Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Timoni, Marie von, verh. Bettelheim, Bettelheimová, Bettelheimová-Timoni, Bettelheimová-Timoniová

* 24. (oder 23.) Juli 1871 in Wien, † nach 1924, Ort unbekannt, Pianistin. In den 1880er Jahren studierte sie am Wiener Konservatorium bei Anton Door (1833−1919). Im Jahr 1887, vermutlich dem Jahr ihres Studienabschlusses, wurde ihr dort „die Gesellschaftsmedaille einstimmig zuerkannt“ (Eisenberg, S. 65). Auftritte erfolgten zwischen 1888 und 1894 in Wien sowie in Frankfurt a. M. (1889), Gmunden (1890), Berlin (1891, 1892), Prag (Saison 1892/1893), Hannover (vor 1893), Pest (vor 1893) und Jena (1898). Ab 1895 lebte die Musikerin in Prag und trat unter dem angeheirateten Namen Marie Bettelheimová auf. Mit der Tschechischen Philharmonie brachte sie, vermutlich im Jahr 1903, Mozarts Klavierkonzert A-Dur zur Aufführung. Es folgten ab 1904 weitere Konzerte mit der Tschechischen Philharmonie in Russland, Wien, Budapest, Berlin und Frankfurt. Während ihres Aufenthalts in Wien war sie vorwiegend solistisch und in eigenen Konzerten präsent. Erst um 1906 lassen sich auch kammermusikalische Aktivitäten nachweisen. Im Jahr 1907 spielte sie mit dem Ševčik-Lhotský-Quartett, bestehend aus Bohuslav Lhotský  (1. Vn), Karel Procházka (2. Vn), Karel Moravec (Va) und Bohuslav Váska (Vc), das Klavierquintett op. 12 des tschechischen Komponisten Vítězslav Novak. Zudem arbeitete sie mehrmals mit dem sog. Tschechischen Quartett zusammen; bis zum Jahr 1924 lassen sich Konzerte in Prag nachweisen.

Rezensionen aus ihrer Wiener Zeit bescheinigen ihr eine „gute Technik und natürliches, empfindungsvolles Spiel, verständnisreiche Auffassung und feinen musikalischen Geschmack“ (Bock 1891, S. 53). Über ihre Leistungen beim Konzert des Sängers Albert Stritt in der Singakademie am 14. März 1891 schreibt die „Neue Berliner Musikzeitung“: „Im Piano ist das Spiel der Dame als reizvoll zu bezeichnen, der Wucht ihres Anschlags im Forte kann jedoch nur ein hieb- und stichfestes Instrument widerstehen, als welches der Bechsteinsche Flügel sich allerdings zeigte“ (Bock 1891, S. 107).

Zu ihrem Repertoire gehörten Kompositionen von Brahms,Taussig, Dvořák, Liszt und Robert Schumann.

 

LITERATUR

Bock 1891, S. 53, 107; 1892, S. 196

Český deník [Pilsen] 30. März 1924

FritzschMW 1892, S. 262; 1893, S. 414

Die Musik 1906/07 IV, S. 247

Národní politika [Prag] 1888, 29. Juli; 1896, 23. Jan.; 1899, 20. Jan.; 1901, 8. März; 1904, 15. März, 16., 20. Okt.; 1905, 15., 20.  Jan., 26. Apr., 16. Mai, 7. Nov., 13., 15. Dez.; 1906, 5., 21., 25. Nov., 6. Dez.; 1908, 5., 13. Dez.; 1909, 19., 20., 28. März, 6. Dez.; 1910, 9. Apr., 6., 10. Nov.; 1911, 30. März; 1912, 19. März, 22., 29. Sept., 10., 12., 13., 20. Nov.; 1915, 10. Apr., 29. Okt.; 1916, 13., 15., 19., 23. Febr., 16. Sept.; 1917, 28. Jan.; 1924, 17. Mai

Neue Musikalische Presse 1896, S. 16

NZfM 1890, S. 429; 1894, S. 105

Plzeňské listy 1905, 29. Apr., 2., 6., 20. Mai; 1906, 27. Jan., 19. Febr., 3. März

Rozvoj [Pardubice] 7. Jan. 1910

Signale 1888, S. 307; 1889, S. 70, 260; 1890, S. 338; 1891, S. 263, 409; 1892, S. 131, 422; 1893, S. 311; 1894, S. 104; 1898, S. 967

Ludwig Eisenberg, Das geistige Wien. Mittheilungen über die in Wien lebenden Architekten, Bildhauer, Bühnenkünstler, Graphiker, Journalisten, Maler, Musiker und Schriftsteller , 4. Jg. Supplementband, Wien 1892.

Český hudební slovník osob a institucí, http://www.ceskyhudebnislovnik.cz/slovnik/index.php?option=com_mdictionary&action=record_detail&id=5314, Zugriff am 25. Sept. 2012.

 

Jannis Wichmann

 

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