Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

BernouillyBernouilliBernoulliBernoully, (Caroline, Carolina, Louise, Luisa) Agnes, geb. Mindt

* 19. Juli 1825 in Berlin, † nach 1883 (Ort unbekannt), Pianistin, Klavierlehrerin und Komponistin. Sie wurde als ältestes von vier Kindern des Berliner Kaufmanns Carl Friedrich Mindt und dessen Ehefrau Anna Marie Louise geb. Going geboren und am 21. Aug. 1825 in Berlin-Luisenstadt getauft. Bereits in jungen Jahren erhielt Agnes Bernouilly Klavierunterricht. In diesem Rahmen wurde ihre Fähigkeit zur Komposition wahrgenommen, weshalb sie von den Eltern zu dem Königlichen Kammermusiker Karl Böhmer (1799?) geschickt wurde, zu dessen Schülerinnen auch Johanna Kinkel zählte. Die ersten Arbeiten, vornehmlich Tänze, erhielten durch den Lehrer eine erweiterte Instrumentierung und wurden daraufhin dem Musikdirektor Justus Liebig übergeben, der sie in seinen seit 1843 veranstalteten Sinfoniekonzerten zur Aufführung brachte.

Um 1845 heiratete die Künstlerin den Gutsbesitzer Friedrich Ferdinand Johann Bernouilly (18191884) und zog mit ihm nach Pankow. Hier organisierte sie zahlreiche Konzerte, in denen sie auch selbst spielte. Dass sie nach der Hochzeit jedoch nicht mehr als Berufsmusikerin auftrat, zeigt die Besprechung eines Konzertes durch einen Rezensenten der „Neuen Berliner Musikzeitung“. Dieser bezeichnet sie als „eine geschätzte Dilettantin […, die] sich ebenfalls an dem Concerte durch ein geschmackvolles und gebildetes Pianofortespiel“ (Bock 1855, S. 309) beteiligt habe.

Beachtung fand Agnes Bernouilly auch als eine Komponistin, deren Arbeiten „den Beifall der Presse“ (Morsch, S. 61) fanden. Neben Liedern, Klavierwerken, einer Motette und Kammermusik enthielt ihr Œuvre Orchesterkompositionen, die noch zu ihren Lebzeiten von den Musikdirektoren Johann Heinrich Saro und Karl Wilhelm Frese aufgeführt wurden. Seit spätestens 1855 gaben Berliner Verleger einige ihrer Werke heraus.

In Pankow widmete sich Agnes Bernouilly neben dem Klavierspiel und der Komposition auch der unentgeltlichen Ausbildung junger Menschen auf dem Klavier. Für heranwachsende MusikerInnen engagierte sie sich daneben in ihrer Funktion als Vorstandsmitglied des „Frauen-Vereins für Belehrung und Unterhaltung“. „Sie leitete den musikalischen Theil desselben und hat oft jungen Talenten damit den Weg in die Öffentlichkeit gebahnt“ (Morsch, S. 61).

 

WERKE FÜR KLAVIER

Frühlingsklänge, Walzer, Berlin 1851; Nocturne, Berlin 1855; Valse brillante As-Dur op. 3, Berlin 1867; Jagdlied, Berlin 1873; Etude, Berlin 1875

 

LITERATUR

Berliner Musikzeitung Echo 1855, S. 125

Bock 1855, S. 309

Ledebur, Elson, Ebel

Anna Morsch, Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart, Berlin 1893.

Patricia Adkins Chiti, Donne in musica, Rom 1996.

Friederike Ursula Eigler u. Susanne Kord (Hrsg.), The feminist encyclopedia of German Literature, Westport 1997.

 

AB

  

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