 war sie in Koblenz (Deutsches Requiem von Brahms), 1889 in Köln (beim Niederrheinischen Musikfest), 1890 in Düren, 1891 und 1893 in Aachen (Odyssseus von Bruch, Szenen aus Goethes Faust von Schumann) und 1895 in Düsseldorf (Orpheus von Gluck) zu hören. Solistische Auftritte sind in Köln 1888 (Händel, Parish Alvars) und 1893 (Wagner, Schumann) verzeichnet. Ein weiteres Mal musizierte sie am 5. Dez. 1893 in Köln Mozarts „Romanze für Flöte und Harfe mit Streichorchester“ (NZfM 1893, S. 545, wohl wiederum aus KV 299), diesmal mit dem Flötisten Emil Wehsener (1859–?). Zeitweilig ließ sie sich von der Konzertdirektion Hermann Wolff (Berlin) vertreten.

Vom 1. Sept. 1887 bis 1. Sept. 1895 war sie Harfenistin des Kölner Gürzenich-Orchesters. In der Orchester-Geschichte ist überliefert, dass während dieser Zeit eine Harfe der Londoner Firma Erard für 22180,70 Mark für Felicia Junge angeschafft wurde, „die allerdings 1300 M selber tragen musste“ (Weber, S. 590).

Für die Jahre 1887 bis 1895 ist eine Tätigkeit als Dozentin für Harfe am Kölner Konservatorium belegt.

 

LITERATUR

Auskunft des Rheinischen Musikarchivs am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität zu Köln vom 13. Juli 2013

Algemeen Handelsblad [Amsterdam] 1887, 4., 8., 25. Aug.; 1889, 10. Febr.; 1891, 20. Febr.; 1893, 16. Febr.; 1894, 13. Febr., 12. Juli; 1895, 9. Febr.

FritzschMW 1893, S. 121, 500

NZfM 1888, S. 279, 384; 1889, S. 318, 324; 1891, S. 522; 1893, S. 304, 449, 520, 545; 1895, S. 369, 429

Signale 1886, S. 1190; 1891, S. 1032

Karlheinz Weber, Vom Spielmann zum städtischen Kammermusiker. Zur Geschichte des Gürzenich-Orchesters (= Beiträge zur Rheinischen Musikgeschichte 169), 2 Bde., Bd. 2, Kassel 2009.

 

FH

 

© 2013 Freia Hoffmann