Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Kufferath, Elisa, Eliza

* 28. Dez. 1875 in Schaerbeek bei Brüssel, † um oder nach 1899, Ort unbekannt, Violoncellistin. Die Akten des Brüsseler Konservatoriums geben als ihren Vater den Gerichtsschreiber „Mr. Stielen“ an; möglicherweise war ihre Mutter eine geborene Kufferath, denn „The Strad“ zufolge war Elisa eine Cousine des belgischen Musikkritikers und Theaterdirektors Maurice Kufferath (1852–1919). Im Oktober 1888 trat sie im Brüsseler Konservatorium in die Klasse von Edouard Jacobs (1851–1925) ein, der 1885 als Professor für Violoncello Nachfolger von Joseph Servais (1850–1885) geworden war. Von Jacobs, der auch als Gambist auftrat, dürfte sie auch mit Alter Musik bekannt gemacht worden sein. In den theoretischen Fächern wurde sie von Gustave Huberti (1843–1910) und Joseph Dupont (1838–1899) unterrichtet, Kammermusikkurse besuchte sie bei ihrem Onkel Hubert Ferdinand Kufferath (1818–1896). Einen ersten Preis im Fach Violoncello errang sie 1894, exmatrikulierte sich jedoch erst 1896.

Mit der Aufführung eines Violoncello-Konzertes von Adrien-François Servais im Concertgebouw in Amsterdam unter Joseph Mengelberg im Nov. 1895 ist ein erster öffentlicher Auftritt belegt. Im „Amsterdammer“ lobte Simon van Milligen die Musikerin als „een hoogst muzikale natuur. Hare wijze van voordracht en spel getuigen reeds zeer van meesterschap“ („ein hochmusikalisches Talent. Vortrag und Spiel bezeugen bereits eine hohe Meisterschaft“). Er kritisierte aber die Wahl des Werkes, dessen „halsbrekende toeren“ („halsbrecherische Passagen“) und „salto mortales“ Elisa Kufferath wohl teilweise überforderten (De Amsterdammer 8. Dez. 1895, S. 3). Es folgten Konzerte in Gand und Huy, bevor sie Ende 1896 in Berlin erstmals gemeinsam mit ihrer Schwester Jeanne Kufferath (Harfenistin, 1874–?) konzertierte. Während die „Signale für die musikalische Welt“ die Musikalität loben und betonen, dass die Schwestern „ihre Instrumente auch nach der technischen Seite hin bereits mit vieler Sicherheit“ beherrschten (Signale 1896, S. 999), thematisiert die „Neue Zeitschrift für Musik“ die noch immer ungewöhnliche Instrumentenwahl: „Ein eigenartiges Künstlerpaar erschien im Saal Bechstein […], die eine Violoncellistin, die andere Harfenistin; Letztere ist die fortgeschrittenere, beide zeigen aber hübsche Begabung für die von ihnen gepflegten Instrumente“ (NZfM 1896, S. 570). Im Lauf des Jahres 1897 war Elisa Kufferath in Brüssel in einer Vortragsreihe von Maurice Kufferath über die „Grands maîtres de la musique“ zu hören. Bei einer Joh. Seb. Bach gewidmeten „Causerie“ spielte sie das Air aus der 3. Orchestersuite und eine nicht näher bestimmbare „sonate pour violoncelle et piano“ (Le Guide musical 1897, S. 72); bei einem Vortrag über Beethoven war sie an der Aufführung des Klaviertrios op. 70 Nr. 1 beteiligt. Es folgte ein Gastspiel im belgischen Nivelles, über das der „Guide musical“ ausführlich berichtet: „Mlle Kufferath, qui a obtenu, il y a quelques années déjà, au Conservatoire de Bruxelles, un premier prix ,avec la plus grande distinction‘, est une artiste d’un talent sérieux et mûr. Elle se distingue surtout par sa grande compréhension des œuvres qu’elle interprète: L’Aria de Bach, par exemple, si souvent médiocrement exécutée par les violoncellistes, est rendue par elle avec une ampleur de son, une largeur de style et une intensité de sentiment qui justifient hautement la grande réputation qu’elle s’est acquise. Quant à son mécanisme, elle l’a brillament étalé dans divers morceaux de grande virtuosité, qui ont été enlevés avec une justesse et une sûreté étonnantes“ („Mlle. Kufferath, die schon vor einigen Jahren am Konservatorium in Brüssel einen ersten Preis ‚mit höchster Auszeichnung errungen hat, ist eine Künstlerin mit gediegenem und ausgereiftem Können. Sie zeichnet sich vor allem durch ihr tiefes Verständnis der Werke aus, die sie interpretiert: Die Aria von [Joh. Seb.] Bach etwa, von Violoncellisten oft so mittelmäßig vorgetragen, wird von ihr mit einem so vollen Ton, so durchaus stilvoll und mit einer Gefühlstiefe musiziert, dass es in hohem Maß den beachtlichen Ruf rechtfertigt, den sie sich erworben hat. Was ihre Technik angeht, hat sie diese glänzend unter Beweis gestellt in verschiedenen hochvirtuosen Kompositionen, die mit einer verblüffenden Präzision und Sicherheit wiedergegeben wurden“, Le Guide musical 1897, S. 647). 1899 folgte ein gemeinsamer Auftritt mit ihrer Schwester Jeanne in der Salle Erard in Paris, bei dem Elisa Kufferath Werke von Joh. Seb. Bach, Servais, Saint-Saëns und Popper zu Gehör brachte, „marked by intelligent phrasing, the tone produced being full and round“ (The Athenæum 1899 I, S. 539). Auch in England scheint Elisa Kufferath aufgetreten zu sein: Ein ausführlicher Artikel in „The Strad“, gezeichnet mit dem Pseudonym „Gamba“, würdigt sie als „the first and foremost of all female solo violoncellists I have ever heard“. „Her artistic capacity is very great […]. Her technique is superb in finish and abundance and her personality is of the strongest. To all this may be added without impertinence, great personal attractions“ (The Strad 1899, S. 122).

Im folgenden Jahr berichtet die „Musical Times“ von einem Konzert in London : „Mdlles. Jeanne and Fernande Kufferath showed much skill at their harp and violoncello recital in the Ist. ult. We shall hope to hear these ladies again“ (MusT 1900, S. 399). Hier verliert sich die Spur von Elisa Kufferath, während Auftritte der Violoncellistin Fernande Kufferath noch bis 1920 vereinzelt belegt sind.

LITERATUR

De Amsterdammer. Weekblad voor Nederland 8. Dez. 1895, S. 3

The Athenæum 1899 I , S. 539

Le Guide musical 1897, S. 72, 132, 647

Musical News 1896 I, S. 227

MusT 1900, S. 399; 1917, S. 376; 1919, S. 375

NZfM 1896, S. 52, 139, 570

Het Nieuws van den Dag. Kleine Courant [Amsterdam] 26. Nov. 1895

Saturday Review of Politics, Literature, Science, and Art 1920, S. 456

Signale 1896, S. 999

The Strad 1899, S. 121f.

 

Bildnachweis

The Strad 1899, vor S. 121

 

Freia Hoffmann

 

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