Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

BlanckBlanc, Blank, Anna Frederika de, verh. Roth de Blanck

* 22. Aug. 1854 in Rotterdam, † nach 1883, Violinistin. Sie wurde als Tochter des Geigers Wilhelm de Blanck und dessen Ehefrau, der Sängerin Reine de Blanck geb. Valet, geboren. Ebenso wie ihr ein Jahr jüngerer Bruder Hubert erhielt sie ihre erste musikalische Ausbildung durch den Vater. In Amsterdam trat sie am 10. Sept. 1864 in einem Konzert von Hubert Sauvlet, ihrem Onkel, begleitet von dem Pianisten Heinrich Weimar, erstmals öffentlich in Erscheinung. Zu diesem Zeitpunkt erhielt die Geigerin Unterricht am Königlichen Konservatorium Brüssel. Noch in demselben Jahr nahm sie ein Studium am Lütticher Konservatorium auf, wo sie bereits im Herbst 1865 ihre erste Prüfung mit sehr guten Bewertungen absolvierte.

1872 schloss Anna de Blanck ihr Studium mit einem ersten Preis ab und begab sich noch in demselben Jahr in Begleitung ihres Bruders Hubert, eines ebenfalls am Konservatorium in Lüttich ausgebildeten Pianisten, auf eine Konzertreise nach Schweden. Ende des Jahres befand sie sich in den Niederlanden. Bis zum Frühjahr 1873 erfolgten einige Konzerte in Amsterdam und Leeuwarden. Einem Kritiker des „Leeuwarder Courant“ zufolge besaß die Geigerin „eene merkwaardige techniek en hare opvatting en vordragt hebben in de laatste drie jaren […] aan noblesse en stoutheid, veel gewonnen. De moeijelikheden van het vioolspel […] is zij in zeer grote mate meester en de duidelijkheid, de zekerheid dor flageolettoonen, der arpeegio’s, staccato’s, détaché’s laat niets te wenschen over“ („eine bemerkenswerte Technik, und ihre Auftritte und Vorträge haben in den letzten drei Jahren an […] Noblesse und Kühnheit viel gewonnen. Der Schwierigkeitsgrad ihres Violinspiels […] zeichnet sie als Meisterin aus, und ihre Klarheit, die Sicherheit der Flageoletttöne, die Arpeggios, Staccatos, Détachés lassen nichts zu wünschen übrig“, Leeuwarder Courant 14. Febr. 1873).

Anfang des Jahres 1874 spielte die Künstlerin mehrmals in Köln, bevor sie eine Konzertreise nach Großbritannien unternahm. In London hielt sie sich mindestens ein halbes Jahr auf. Hier trat sie im Juni des Jahres 1874 als Solistin und Konzertmeisterin des „Ersten Europäischen Damenorchesters“ unter der Leitung von Josephine Amann-Weinlich in Erscheinung, das sich zu dieser Zeit ebenfalls auf einer Konzertreise durch Großbritannien befand. Nach einem weiteren Auftritt innerhalb eines Konzerts des Orchesters im „London Pavilion“ schreibt ein Kritiker: „Fraulein Anna de Blanck, who is a violinist of the first rank, played Sainton’s admirable fantasia La Fille du Regiment in a style that could hardly be surpassed. As a player of the brilliant school, we are inclined to say, that this clever young lady has no superior amongst her own sex, and her finished style and command of executive difficulties place her on a level with the greatest violinists known of either sex“ (The Era, 30. Aug. 1874, S. 4).

Weitere Auftritte mit dem Orchester in Österreich und Deutschland lassen vermuten, dass Anna de Blanck hier für einige Jahre engagiert war. Zusammen mit diesem begab sie sich 1876 auch auf eine Konzertreise durch Skandinavien. Dabei handelte es sich jedoch um die letzte Zusammenarbeit. Neben den Auftritten unter der Leitung von Josephine Amann-Weinlich erfolgten nun auch wieder eigene Konzerte der Geigerin.

Ende des Jahres 1879 reiste Anna de Blanck nach Riga, wo sie vom 25. Dez. 1879 bis zum 27. Febr. 1880 im „Schwarz'schen Concerthaus“ engagiert war. Von hier aus brach sie im Frühjahr 1880 erneut nach Skandinavien auf. Zusammen mit dem Pianisten Carl Bodell erarbeitete sie ein Konzertprogramm, das beide unter anderem in Stockholm, Kopparberg und Åbo vorstellten. Nach 1880 trug sie den Doppelnahmen Roth de Blanck, was auf eine Heirat schließen lässt – Hinweise auf den Ehemann sind jedoch nicht vorhanden.

Ende des Jahres 1881 befand sich Anna de Blanck erneut in Riga und trat dort im Nov. und Dez. in Konzerten des Euterpe-Orchesters auf. In Prag, wo sie 1883 im Königl. Landestheater konzertierte, schrieb ein Kritiker in seiner Konzertbesprechung über die Violinistin: „Anna de Blanc, eine bisher wenig gekannte Violinvirtuosin, hat sich kürzlich im Landestheater zu Prag wiederholt hören lassen und das Publicum mit ihren Vorträgen enthusiasmirt“ (Musikalisches Centralblatt 1883, S. 378). Im Nov. 1883 folgten weitere Konzerte in Krakau, in denen Anna de Blanck zusammen mit dem Pianisten Wiktor Barabasz sowie dem städtischen Orchester auftrat. Sie scheinen am Ende der etwa 19 Jahre umfassenden Konzerttätigkeit der Violinistin zu stehen.

 

LITERATUR

Åbo Underrättelser 16. März 1881, S. 1; 12. Jul. 1881

Algemeen Handelsblad [Amsterdam] 12. Sept. 1864; 8. Sept. 1865; 23. Sept. 1867

Athenaeum 1874 I, S. 836

Dagblad van Zuidholland en’s Gravenhage 7. Sept. 1867; 19. Sept. 1867

Dalpilen (Kopparberg) 6. Mai 1881, S. 3; 13. Mai 1881

The Era 12. Juli, 30. Aug., 27. Sept. 1874

Fritzsch MW 1874, S. 14

Leeuwarder Courant 19. Juni, 21. Juni 1870; 14. Febr., 7. März, 9. März, 16. März 1873

Musikalisches Centralblatt 1883, S. 378

MusT 1874, S. 686

MusW 18. Jul. 1874, S. 471

NZfM 1883, S. 450

Signale 1875, S. 727; 1880, S. 129

RudolphRiga

Jules Martiny, Histoire du theatre de Liège depuis son origine jusqu’à nos jours, Liège 1887.

Margaret Myers, Blowing her own trumpet. European Ladies’ Orchestras and Other Women Musicians 1870-1950 in Sweden, Göteborg 1993.

 

Annkatrin Babbe

 

© 2010 Freia Hoffmann