Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Lachner, (Maria) Christina, Christiane, verh. Mühlbauer

* 28. Juli 1805 in Rain, † 29. Mai 1858 in Vohburg (Donau), Organistin. Sie war das fünfte Kind aus der Ehe des Organisten Anton Lachner (1756-1820) mit seiner zweiten Frau Maria Anna Kunz (1774–1846). Ihr Vater unterrichtete sie im Klavier-, Orgel- und Violinspiel sowie im Gesang. Mit ihren Brüdern Theodor (1798–1877), Franz (1803–1890), Ignaz (1807–1895)  und Vincenz (1811–1893) und ihrer Schwester Thekla Lachner trat sie bereits als Kind in Konzerten auf, die ihr Vater in Rain und Umgebung organisierte. Als dieser am 2. Sept. 1820 starb, wandte sich die Mutter in ihrer finanziellen Bedrängnis mit einem Gesuch an das Rainer Rathaus, eine ihrer beiden Töchter als Organistin anzustellen.

Am 11. Sept. 1820 wurde die erst 15-jährige Christina Lachner nach bestandener öffentlicher Prüfung einstimmig von Stadtrat und Gemeindebevollmächtigten zur Nachfolgerin ihres Vaters gewählt. Als solcher kam ihr von diesem Zeitpunkt an auch die Ernährerrolle in der Familie Lachner zu. Das Organistenamt an der Stadtpfarrkirche in Rain übte sie ungefähr sechs Jahre lang aus. Während dieser Zeit lernte sie den Schullehrer und Kirchenmusiker Georg Joseph Mühlbauer kennen, von dem sie ein uneheliches Kind bekam. Als sie ihn am 3. Apr. 1827 heiratete, trat sie ihr Organistenamt an ihn ab. Das Paar hatte insgesamt neun Kinder, von denen vier früh starben.

1848 zog sie mit ihrer Familie nach Vohburg (östlich von Ingolstadt). Obwohl ihr Mann eine Anstellung als Schullehrer und Kirchenmusiker hatte, lebte die Familie in ärmlichen Verhältnissen. Dies geht aus drei (vermutlich unbeantworteten) Eingaben Mühlbauers an den Vohburger Magistrat hervor (1849–1853), in denen er das Elend seiner Familie schildert und um die vollständige Auszahlung seines vertraglich vereinbarten Gehalts als Lehrer und Kirchenmusiker bittet. Mühlbauers Schreiben von 1849 gibt außerdem Auskunft darüber, dass seine Frau Christina ständig krank war. Ob ihre Krankheit mit den schlechten Verhältnissen in Zusammenhang steht, in denen die Familie leben musste, ist ungeklärt. Im Alter von 53 Jahren starb sie an „Zehrfieber“ (Mann 1989, S. 76).

Von Christina Mühlbauers Kindern tat sich musikalisch besonders ihr Sohn Joseph hervor, der Waldhornist in der Münchner Hofkapelle wurde.

 

LITERATUR

Schilling Suppl., Gaßner (Art. Lachner, Familie), Schla/Bern, Paul, Mendel (Art. Lachner, Theodor), Fétis (Art. Lachner, Vincent), Grove 5, Sartori Enci

Harald Müller, Studien zu Leben und Werk Ignaz Lachners, Celle 1977.

Harald Johannes Mann, „Als die Lachners im Lachnerhaus wohnten“, in: Sieh auf. Beiträge zu Geschichte und Kultur der Stadt Rain und ihrer Umgebung 10 (1985), S. 1–4.

Harald Johannes Mann, Die Musikerfamilie Lachner und die Stadt Rain, Rain a. Lech 1989.

Freia Hoffmann, Instrument und Körper. Die musizierende Frau in der bürgerlichen Kultur, Frankfurt a. M. u. Leipzig 1991.

 

Chantal Möller/HB

 

© 2007 Freia Hoffmann