Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Brackenhammer, Rosa, Rosalie, Angelika, verh. Börl, Boerl

* 30. März 1871 in Nürtingen, † 4. Febr. 1946 in Stuttgart, Violoncellistin. Rosa Brackenhammer erhielt vermutlich eine erste musikalische Ausbildung von ihrem Vater Wilhelm Brackenhammer (1842–1889), Musikdirektor Biels (Schweiz) und Stadtmusiker Nürtingens. Anschließend setzte sie ihre Ausbildung vermutlich in Bern fort. Zwischen 1890 und 1892 studierte sie Violoncello an der Königlichen Musikschule München bei Josef Werner (1837–1922), verließ die Einrichtung jedoch ohne Abschluss. Im Jahr 1894 wurde die Künstlerin durch die Süddeutsche Konzertdirektion Nürnberg vertreten. Die überlieferten Konzertberichte zeugen von einer internationalen Konzerttätigkeit. Im Nov. 1895 konzertierte Rosa Brackenhammer in Vevey (Schweiz/Kanton Waadt) mit Begleitung eines Orchesters, bestehend aus Musikern aus Vevey und Beau-Rivage unter Leitung von Richard Langenhan. Zur Aufführung kamen Kompositionen für Violoncello und Gesang von Bruch, Brahms und Massenet. In Ankündigungen und der Rezension zu einem Konzert am 3. Mai 1896 im niederländischen Leeuwarden wird eine „Concert-Tournee der Geschwister Brackenhammer“ (Leeuwarder Courant 4. Mai 1896), Marie, Johanna (beide Gesang), Rosa und Wilhelm Brackenhammer (Klavier), erwähnt. In der deutschsprachigen Presse wird zudem von Auftritten in Berlin, München, Nürnberg, Heilbronn, Tübingen, Stuttgart und Kopenhagen berichtet, wovon besonders die letzten beiden Konzerte im Jahr 1897 größere Resonanz erhielten. „Ein Stuttgarter Konzert, welches am 13. April stattgefunden hat, führte eine aparte Seltenheit vor: ein Trio für Klavier, Violine und Cello, welches von drei anmutigen Damen, von Frau Größler-Heim, Frau [Paula] Ehrenbacher-Edenfeld [Sängerin, Violinistin] und Fräulein Rosa Brackenhammer reizend gespielt wurde. […] Frl. R. Brackenhammer spielt das Cello, wie sie auch in zwei Solopiecen von D.[avid]Popper und L.[ouis] Hegyesi bewies, mit hervorragender, technischer Fertigkeit“ (NMZ 1897, S. 115). Auch die Kopenhagener Presse lobt „die Meisterschaft, mit welcher das Fräulein ihr Instrument beherrscht, vor allem den großen, edlen Ton, die vornehme Auffassung und insbesondere die seelenvolle Vortragsweise derselben“ (NMZ 1897, S. 91).

„Am 2. September 1897 heiratete Rosa Brackenhammer in Hoboken (New Jersey, USA) Carl Leopold Börl (1863–1945) […]. 1898 wurde die Tochter Angelika Börl (1898–1976) geboren“ (Wenzel). Auch in den Staaten trat die Cellistin in Erscheinung. Zunächst spielte sie in der von Richard A. Saalfield nach dem Vorbild der englischen Popular Concerts neugegründeten Konzertreihe in der New Yorker Carnegie Hall. Ende 1899 wirkte sie beim Debüt des Women’s Philharmonic Orchestra in New York mit: Die Violinistin Jeanne Franko leitete das Orchester, bestehend aus zehn ersten und neun zweiten Geigen, drei Bratschen, vier Celli (darunter Rosa Brackenhammer), zwei Bässen (darunter Olga Severina), zwei Harfen (darunter Anna Long Behlen) und einer Flöte. Anschließend ist ein Auftritt beim German-American Charity Ball in der Academy of Music in Philadelphia am 4. Febr. 1901 mit einem Adagio und Caprice von David Popper überliefert. Im Apr. desselben Jahres spielte Rosa Brackenhammer mit dem New York Ladies’ Trio, bestehend aus Lillian Carlsmith und Emma Pilat unter Mitwirkung der Pianistin Marguerite Stilwell, im Fulton Opera House in Lancaster. Weitere Konzerte sind nicht bekannt. Zu ihrem Repertoire zählten u. a. Werke von David Popper, Camille Saint-Saëns, Georg Goltermann und Louis Hegyesi.

 

 

LITERATUR

Le conteur vaudois. Journal de la Suisse romande 1888, S. 4

The Evening Telegram [New York] 23. Dez. 1899

Gazette de Lausanne 1895, 8., 13., 14. Nov.

Leuuwarder Courant, 1896, 30. Apr., 1., 2., 4., 5. Mai

The Morning Telegraph [New York] 30. Nov. 1899

Musikalisches Wochenblatt 1894, S. 504

NMZ 1896, S. 91; 1897, S. 115, 255

The New York Dramatic Mirror 4. Mai 1901

New York Herald 1899, 29., 30. Nov., 1., 2. Dez.

New York Times 3. Dez. 1899

The Philadelphia Inquirer [Pennsylvania] 1901, 3., 4. Febr.

The World [New York] 4. Dez. 1899

Edmund Sebastian Joseph van der Straeten, History of the Violoncello, the Viol da Gamba, their Precursors and Collateral Instruments, 2 Bde., Bd. 2, London 1915, Repr. in einem Bd. London 2008.

Illustriertes Konversations-Lexikon der Frau, 2 Bde., Bd. 2, Berlin 1900 (Art. „Musikerinnen“).

Jahresberichte der Königlichen Musikschule München, http://bibliothek.musikhochschule-muenchen.de/ bzw. http://bvbm1.bib-bvb.de, Zugriff am 13. Jan. 2014.

Silke Wenzel, „Rosa Brackenhammer“, in: MUGI. Musik und Gender im Internet, http://mugi.hfmt-hamburg.de/A_lexartikel/lexartikel.php?id=brac1870, Zugriff am 13. Jan. 2014.

 

Bildnachweis

NMZ 1897, S. 255

 

JW

 

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