Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Robert-Mazel, Mazel, Robert Mazel, Hélène

Geburtsdaten unbekannt, † nach 1857 (Ort unbekannt), französische Pianistin, Klavierlehrerin, Sängerin und Komponistin. Einem Artikel im „Journal des demoiselles“ (1854, S. 312) zufolge von deutscher Abstammung, konzertierte sie seit Anfang der 1830er Jahre mehrfach in Paris, was die „Neue Zeitschrift für Musik“ zu folgender Meldung veranlasste: „In französischen Blättern wird mit dem ungeheuersten Enthusiasmus einer Dlle. Robert Mazel gedacht, die eben so Unerhörtes als Sängerin, wie als Clavierspielerin und Componistin leisten soll“ (NZfM 1837 II, S. 208). Ein Brief aus dem Jahr 1836 belegt musikalische Zusammenarbeit mit den Brüdern Théophile und Alexandre Tilmant (Violine und Violoncello), dem Hornisten Louis-François Dauprat und der Sängerin Laure Cinti-Damoreau. Die „Allgemeine Musikalische Zeitung“ berichtet von einem Konzert am 24. Juni 1839 im Straßburger Theater, in dem sie Klavier spielte und als Sängerin Romanzen eigener Komposition vortrug, was „so wie ihr Klavierspiel, allgemeinen Beifall“ fand (AmZ 1839, Sp. 210). 1844 gab sie eine Matinee in „Mrs. Longs Residence“ am Berkeley Square in London, die der „Musical Examiner“ mit den Worten zusammenfasste, Hélène Robert-Mazel sei „a good musician, and a clever pianiste“ (Musical Examiner 27. Juli 1844, S. 704). Anfang 1845 ist ein Konzert in den Salons de Pape in Paris belegt, in dem sie als Pianistin und Sängerin eigene Kompositionen vortrug. Im Konzertbericht der „Revue et Gazette Musicale“ wird mitgeteilt, sie habe zuvor „assez longtemps sous le beau ciel de lOccitanie“ („ziemlich lange unter dem schönen Himmel Südfrankreichs“) gelebt (RGM 1845, S. 78) und sich dort zu den Souvenirs des Pyrénées inspirieren lassen. Ein weiteres Konzert fand im März 1846 ebenfalls in Paris statt (RGM 1846, S. 92).

Um 1850 ließ sich Hélène Robert-Mazel in Montpellier nieder, um vor allem Kinder in Solfège, Gesang und Klavier zu unterrichten. Mit „Concert des enfants“ und „Guide musical de l’enfance“ legte sie auch Lehrwerke für den Anfangsunterricht in Gesang und Elementarlehre vor.

 

WERKE FÜR KLAVIER

Souvenirs des Pyrénées

ère série de six pièces de genre pour piano, Berlin o. J. [ca. 1870]: Idylle, Chant de l’hermite, Scherzo pastoral, Chœur des Pélérins, La Fileuse Ecossaise, Halte de Chasse

 

LEHRWERKE

Concerts des Enfants, 1er recueil vocal et progressif de 24 fables, ballades et mélodies, à une et à deux voix, paroles de Mme la M.ise Du Bouchet, née de Quélen, musique de Melle Hélène Robert-Mazel, Paris [1850]

Guide musical de lenfance, contenant : 1° les principes élémentaires complets, classés par petites leçons; 2° un solfège composé d'exercices et de récréations dans tous les tons, Paris o. J.

 

LITERATUR

Fünf ungedruckte Briefe, drei davon datiert 1835/36, unter der Signatur 101/1 im Forschungszentrum Musik und Gender Hannover

Lettre de Hélène Robert Mazel à Monsieur xxx, 2 Septembre 1857, ungedruckt, BnF, Signatur FRBNF39818404

AmZ 1839, Sp. 210

NZfM 1837 II, S. 208

RGM 1845, S. 67, 78; 1846, S. 92

Fétis, Mendel, Ebel

Albert E. Wier, The Macmillan encyclopedia of music and musicians, New York 1938

Cohen

Juliette Dillon, „Éducation musicale“, in: Journal des demoiselles 1854, S. 312f.

Arthur Elson, Woman’s Work in Music, Boston 1904, Repr. Portland/Maine 1976.

Susan Stern, Woman Composers. A Handbook, Metuchen/N. J. u. London 1978.

Anya Laurence, Women of Notes. 1,000 Women Composers Born Before 1900, New York 1978.

 

FH

 

© 2010 Freia Hoffmann