Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Erlanger, Josefine, Josephine, geb. van Brüssel, Brussel

* um 1808 (Ort unbekannt), † 1858 (Ort unbekannt), Pianistin. Bis 1836 sind Auftritte ausschließlich in Amsterdam belegt, wo sie bereits 1819 Klavierkonzerte von Dussek spielte. 1825 berichtet die „Allgemeine musikalische Zeitung" von einem Auftritt in der Gesellschaft Felix Meritis, wo sie ein Konzert von Field und ein Rondo von Kalkbrenner vortrug, das „sie ganz vortrefflich ausführte, so wohl in Rücksicht der Fertigkeit, als des Geschmacks“ (AmZ 1825, Sp. 574). Vor oder um 1836 heiratete sie den aus Frankfurt a. M. stammenden, bei Joseph Mayseder in Wien ausgebildeten Violinisten Max Erlanger (1813–1873). Ein erstes gemeinsames Konzert fand in der Wintersaison 1835/36 in Amsterdam statt, es folgten 1838 Auftritte des Paares in Berlin und 1841 in Wien, wo Josefine Erlanger als „Pianistin der Herzoginn von Anhalt-Bernburg“ bezeichnet (AWM 1841, S. 59) wird. „Mad. Josephine Erlanger besitzt einen schönen, markigen Anschlag und viel Ausdruck in ihrem Spiele, dabei eine ausgezeichnete Geläufigkeit und künstlerische Sicherheit“, so der Kommentar des Kritikers (ebd.). In anderen Wiener Rezensionen wird allerdings auch vermerkt, dass die Leistungen des „routinirten Violinspielers“ und seiner Gattin nicht über das Mittelmaß hinausreichten (AmZ 1841, Sp. 201, 427). Eine ausführliche und lobende Besprechung enthält die „Allgemeine musikalische Zeitung" nach einem Konzert in Görlitz (AmZ 1843, Sp. 70f.). 1842/43 hatte Max Erlanger kurzzeitig eine Anstellung als Musikdirektor, bevor er Konzertmeister in Riga wurde. Im Sept. 1846 verabschiedete sich das Künstlerpaar dort mit einem Konzert, um anschließend nach Moskau überzusiedeln, wo Max Erlanger 20 Jahre lang als Kapellmeister der Kaiserlichen Theater wirkte. Er hinterließ zahlreiche Kompositionen, vorwiegend Vaudevilles, Operetten, Tänze, Lieder und Violinmusik.

Das Repertoire von Josefine Erlanger umfasste Klavierkompositionen von Dussek, Hummel, Field, Ries, Kalkbrenner, Herz, Mendelssohn, Liszt und Thalberg, ergänzt um zahlreiche Kompositionen für Violine und Klavier, die sie gemeinsam mit Max Erlanger musizierte. Vor allem wird ihre Interpretation von Beethovens Violinsonaten gelobt, „worin sie ein Herz und eine Seele sind“ (AmZ 1843, Sp. 71).

 

LITERATUR

AmZ 1819, Sp. 75; 1820, Sp. 343; 1823, Sp. 336, 839; 1824, Sp. 716; 1825, Sp. 574, 577; 1838, Sp. 543; 1841, S. 201, 427; 1843, S. 70f., 109

NZfM 1836 I, S. 171

AWM 1841, S. 18, 59

RudolphRiga, Art. Erlanger, Max

 

FH

 

© 2008 Freia Hoffmann