Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Mettler, Emma

Lebensdaten unbekannt († nach 1924), Pianistin. Sie wurde zum ersten Mal im Jahr 1884 in der Zeitschrift „Signale für die musikalische Welt“ nach zwei Konzerten in Rom als „eine junge ausgezeichnete Pianistin“ (Signale 1884, S. 616) erwähnt. In den 1880er Jahren hatte sie ihren Hauptwohnsitz vermutlich in Italien, wo sie regelmäßig auftrat. Im Jahr 1885 war sie  Schülerin von Franz Liszt (1811–1886) in Weimar. In seinem Unterricht spielte sie Werke von Sgambati, Liszt, Beethoven, Chopin und Rubinstein. Im Jahr 1886 trat sie dem Allgemeinen Deutschen Musikverein bei.

Emma Mettler konzertierte in Italien, Deutschland, der Schweiz und Frankreich. Ihr Repertoire umfasste populäre zeitgenössische Stücke, aber auch großformatige Solowerke von Beethoven und Chopin. Zu den am häufigsten gespielten Werken zählten Beethovens Sonate c-Moll op. 111, die Sonnambula-Fantasie von Franz Liszt und das von Robert Kendell für Klavier arrangierte Scherzo aus Mendelssohns Symphonie Nr. 3. Sie trat u. a. gemeinsam mit dem Bariton Alfred Tobler, dem Violoncellisten H. Friedrich Grützmacher dem Jüngeren, dem Bariton Karl Scheidemantel und der Geigen-Zelebrität Teresina Tua auf.

Im Jahr 1886 wurde Emma Mettlers Klavierspiel von der „Neuen Zeitschrift für Musik“ in die Kritik genommen: „Ihre Technik ist sehr weit entwickelt, der Anschlag aber noch etwas hart, gläsern-stechend, Vortrag und Auffassung bedürfen noch der Beseelung und geistigen Vertiefung: Eigenschaften, die im heißen künstlerischen Ringen der schönste Lohn bleiben“ (NZfM 1887, S. 148). Sechs Jahre später hingegen schrieb das „Musikalische Wochenblatt“ nach einem Konzert in Rom: „Frl. Emma Mettler, Eine [sic] der letzten und überhaupt besten Schülerinnen Liszt’s, veranstaltete hier unlängst ein Concert, das ihr die reichsten Ehren brachte. Man darf sagen, dass der gespendete Beifall verdient ist, wenn er durch so vollendete Leistungen hervorgerufen wird, wie sie Frl. Mettler bei diesem Auftreten hinstellte“ (FritzschMW 1892, S. 386).

Zuletzt wird sie im Juni 1924 in der Zeitschrift „Le Ménestrel“ anlässlich eines gemeinsamen Vorspiels mit Klavierschülern von Giovanni Sgambati erwähnt.

 

LITERATUR

FritzschMW 1892, S. 386

Le Ménestrel 1924, S. 280

NZfM 1885, S. 398; 1886, S. 343; 1887, S. 148, 591

Signale 1884, S. 616; 1887, S. 298; 1899, S. 820

Zürcher Taschenbuch 1889, S. 320

Axel Schröter, „Liszts Schülerinnen – Zu Unrecht vergessene Virtuosinnen“, in: Die Tonkunst. Magazin für Klassische Musik und Musikwissenschaft 4 (2011), S. 468–477.

 

Katja Franz

 

© 2013 Freia Hoffmann