Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Brousil, Antonia, AntoinetteAntonie, verh. Grant, Grant-BrousilGrant Brousil

* in den 1830er Jahren (nach Wurzbach 1840) vermutlich in Písek (Tschechien), Sterbedaten unbekannt (nach 1873), Pianistin, Klavierlehrerin. Sie war die Älteste der Geschwister Brousil und das einzige Kind, das kein Streichinstrument spielte. Ihre Ausbildungsstationen sind unbekannt.

Bereits in Kinderjahren begleitete Antonia Brousil, die bis dahin „noch keinen Lehrer in der Musik gehabt“ (Wurzbach), ihre Schwester, die Geigerin Bertha Brousil, am Klavier. An den frühen, in der „Bohemia“ dokumentierten Auftritten der Brousils nahm sie dagegen wohl nicht teil, in den Berichten über die anschließenden Reisen durch den deutschsprachigen Raum findet sie jedoch Erwähnung. Über die Auftritte der Geschwister Brousil als Künstlerfamilie informiert der Artikel über Bertha Brousil.

Antonia Brousil war vor allem auf den britischen Inseln – ab Ende der 1850er Jahre Hauptwirkungsstätte der Brousils – tätig. Nachdem sie zunächst ausschließlich mit der Familie aufgetreten war, konzertierte sie ab Ende der 1860er Jahre auch außerhalb des familiären Rahmens. Erstmals im Nov. 1866 wird sie in der britischen Presse dann als „Madame Antoinette Grant Brousil“ (Liverpool Mercury 22. Nov. 1866) bezeichnet (an anderen Stellen Grant-Brousil, auch Grant). Bei ihrem Ehemann handelte es sich vermutlich um Alonzo Galord Grant. Dieser vertrat anscheinend ab 1867 die Brousil-Familie als Konzertagent, annoncierte in der britischen Fachpresse und bot dort Interessenten Werbematerial wie „Photographs, Lithographs, Woodcuts, and Opinions of the press of this unique Family“ (The Orchestra 1867, S. 65) an.

Von 1869 an konzertierte Antonia Grant Brousil anscheinend ausschließlich in Irland. Vermutlich war sie inzwischen in Dublin, wo sie jährlich auftrat, sesshaft, da Auftritte jenseits der grünen Insel in dieser Zeit nicht mehr zu finden sind. Unterstützt wurde sie von zugereisten Familienmitgliedern. Zudem war sie offensichtlich als Klavierlehrerin tätig. In einer Anzeige im Dubliner „Freeman’s Journal and Daily Commercial Advertiser offeriert sie als „Madame Grant Brousil, Professor of Music and Languagesgemeinsam mit ihrer Schwester Cäcilie Brousil unter Angabe der Adresse Unterricht, mit dem Zusatz „and accept Engagements for Concerts, etc. in any part of Ireland (Freeman’s Journal and Daily Commercial Advertiser, 3. Jan. 1871). Nach 1873 sind keine Konzerte der Pianistin mehr nachweisbar. Ob sie danach noch unterrichtet hat, ist unbekannt.

 

LITERATUR (Auswahl, für weitere Literatur siehe Art. Brousil, Bertha)

Belfast News-Letter 28. Okt. 1870

Derby Mercury 19. Dez. 1866

Era 1. Nov. 1868

Freeman’s Journal and Daily Commercial Advertiser [Dublin] 1869, 20. Jan., 1., 13., 20. Febr.; 1870, 22., 26., 28., 31. Okt., 2., 4., 5. Nov., 31. Dez.; 1871, 3., 5., 7., 14. Jan., 15. Nov.; 1872, 21., 23., 24. Aug., 13., 14. Sept.; 1874, 26., 27., 28. Aug.

Hampshire Telegraph and Sussex Chronicle 29. Febr. 1868

Liverpool Mercury 1866, 22., 23., 26. Nov.

MusT 1867, S. 79

MusW 1867, S. 854

Orchestra 1867, S. 65, 115; 1868, S. 147

Preston Guardian 1867, 9. Nov.; 1868, 11., 18. Juli, 1. Aug.

Wurzbach, OeMLT

 

VT

 

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