Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

StollewerkStollewerck, Nina, verh. Edle von Rosthorn

* ca. 1825 in Wien, Sterbedaten unbekannt, Pianistin, Dirigentin, Sängerin und Komponistin. Die Simon-Sechter-Schülerin erhielt auch Unterricht am Wiener Konservatorium (vermutlich im Fach Gesang). Später trat sie vor allem als Komponistin in Erscheinung. Ihr Werkkatalog enthält neben Vokalmusik auch Orchesterwerke (u. a. zwei Symphonien) und eine Messe. Nina Stollewerk heiratete in die Familie der Edlen zu Rosthorn ein. Da der Name ihres Ehemannes unbekannt ist, bleibt eine genauere Zuordnung innerhalb der verzweigten österreichischen Adelsfamilie unmöglich. Die Heirat fand vor 1852 statt.

In den 1840er Jahren wurden in Wien mehrfach Werke der Komponistin aufgeführt, ihre Lied-Kompositionen begleitete sie dabei gelegentlich als Pianistin. 1849 meldeten die „Signale für die musikalische Welt“, sie plane in Wien den Autfbau einer Musikschule für Mädchen (Unterricht im Klavierspiel und Gesang). Anfang der 1850er Jahre reiste sie durch deutschsprachige Städte (München, Leipzig, Dresden, Koblenz, Frankfurt a. M., Aachen). 1851 kündigten die „Signale“ ein Konzert in Leipzig an, in welchem Nina Stollewerk „das Orchester persönlich dirigiren“ (Signale 1851, S. 139) wolle. 1852 findet sich in einer Aufzählung der KünstlerInnen, die „während dieser Saison“ (Bock 1852, S. 294) in Aachen konzertierten, „die Componistin und Orchesterdirigentinn Frau Stollwerk-Rosthorn“ (ebd.). Im selben Jahr befand sie sich in Dresden, dort dirigierte sie in einem Konzert ihre Werke selbst. In der Dresdener Harmonie leitete sie eine Aufführung, in der neben Vokalwerken auch Orchestermusik gespielt wurde (Ouverture fantastique, Capriccio). Die Musikkritik betrachtete das Dirigat Nina Stollewerks ausschließlich vor dem Hintergrund ihres Geschlechts. Freundlich schrieb die „Rheinische Musik-Zeitung“ über das Dresdener Konzert: „Eine Frauenemancipation nach der Seite der Kunst hin, welche der weiblichen Gefühlswelt so nahe liegt, könnte man sich schon am liebsten gefallen lassen, besonders wenn dabei, wie von Frau Nina Stollewerk, auch als Dirigentin mit so viel Anspruchslosigkeit, Talent und sichtlichem innern Drange für eine solche künstlerische Bethätigung aufgetreten wird“ (Rheinische Musik-Zeitung 1852, S. 750). Aus Sicht der „Illustrirten Zeitung“ sei „Frau Nina Stollewerk […] neben Emilie Mayer in Berlin und Madame Farrenc in Paris wohl die einzige Dame der musikalischen Gegenwart, welcher die Natur die Anlagen und der Charakter den Willen gegeben hat, mit männlicher Ausdauer in die Geheimnisse der Tonkunst zu dringen“ (Illustrirte Zeitung 1853, S. 122). Das Orchester, so das Leipziger Blatt weiter, werde von ihr gar „sichtlich beherrscht (ebd.). Dem Rezensenten der „Neuen Zeitschrift für Musik dagegen ist die Verblüffung anzumerken: „Eine junge Dame, die im Fache der höheren Instrumentalmusik producirt und ein Musikchor von Männern mit dem Tactstocke regiert: beides ist wohl noch nicht dagewesen in unserer Welt, in der doch schon so Vieles da war!“ (1852 I, S. 195). Kein gutes Haar lässt hingegen der Kritiker der „Süddeutschen Musik-Zeitung“ an der Musikerin. Danach hätten die Kompositionen Nina Stollewerks „auf eigentlichen Kunstwerth keinen Anspruch. Das Selbstdirigiren aber dürfte die Dame, öffentlich wenigstens, sich ersparen; es ist, abgesehen von der Sonderbarkeit, in der That – überflüssig!“ (Süddeutsche Musik-Zeitung 1852, S. 31).

 

LITERATUR

AmZ 1846, Sp. 654f.

AWM 1844, S. 504, 611, 626; 1845, S. 480, 504; 1846, S. 72, 252, 256, 362f., 532, 573; 1847, S. 18, 52, 120, 150f., 242, 381, 443; 1848, S. 104, 162f., 224

Bock 1852, S. 120, 294

GaillardBMZ 1847, Nr. 15

Leipziger Illustrirte Zeitung 1853, S. 122

NZfM 1845 II, S. 86; 1846 II, S. 58; 1847 I, S. 37; 1848 I, S. 37; 1852 I, S. 195; 1853 I, S. 52

Rheinische Musik-Zeitung 1852, S. 750f.

Signale 1846, S. 267, 367; 1847, S. 125f., 285; 1849, S. 254; 1851, S. 139, 187; 1853, S. 36

Süddeutsche Musik-Zeitung 1852, S. 31

Wurzbach, Fétis

Eduard Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, 2 Bde., Bd. 1, Wien 1869, Repr. Hildesheim [u. a.] 1979.

 

VT

 

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