Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Brunner, Therese, verh. Rudolph

Geburtsdaten unbekannt, † 16. Juli 1879 in Karlsruhe, aus Wien stammende Harfenistin. Ihr Lebenslauf lässt sich nur bruchstückhaft rekonstruieren. Ein erster öffentlicher Auftritt ist für den 21. Dez. 1836 als Solistin im Rahmen eines Konzertabends von Thalberg in Wien belegt. In den beiden folgenden Jahren konzertierte sie mehrmals in Wien sowie 1838 in Dresden. Ab 1843 spielte sie mehrere Konzerte in Leipzig, u. a. 1846 und 1854 im Gewandhaus. In Besprechungen der Leipziger Konzerte wird sie einmal als „herzogl. Coburg-Gothaische Kammervirtuosin“ (AmZ 1846, Sp. 225f.), ein anderes Mal als „Harfenistin, aus Gotha“ (AmZ 1846, Sp. 262) bezeichnet; daher ist anzunehmen, dass sich Wirkungsort und Wohnsitz zeitweise dort befanden. 1852 wurde sie (unter dem Namen Therese Rudolph) Mitglied des Leipziger Orchesters. Als Solistin gab sie im selben Jahr zwei Konzerte in Berlin und 1854 in Leipzig. Im Laufe des Jahres 1854 wechselte sie als Harfenistin zum Karlsruher Hoforchester, das sie jedoch im Herbst desselben Jahres wieder verließ. 1855 spielte sie in Karlsruhe ein Concertino mit Orchesterbegleitung vom „Kapellmeister Strauß“ (NZfM 1855 I, S. 249) und gab am 3. Okt. 1862 ein eigenes Konzert in Karlsruhe, für das sie als „Mitglied der großherzöglichen Hofkapelle“ (Deutsche Musik-Zeitung 1862, S. 373) angekündigt wurde. Spätere Auftritte sind in Leipzig in den Jahren 1868 als Harfenistin in der Büchner’schen Capelle und für 1870 als Solistin und Kammermusikerin belegt. Anlässlich eines Konzerts am 3. März 1854 im Gewandhaus heißt es: Therese Rudolph „zählt zu den besten Künstlern ihres Instruments; bedeutende Technik und virtuose Sicherheit verbinden sich mit viel Ton und beseelter Vortragsweise“ (Deutsche Allgemeine Zeitung 1854, S. 435).

In ihren Konzerten trug sie häufig Kompositionen von Parish-Alvars sowie  von Spohr und Godefroid vor.

 

LITERATUR

Der Adler. Allgemeine Welt- und National-Chronik 1838, S. 1070

AmZ 1837, Sp. 304; 1846, Sp. 225f., 228, 262

Bühnenwelt. Blätter für dramaturgische und belletristische Unterhaltung 1843, S. 537

Deutsche Allgemeine Zeitung 1854, S. 435

Deutsche Musik-Zeitung 1862, S. 373

NZfM 1843 I, S. 146; 1852 I, S. 221; 1852 II, S. 38, 212; 1854 I, S. 80, 117; 1854 II, S. 33; 1855 I, S. 249; 1868, S. 256

Österreichisch-ungarische Revue 1864, S. 146

Rheinische Musik-Zeitung 1853, S. 126; 1854, S. 133f., S. 309

Signale 1846, S. 98; 1852, S. 177, 395; 1854, S. 127, 130; 1868, S. 275; 1870, S. 715; 1879, S. 681; 1880, S. 264

Die Tonhalle. Organ für Musikfreunde 1870, S. 229

Wiener-Moden-Zeitung und Zeitschrift für Kunst schöne Literatur und Theater 1838, S. 536

Eduard Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, 2 Bde., Bd. 1, Wien 1869, Repr. Hildesheim [u. a.] 1979.

Alfred Dörffel, Geschichte der Gewandhausconcerte zu Leipzig vom 25. November 1781 bis 25. November 1881, Leipzig 1884.

Christopher Howards Gibbs, Franz Liszt and his world, Princeton 2006.

 

HB/JW

 

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