Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Breidenstein, Marie (Amalie Elisabeth)

* 14. Juni 1842 (Erfurt?), † 2. Mai 1892 in Erfurt, Pianistin, Sängerin und Gesangslehrerin. Die Eltern waren laut Eintrag im Sterberegister der Rendant und Rechnungsrat Johann Rudolph Christoph Breidenstein und Emilie geb. Khym. Über ihre Ausbildung liegen nur spärliche Informationen vor: Nach Auskunft von Margit Prahács hat sie bei Franz Liszt Klavierstunden genommen (Prahács, S. 421); ihre Gesangslehrerin war Rosa von Milde (18271906). Ihre öffentlichen Auftritte als Pianistin, die der Karriere als Sopranistin vorangingen, beschränken sich auf die Jahre 1866 bis 1873 und im Wesentlichen auf den sächsisch-thüringischen Raum: Erfurt, Leipzig, Eisleben, Gera, Magdeburg, Jena und Halberstadt. 1871 konzertierte sie in Berlin, wo der Kritiker der „Signale für die musikalische Welt“ sie als „Spielerin von wohlgebildeter Technik und verständigem Vortrag“ lobte (Signale 1871, S. 852), während der Rezensent der „Neuen Berliner Musikzeitung“ Einschränkungen formulierte: „Der Anschlag könnte oft markiger sein, wodurch die Nüancirung und dadurch wiederum der Vortrag eine grössere Lebendigkeit und Frische erhalten würde. Die Technik erscheint, wenn auch nicht Staunen erregend, doch gut und solide, somit für die diesmal gestellte Aufgabe ausreichend“ (Bock 1871, S. 380). Eine weitere Konzertreise führte sie 1873 nach Stettin.

 

Marie Breidenstein, Stich von August Weger.

 

Ihr Repertoire reichte von Domenico Scarlatti und Joh. Seb. Bach bis zur zeitgenössischen Musik; im Zentrum standen Klavierkonzerte von Beethoven, Schumann, Weber, Mendelssohn, Liszt sowie die Liszt’sche Bearbeitung der Wandererfantasie op. 15 von Franz Schubert für Klavier und Orchester. Für die in den Programmen obligatorischen kleineren Solo-Kompositionen bevorzugte sie Werke von Carl Maria von Weber, Frédéric Chopin, Adolph Henselt, Joachim Raff, Carl Reinecke, Anton Rubinstein und Adolph Jensen. 1869 und 1872 wirkte sie in ihrer Heimatstadt Erfurt bei Kammermusikaufführungen mit (Klavierquartett h-Moll op. 3 von Mendelssohn, Klaviertrios D-Dur aus op. 70 von Beethoven und B-Dur op. 37 von Woldemar Bargiel). Die „Neue Berliner Musikzeitung“ berichtet 1872, sie habe beim Musikfest in Magdeburg die Partie der Elisabeth in der Legende von der heiligen Elisabeth von Franz Liszt und wenig später in Halberstadt den 2. Sopran in Schumanns Das Paradies und die Peri gesungen (Bock 1872, S. 306, 366), letzteres gefolgt von einer Matinee, in der sie den Klavierpart in einem Rubinstein’schen Klaviertrio übernommen hatte (ebd.). Ein letzter Auftritt als Pianistin ist 1873 in Halle belegt, wo sie in Beethovens Chorfantasie op. 80 mitwirkte. Anschließend scheint sie sich ganz ihrer Karriere als Konzertsängerin gewidmet zu haben, die sie in den folgenden Jahren regelmäßig nach London und Edinburgh führte. 1883 trug sie einer dortigen Besprechung zufolge den Titel einer Sächsischen Hofsängerin („Saxony Court singer“, MusW 1883, S. 84).

 

LITERATUR

Eintrag im Sterberegister der Stadt Erfurt vom 3. Mai 1892

Bock 1871, S. 78, 359, 366, 380; 1872, S. 109, 287, 306, 366; 1873, S. 78, 390

MusT 1892, S. 422

MusW 1883, S. 84

NZfM 1866, S. 434; 1868, S. 387, 412; 1869, S. 2594f., 267, 394

Signale 1866, S. 912; 1871, S. 200, 613, 810, 852, 867

Franz Liszt, Briefe aus ungarischen Sammlungen 18351886, hrsg. von Margit Prahács, Budapest 1966, aus dem Ungar. übersetzt von Tilda Alpári, Kassel 1966.

Inge Birkin-Feichtinger, Hochverehrter Meister‘. Briefe von Ödön von Mihalovich an Franz Liszt“, in: Studia Musicologica Academiae Scientiarum Hungaricae 3/4 (2003), S. 423468.

 

Bildnachweis

Sammlung Manskopf, UB Frankfurt http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2003/7900545/, Zugriff am 30. Apr. 2011.

 

Freia Hoffmann

 

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