Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

SkiwaSkivaSkjvaSkjwa, Constanze, ConstanceKonstanze

* um 1846 in Wien, † 14. Apr. 1881 ebd., Pianistin und Klavierlehrerin. Constanze Skiwa wurde von ihrem Vater, dem Wiener Pianisten und Klavierlehrer Johann Skiwa (1812–1881) ausgebildet. Dieser gründete um 1870 die Skiwa’sche Klavierschule, an der „das Pianoforte-Spiel bis zur höchsten künstlerischen Ausbildung cultiviert werden“ (Signale 1870, S. 237) sollte. Erste Berichte aus den Jahren 1861 bis 1865 zu Konzerten seiner Tochter „Fräulein Skiwa“ (Das Vaterland 21. Apr. 1861) bzw. „seiner Tochter Irene“ (Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik 1863 I, S. 28) sind nicht mit Sicherheit Constanze Skiwa zuzuordnen. Aufgrund dieser Uneindeutigkeit schreibt Wurzbach in seinem „Biographischen Lexikon des Kaiserthums Österreich“: „Welche Verbindung zwischen beiden Clavier-Virtuosinen Irene und Constanze Skiwa besteht, ob sie Geschwister oder Verwandte sind, oder ob durch eine etwa willkürliche Verleihung der Taufnamen hinter Constanze und Irene nur Eine Pianistin Skiwa steckt, kann Herausgeber nicht bestimmen“ (Wurzbach).

Eindeutig Constanze Skiwa zuzuordnende Auftritte sind erst ab 1864 überliefert. Am 14. Dez. trug sie im Rahmen eines Gesellschaftsabends des Orchestervereins der Gesellschaft der Musikfreunde Wien Beethovens 4. Klavierkonzert G-Dur op. 58 unter Leitung des Violinisten Carl Heissler vor. Anschließend weitete sie ihren Wirkungsradius erstaunlich schnell aus: Auf eine Mitwirkung bei der vierten Abendunterhaltung für Kammermusik in Leipzig 1865 folgten Engagements (zunächst in Begleitung ihres Vaters) in Bremen (1866), Brüssel (1866, 1867, 1870), Leipzig (1866–1868), Wien (1867, 1869), Gent (1867), Mons (1867), Paris (1867, 1868), London (1867–1870), Liverpool (1868, 1869), Edinburgh (1869) und Antwerpen (1869). In der Presse werden u. a. Konzertreisen nach Holland für Okt. 1867 und Spaa für Frühjahr 1868 angekündigt, deren Umsetzung allerdings nicht belegt ist. In der „Neuen Zeitschrift für Musik“ heißt es im Jahr 1868: „Frl. Skjwa hat sich dauernd in London niedergelassen und gedenkt sich dort einen Wirkungskreis als Lehrerin zu eröffnen“ (NZfM 1868, S. 311). Die „Signale für die musikalische Welt“ berichten im Jahr 1869: „Fräulein Constanze Skiwa hat einen Ruf erhalten, an einem der ersten Institute Londons als Lehrerin einzutreten und ist in Folge dessen bereits dahin zurückgekehrt; ihre für November und December in Deutschland beabsichtigte Concert-Tournée muß daher unterbleiben“ (Signale 1869, S. 969). In der Folge beschränkte sich ihre Konzerttätigkeit vor allem auf England, unterbrochen von Reisen nach Wien (1871), Moskau (1873) und Tallinn (1875). Bis 1881 konzertierte sie regelmäßig in London, aber auch vereinzelt in Liverpool, Edinburgh und Newcastle-upon-Tyne.

Wichtige Stationen ihrer Konzerttätigkeit waren Leipzig, Brüssel, Paris und London. In Leipzig sind vor allem Auftritte bei den Euterpe- und Ossian-Konzerten sowie im Konzertsaal des Konservatoriums bzw. des Gewandhauses überliefert. Ihre Leistungen bei anschließenden Konzerten in Brüssel wurden auch in den deutschsprachigen, englischen und französischen Zeitschriften verfolgt. Der „Moniteur Belge“ berichtet ausführlich von ihrem ersten Erscheinen Anfang Dez. 1866 im Rahmen eines Konzerts des Violoncellisten Arwed Poorten in der Salle Vauxhall in Brüssel: „Dans cette soirée on a entendu encore une jeune pianiste, Mlle Constance Skiwa, fille et élève du célèbre pianiste de Vienne. Mlle Skiwa était là à bonne école. Son jeu est plein de distinction. Elle commande le clavier qui obéit à ses doits agiles, dirigés par le goût le plus pur. Le trio en ré de Beethoven, une gavotte de Bach et une valse de concert de Wieniawski, véritable emporte-pièce, ont mis en relief ses brillantes et solides qualités“ („Wir haben an diesem Abend eine junge Pianistin gehört, Fräulein Constance Skiwa, Tochter und Schülerin des berühmten Pianisten aus Wien. Fräulein Skiwa war dort in guter Schule. Ihr Spiel ist sehr distinguiert. Das Klavier, das ihren flinken Fingern vollkommen gehorcht, behandelt sie mit ausgesuchtem Geschmack. Das Trio in d von Beethoven, eine Gavotte von Bach und ein Konzertwalzer von Wieniawksi, ein echtes Paradestück, haben ihre glänzenden und soliden Qualitäten unter Beweis gestellt“, Moniteur Belge 1866 Premier Supplément, S. 6672). In Paris ist besonders ihre Mitwirkung bei den Athenäums-Konzerten im Jahr 1867 erwähnenswert. Die Wiener „Presse“ zitiert im Mai 1867 einen Artikel aus „Zellner’s Blättern für Musik“, die aus Paris berichten: „Niemals hat[t]e sich eine größere Anzahl von fremden Clavierspielerinnen in Paris eingefunden als in diesem Jahre. Beinahe alle hofften in den Concerts populaires oder in denen des Athenäums zu spielen; unter den Auserwählten heben wir mit Vergnügen Fräulein Constanze Skiwa hervor, die liebenswürdige Wiener Pianistin mit ihrem feinen, poetischen Talente. Sie spielte in einer Soirée, welche am 8. v. M. [Mai] stattfand, Stücke von Bach, Schumann und Chopin. Die Künstlerin ist im Besitze einer bewundernswürdigen Fertigkeit. Ihre Beherrschung des Instruments ist vollkommen; Sie entlockt dem Pianoforte Effecte, welche man nur auf Saiten-Instrumenten für möglich halten sollte. Der Sieg des Fräuleins Skiwa war vollständig, das Publicum bezeigte [sic] dies durch den anhaltenden warmen Beifall. Sie gab am 6. Mai im Erard’schen Salon ein sehr besuchtes Concert, in welchem sie ein Trio in D-dur und die Sonate pastorale von Beethoven, zwei Canons von Jadessohn [sic], Ballade in G-moll von Chopin und Marche hongroise für zwei Pianos, von H. Kowalski, unter Mitwirkung des Componisten, mit demselben großen Beifalle spielte“ (Die Presse 25. Mai 1867). Auch in London konnte sich Constanze Skiwa in den großen Konzertreihen produzieren, Höhepunkt war neben einem Auftritt im Crystal Palace im März 1868 wohl die Mitwirkung bei den Monday Popular Concerts am 22. Nov. 1869, wo sie zwischen Beiträgen von Wilma Neruda, Louis Ries, John Baptiste Zerbini und Alfredo Piatti die Beethoven-Sonate Nr. 15 D-Dur op. 28 und eine Sonate für Violoncello und Klavier von Bonifazio Asioli interpretierte. „In the performance of the fine sonata […] Mdlle. Skiwa displayed much energy of style and decision of accent; with an impulse which occasionally led her into some exaggeration of the tempo; as, for instance, in the scherzo, which was taken much too fast, and in the final allegro, in which the qualifying direction ‚non troppo‘ was not sufficiently regarded. Mdlle. Skiwa was much applauded throughout the sonata, and was recalled at the close“ (Daily News 23. Nov. 1869).

 

LITERATUR

AmZ 1865, Sp. 872; 1866, Sp. 89, 137; 1867, Sp. 355, 403; 1868, Sp. 132

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Bock 1866, S. 61, 405; 1867, S. 102, 343; 1868, S. 79; 1869, S. 371, 406

CaeciliaNL 1865, S. 29, 74; 1867, S. 22, 102, 134, 206; 1868, S. 9, 79, 106, 193, 210; 1870, S. 10

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Die Debatte [Wien] 1864, 16. Dez.; 1867, 30. Apr.

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FM 1868, S. 63f.

Liverpool Mercury 1868, 1., 5., 9. Okt., 6., 7. Nov.; 1869, 12., 17., 20., 23., 30. Nov.

Lloyd’s Weekly Newspaper [London] 23. Mai 1869

Le Ménestrel 1867 S. 70, 110, 135; 1868, S. 103, 157

Le Moniteur Belge 1866, S. 6531, 6535, 6545, 6552, 6672

Monthly Musical Record 1871, S. 62

MusT 1869, S. 115

MusW 1867, S. 874; 1868, S. 197, 198, 211, 238, 539, 716; 1869, S. 302, 331, 363, 561, 714, 800, 870; 
1881, S. 294f.

Neue Freie Presse [Wien] 1867, 20. Apr.; 1868, 3. Apr.; 1869, 27. Nov.; 1871, 18. März

Neues Fremden-Blatt [Wien] 1867, 22., 26. Jan.; 1868, 1. Apr.

Newcastle Courant 26. Juli 1872

Niederrheinische Musik-Zeitung 1865, 7. Jan.; 1866, 1. Sept.

NZfM 1865, S. 210, 445, 463; 1866, S. 4, 35, 38, 44, 417, 445; 1867, S. 50, 97, 154, 169, 184, 221, 246, 342, 389, 397, 423, 451f., 454; 1868, S. 74, 119, 130, 140, 214, 311, 386, 405; 1869, S. 186, 328, 402, 443

The Observer 1868, 15., 22. März, 26. Juli; 1869, 16. Mai

The Orchestra 1867 I, S. 120, 168; 1867 II, S. 409; 1868 I, S. 40, 264; 1868 II, S. 51, 115; 1869 I, S. 97, 113, 115, 273; 1869 II, S. 148

Pall Mall Gazette [London] 1869, 14., 17. Mai, 24. Nov.

Die Presse [Wien] 1863, 22. Jan.; 1867, 20. Apr., 25. Mai; 1868, 31. März, 27. Okt.; 1871, 23. März

RGM 1868, S. 45, 55, 63, 70; 1860, S. 14

La Semaine Musicale 18. Apr. 1867

Signale 1866, S. 7, 122, 881; 1867, S. 82, 113, 149, 274, 389, 436, 478, 839f., 851, 932, 976, 991, 1021, 1038; 1868, S. 186, 218, 219, 236, 289, 293, 323, 352, 356, 380, 385, 410, 411, 414, 677, 730, 923; 1869, S. 235, 249, 598, 686, 712, 969, 971, 984, 1047, 1050, 1081; 1870, S. 43, 76, 220, 237, 298, 701; 1871, S. 277; 1873, S. 264; 1875, S. 343; 1876, S. 209; 1881, S. 555; 1882, S. 264

Die Tonhalle 1868 S. 479

Das Vaterland [Wien] 1861, 21. Apr.; 1867, 21. Apr.

Wiener Zeitung 1863, 9., 16. Jan.; 1866, 26. Jan.; 1867, 21. Apr., 28. Mai; 1868, 21. Aug.

Eduard Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, 2 Bde., Bd. 2, Wien 1869, Repr. Hildesheim [u. a.] 1979.

 

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