Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

KringsKriegs (Katharina) Elise, verh. Baronin von Eichthal, Eichthal-Kriegs, Eichthal-Krings, Krings-Eichthal

* 1807 in Heidelberg, † 6. Dez. 1860 in Baden-Baden, Harfenistin. Ihr Vater war ein Heidelberger Universitätsangestellter. In einer frühen Konzertkritik wird angegeben, dass sie aus München stamme (Berliner AmZ 1828). Vermutlich zog die Familie während ihrer Kindheit dorthin.

Elise Krings war Schülerin des Harfenisten (Jean-)François-Joseph Naderman (1781–1835). Dieser lebte in Paris und wurde 1825 erster Harfenprofessor am Pariser Konservatorium. Demnach muss sie sich während ihrer Ausbildung zumindest zeitweise in Paris aufgehalten haben. Zahlreiche Pressebelege aus den Jahren 1825 bis 1833 lassen auf eine umfangreiche Konzerttätigkeit im deutschsprachigen Raum schließen. Nach ihrer Heirat zog sie sich aus dem öffentlichen Konzertleben zurück, „ging jedoch später nach England und begann ihre Virtuosen-Carriere von Neuem“ (NZfM 1861 I, S. 48). Nachgewiesen sind bislang Konzerte in München (1825, 1827, 1831), Wien (1828, 1829, 1830, 1831, 1833, 1845, 1846), Basel (1831), Köln (vor 1846) und Paris (1845). Zu ihrem Repertoire gehörten u. a. Werke von Bochsa, Lachner, Naderman, Parish Alvars und eigene Variationen. Franz Lachner widmete ihr seine beiden Konzerte für Harfe und Orchester c-Moll (1828) und d-Moll (1833). In ihren Konzerten trat sie häufig mit verschiedenen Musikerinnen und Musikern als Duo auf (Violoncello, Violine, Klavier), u. a. mit den Pianistinnen Fanny Sallamon und Friederike Müller. Sie ließ sich mehrmals am Wiener Hof hören und wurde 1846 zur k. k. österreichischen Kammervirtuosin ernannt. Darüber hinaus war sie königlich belgische Kammervirtuosin (NZfM 1861 I, S. 48). Häufig wirkte sie bei Benefizkonzerten mit.

Ihre Konzerte fanden in der Fachpresse meist lobende Erwähnung, doch wurde gelegentlich auch Kritik laut: „Die Pianostellen trägt sie mit einer absonderlichen Zartheit vor, obwohl sie nach unserer unvorgreiflichen Meinung mehr mit diesem Flittergolde geizen sollte, was sie so verschwenderisch bei jeder Gelegenheit ausstreuet; ihr Flageolet ist besonders rein und klangvoll“ (AWM 1845, S. 547). Eines ihrer Konzerte in Wien (1845) bezeichnet die „Allgemeine Musikalische Zeitung“ als „eines der interessantesten der ganzen Wintersaison (AmZ 1845, Sp. 329). „Von der mechanischen Virtuosität dieses Spiels abgesehen, ist es der Ausdruck einer inneren Beseelung und der vorzüglich gebildete Geschmack, was hier so besondere Wirkungen hervorbringt. Diese tiefe, man könnte sagen, bis in die Fingerspitzen reichende Empfindung ist es eben, die so selten mit technischer Vollkommenheit vereint gefunden wird; denn entweder ist sie von Haus aus nicht vorhanden, oder sie geht während des technischen Studiums unter“ (ebd.).

Über ihr persönliches Leben sind nur bruchstückhafte Informationen überliefert. Die Ehe mit dem Schriftsteller und späteren Leuchtgasfabrikanten August von Eichthal (1795–1875) wurde wahrscheinlich zwischen 1833 und 1835 geschlossen. Das Paar hatte drei gemeinsame Kinder. Die erste 1835 in Triest geborene Tochter, Augusta Henriette Baronesse von Eichthal (1835–1932), führte später einen kirchenpolitisch bedeutsamen Salon in Rom. Im Wiener Hofkalender aus dem Jahre 1865 wird eine Elisabeth von Eichthal als Kammervirtuosin aufgeführt, die eine weitere Tochter von Elise Krings, verh. von Eichthal sein könnte. Nach ihrem Rückzug vom Konzertleben lebte Elise von Eichthal abwechselnd in München und Wien. In ihren letzten Lebensmonaten siedelte sie aus gesundheitlichen Gründen nach Baden-Baden über.

 

LITERATUR

AmZ 1826, Sp. 9; 1827, Sp. 116; 1828, Sp. 227; 1829, Sp. 215; 1830, Sp. 617; 1832, Sp. 46; 1833, Sp. 394, 570, 580; 1845, Sp. 329

AWM 1845, S. 500, 540, 546f., 595; 1846, S. 467, 544

Berliner AmZ 1828, S. 207

Castelli 1830, S. 31, 76; 1831, S. 43, 82; 1833, S. 52

NZfM 1845 I, S. 24; 1861 I, S. 48

Signale 1846, S. 55

Gathy, Becker, Zingel, Grove 2001 (Art. Naderman, (Jean) François Joseph); Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon (Art. Eichthal, Augusta Henriette Baronesse von, http://www.bautz.de/bbkl/e/eichthal_a_h.shtml, Zugriff am 13. Febr. 2008)

Eduard Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, 2 Bde., Bd. 1, Wien 1869, Repr. Hildesheim [u. a.] 1979..

 

Hanna Bergmann

 

© 2008 Freia Hoffmann