Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Laidlaw, Robena Rebecca Rowena Anna Anne Ann, verh. Thomson

* 30. Apr. 1817 in Bretton/Westriding von Yorkshire, † nach 1852 (Ort unbekannt), Pianistin. Bereits als Kind zeigte sie eine besondere Affinität zur Musik. Ihre Eltern, Anne und Alexander Laidlaw, wollten sie jedoch nicht „lediglich zur Virtuosin heranbilden (National-Verein 1839, S. 184) lassen. Vielmehr sollte ihre Tochter eine umfassende Allgemeinbildung bekommen, weshalb Robena Laidlaw 1827 in eine unter der Leitung ihrer Tante stehende Erziehungsanstalt nach Edinburgh gesandt wurde. Hier befürchtete man, dass sie über ihrer Begeisterung für Musik andere Studien vernachlässigen würde, weshalb man sie bewusst von der Musik abhielt. Das Mädchen widersetzte sich dem allerdings und erwarb autodidaktisch erste Fertigkeiten am Klavier. Hierbei „brachte sie es […] so weit, daß sie nach einiger Zeit kleine, leichte Piecen ganz artig vortrug (National-Verein 1839, S. 184). Robert Müller (um 1804–1855), ein Pianist aus Edingburgh, wurde schließlich auf Robena Laidlaw aufmerksam und versuchte, deren Eltern von einer Ausbildung ihrer Tochter zur Pianistin zu überzeugen, was diese aber zunächst ablehnten. Erst 1830, nach dem Umzug der Familie nach Königsberg, ermöglichten sie ihr eine intensivere Beschäftigung mit Musik. So wurde sie in Königsberg fortan von Georg Tag unterrichtet. Unter dessen Anleitung machte Robena Laidlaw bedeutende Fortschritte, sodass sich der Vater nach vier Jahren entschloss, „die Tochter über Berlin nach London zu begleiten, um einem der dortigen großen Meister ihre höhere künstlerische Bildung anzuvertrauen (ebd.).

In Berlin trat die Pianistin zunächst in den Salons und später auch in eigenen Konzerten auf. Zudem spielte sie vor der königlichen Familie sowie der damals in Berlin residierenden Herzogin von Cumberland (spätere Königin von Hannover). Letztere ernannte Robena Laidlaw zu ihrer Hofpianistin und versah sie mit Empfehlungsschreiben an den englischen Hof.

Im Anschluss an den Aufenthalt in Berlin begab sich die junge Frau Anfang des Jahres für kurze Zeit zurück nach Königsberg, bevor sie im Frühjahr 1835 nach London aufbrach. In London spielte sie unter anderem im St. James-Palace vor der Königin Adelaide sowie im Rahmen eines Paganini-Konzerts. Darüber hinaus erhielt sie hier Unterricht von Henri Herz (1803–1888). Im Juli 1835 verließ sie London, um in weiteren englischen Städten als Pianistin aufzutreten. Über Berlin, wo sie die Bekanntschaft mit Ludwig Berger machte, kehrte sie im Sept. 1835 nach Königsberg zurück.

In den folgenden Jahren schlossen sich zahlreiche weitere Konzertreisen an, in deren Rahmen Robena Laidlaw neben Wien insbesondere in deutschen Städten wie Berlin, Dresden, Leipzig, Frankfurt a. M. und Wiesbaden konzertierte. Während eines Aufenthalts in Leipzig im Sommer 1837 lernte die Pianistin Robert Schumann kennen. Dieser zeigte sich beeindruckt von ihr und schrieb über sie: „Ein so gründlich gutes und eigenthümliches Spiel, wie sie es in ihrer Morgenunterhaltung vorigen Sonntag zeigte, verdiente den lebhaftesten Beifall, wären die meisten Menschen überhaupt in der Frühe für Musik empfänglich. […] Die Künstlerin, in deren Bildung sich neben englischer Tüchtigkeit die natürliche Liebenswürdigkeit ausspricht, wird Allen, die sie näher kennen lernten, im werthesten Andenken bleiben (NZfM 1837 I, S. 12). Seiner Wertschätzung Robena Laidlaws verlieh er Ausdruck, indem er ihr seine Phantasiestücke op. 12. widmete, die im Febr. 1838 erschienen. Das der Künstlerin nach Petersburg gesandte Exemplar trägt seine handschriftliche Widmung: „An Fräulein Anna Robena Laidlaw. Erinnerung an die Julytage 1837“ (zit. nach Zeitschrift der internationalen Musikgesellschaft 1901–1902, S. 191). Mit einer Widmung ehrte 1840 auch Wilhelm Taubert die Künstlerin. Dabei handelt es sich um die Konzertstücke Gracia et Bravura (National-Verein 1840, S. 87).

Im Anschluss an ihren Aufenthalt in Leipzig begab sich Robena Laidlaw auf weitere Konzertreisen durch Europa und war seit 1845 in London wohnhaft. Nach ihrer Hochzeit mit dem schottischen Rechtsanwalt Thomson im Jahre 1852 zog sie sich aus dem Konzertleben zurück.

Das Repertoire Robena Laidlaws umfasst insbesondere Werke von Pixis, Moscheles, Hummel, Chopin, Ries, Schumann, Beethoven, Thalberg, Berger und Hiller. Darüber hinaus brachte sie auch zahlreiche Werke ihres Lehrers Henri Herz zur Aufführung.

In der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ wird Robena Laidlaw als „eine recht fertige Pianistin der neueren Klavierschule bezeichnet, die sich insbesondere „durch einen ungemein sauberen Anschlag und Präzision aus[zeichnet] (AmZ 1839, Sp. 66). Zu den charakteristischen Prärogativen ihres Spiels werden von zahlreichen Rezensenten die technische Fertigkeit und Sicherheit, hier insbesondere auch der linken Hand, sowie die Kraft und die Leichtigkeit des Spiels gezählt (siehe z. B. Iris 1834, S. 64; National-Verein 1839, S. 184; AmZ 1836, Sp. 194, 1839, Sp. 66f.).  Deutlich wird dies auch im Vergleich mit Clara Wieck„Während diese letztere vorzüglich durch die imponirende Kraft, durch das Prächtige und Glanzvolle ihres Spiels erstaunen macht, gefällt Miß L. vorzugsweise durch das Zarte, Weiche und Elegische ihres Vortrags (National-Verein 1839, S. 184). Sie wußte, wie Clara Wieck, das Wesen einer liebenswürdigen Individualität ihrem Spiele einzuprägen; auch sie bewegte sich hoch über allen mechanischen Hemmungen mit einer unbeschreiblichen Fertigkeit und bezaubernden Leichtigkeit durch die schwersten Aufgaben. [...] Die Anmuth des Spiels, wechselnd mit großer Kraft, diese Grazie, mit Charakter verbunden, bezeichnet die Art ihres Vortrags und Styls. An Fertigkeit der linken Hand soll kein Virtuos der neuern Zeit sie überbieten“ (National-Verein 1839, S. 272).

 

LITERATUR

AmZ 1834, Sp. 313, 381; 1835, Sp. 393, 432, 445; 1836, Sp. 137, 194, 462; 1837, Sp. 638; 1838, Sp. 80; 1839, Sp. 66f., 233f.; 1840, Sp. 91, 376; 1843, Sp. 836f.

Athenæum 1901 I, S. 767

Castelli 1834, S. 68; 1837, S. 123; 1838, S. 116; 1839, S. 196, S. 251

Iris 1834, S. 48, 64; 1840, S. 40

MusW 1839, S. 266; 1840, S. 275

National-Verein 1839, S. 87, 183f., 272; 1840, S. 24, 87, 126

NZfM 1837 I, S. 12, 152

RGM 1843, S. 126

The Foreign Quarterly Review 1840, S. 429

The Musical Standard 1901 I, S. 386

Friedrich Gustav Jansen, Die Davidsbündler, Leipzig 1883.

Friedrich Gustav Jansen, „Robert Schumann und Robena Laidlaw“, in: Die Grenzboten 1895, S. 320–332.

Friedrich Gustav Jansen, „Miß Anna Robena Laidlaw“, in: Zeitschrift der internationalen Musikgesellschaft(1901-1902), S. 188–192.

Wolfgang Seibold, Familie, Freunde, Zeitgenossen, Die Widmungsträger der Schumannschen Werke, Sinzig 2008.

 

Bildnachweis

Robena Anne Laidlaw. Litographie. Im Besitz der New York Public Library for the Performing Arts / Music Division,http://digitalgallery.nypl.org/nypldigital/id?1269414, Zugriff am 13. Nov. 2009.

 

Annkatrin Babbe

 

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