Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Berndt, Minna, verh. Neander

* 2. März 1828 in Mitau (heute Jelgava, Lettland), † nach 1883, Pianistin, Sängerin und Organistin. Sie war die Tochter des Musiklehrers und Organisten Johann Christoph Berndt (1783–1843) und seiner Frau Marianne geb. Kade. Im Februar 1844 machte Minna Berndt mit ihrer Mutter bei der Familie des Komponisten Alexander Maczewsky (?1879) die Bekanntschaft des Ehepaares Schumann, als dieses während einer Konzertreise in Mitau gastierte. Clara Schumann notierte später über sie: „Eine Madame Berndt mit talentvoller Tochter (in sehr mißlichen Umständen, aber sehr liebenswürdige Frau)“ (Robert und Clara Schumann, S. 189). Die „mißlichen Umstände“, in denen sich Marianne Berndt befand, dürften sich auf den Tod des Familienvaters kurz zuvor beziehen. Im Juni 1844 kam Minna Berndt nach Leipzig, um am dortigen Konservatorium Gesang und Klavier zu studieren. Vermutlich zum Abschluss ihres Studiums 1847 widmete Felix Mendelssohn ihr das Allegro Moderato in A-Dur für Klavier mit dem Titel Auf fröhliches Wiederseh’n. Nach ihrer Ausbildung in Leipzig kehrte sie in ihre Heimat zurück und arbeitete erfolgreich als Musiklehrerin. Außerdem gab sie Klavierkonzerte und hatte Auftritte als Sängerin. So spielte sie am 23. Juni 1847 in Mitau Werke von Chopin und Carl Mayer, von 1847 bis 1850 wirkte sie als Sängerin in Oratoriumsaufführungen in Riga mit. Auch nach der Hochzeit mit dem Kollegienrath Friedrich August Neander (18041875) arbeitete sie als Musiklehrerin und war „seit 1883 provisorische Organistin an der reformierten Kirche“ (RudolphRiga, S. 306).

 

LITERATUR

AmZ 1847, Sp. 278f.

The Boston Musical Gazette 5. Juli 1847

NZfM 1847 I, S. 139

Signale 1847, S. 148, 236; 1848, S. 85

RudolphRiga

Privat-Prüfungen betreffend Neujahr 1844 – Michael 1848, Archiv der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig (A, II.1/1)

Robert u. Clara Schumann, Ehetagebücher 18401844, hrsg. von Gerd Nauhaus u. Ingrid Bodsch, Bonn u. Frankfurt a. M. 2007.

 

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