Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Rodemann-Nielsen, Marie geb. Nielsen

* 1870 in Itzehoe, Sterbedaten unbekannt, Violoncellistin. Ihr Vater, Hermann Nielsen (1826–1897), war ein schleswig-holsteinischer Künstler, der als Komponist und Orchestermusiker wirkte und zudem als Maler und Kupferstecher bekannt war. Er übernahm den musikalischen Anfangsunterricht seiner Tochter, unterrichtete sie zunächst auf der Bratsche und später auf dem Violoncello. Seit 1887 besuchte Marie Nielsen die Königliche Hochschule für Musik in Berlin, „und unter der Aegide Joseph Joachim’s [1831–1907] und ihres speziellen Lehrers, Professors [Robert] Haußmann [recte Hausmann, 1852–1909], errang sie durch vierjähriges, unermüdliches Studium den Grad der Künstlerschaft“ (Morsch, S. 200).

1891 beendete Marie Nielsen ihr Studium und konzertierte weiterhin „in Berlin und in verschiedenen Städten ihres Heimatlandes“ (Illustriertes Konversationslexikon, S. 180). 1892 trat die Violoncellistin am Hof vor Prinzessin Louise von Holstein auf. Vermutlich in diesem Jahr heiratete sie Carl Julius Rodemann (1866–?), einen Kaufmann, der auch als Novellist und Dramatiker in Erscheinung trat. Mit ihm zog sie nach Hamburg. Für das Jahr 1893 plante die Musikerin eine größere Konzertreise – Belege für die Durchführung liegen jedoch nicht vor. In den folgenden Jahren zog sich die Cellistin aus dem öffentlichen Konzertleben zurück. Am 29. Okt. 1893 wurde Margret, das erste Kind des Ehepaares, geboren. Knapp zwei Jahre später, am 30. Juli 1895, kam der Sohn Erich zur Welt. Um 1896 lebte die Familie in Berlin, wo Carl Julius Rodemann ein Kommissionsgeschäft führte. Gegen Ende der 1890er Jahre lassen sich weitere Auftritte Marie Rodemann-Nielsens belegen. Zu dieser Zeit wirkte sie im „Berliner Damen-Streichquartett“ mit, dem neben ihr Anna von Pilgrim (1. Violine), Nelly Straus-Irmen (2. Violine) und Frieda Kunze (Viola) angehörten. Für den Herbst des Jahres 1899 wurde das erste Konzert des Ensembles in Berlin angekündigt, mit dem Hinweis, dass das „Berliner Damen-Streichquartett […] vorzugsweise neue Compositionen zum Vortrag zu bringen gedenkt“ (NZfM 1899, S. 210). Ebenso wie Anna von Pilgrim und Nelly Straus-Irmen stand Marie Rodeman-Nielsen auf der Liste der MusikerInnen des Streichorchesters Berliner Tonkünstlerinnen bei dessen erstem Konzert am 3. Apr. 1900 in der Berliner Singakademie unter der Leitung von Willy Benda. Zur Aufführung gelangten zu diesem Anlass Joh. Seb. Bachs 3. Brandenburgisches Konzert G-Dur BWV 1048, Felix Weingartners Serenade F-Dur op. 6 und Robert Schumanns Adagio op. 59 Nr. 6 in der Bearbeitung für Streichorchester von Franz Blos.

Die öffentliche Konzerttätigkeit Marie Rodeman-Nielsens war hiermit offenbar beendet. Dass die Cellistin ihre musikalische Tätigkeit im privaten bzw. halböffentlichen Rahmen weiterführte, darauf verweist Wilhelm Altmann. Er widmete sein „Handbuch für Streichquartettspieler“ einem Streichquartett, in dem neben Kurt Friedrich (2. Violine) und Konrad Kölle (Viola) auch Marie Rodemann-Nielsen mitwirkte (siehe Altmann, Bd. 1, S. 3).

 

LITERATUR

NZfM 1899, S. 210

Frank/Altmann

Anna Morsch, Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart, Berlin 1893.

Martin Maack, Die Novelle. Ein kritisches Lexikon über die bekanntesten deutschen Dichter der Gegenwart mit besonderer Berücksichtigung der Novellisten. Mit zahlreichen Porträts (= Bibliothek kleiner Novellen und Erzählungen von Dichtern u. Schriftstellern der Gegenwart), Lübeck 1896.

Illustriertes Konversationslexikon der Frau, 2 Bde., Bd. 2, Berlin 1900, Art. „Musikerinnen“.

Wilhelm Altmann, Handbuch für Streichquartettspieler. Ein Führer durch die Literatur des Streichquartetts, 4 Bde., Berlin 1928–1931.

August Ludwig Degener (Hrsg.), Degeners Wer ist’s? Eine Sammlung von rund 18 000 Biographien mit Angaben über Herkunft, Familie, Lebenslauf, Veröffentlichungen und Werke, Lieblingsbeschäftigung, Mitgliedschaft bei Gesellschaften, Anschrift und andere Mitteilungen von allgemeinem Interesse. Auflösung von ca. 5000 Pseudonymen, Berlin 101935.

Inka Prante, Die Schülerinnen Joseph Joachims, Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung, unveröffentlicht, Universität der Künste Berlin 1999.

Silke Wenzel, „Marie Rodemann-Nielsen“, in: MUGI. Musik und Gender im Internet, http://mugi.hfmt-hamburg.de/A_lexartikel/lexartikel.php?id=rode1870, Zugriff am 5. Juli 2013.

 

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