Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

GompertzGomperz, Gertrude, Gertrud

* 16. März 1829 in München, † 25. Sept. 1878 ebd., Pianistin, Klavierlehrerin und Komponistin. Ihr Vater Loeb Gompertz erhielt im Jahr 1799 mit dem Regierungsantritt des Kurfürsten und späteren Königs von Bayern Maximilian Joseph (1756–1825) eine Anstellung als Hofbankier. Gertrude Gompertz wurde im Klavierspiel von Ignaz Moscheles (1794–1870), vermutlich bei einer Konzertreise nach Deutschland, ausgebildet. Die Pianistin konzertierte in den 1840er Jahren in München und im Jahr 1847 in Wien. „Seit ihrem 14. Jahre ertheilte sie mit gutem Erfolg Musikunterricht, von welcher Zeit an sie durch die zweite Verheiratung ihrer Mutter sich selbst überlassen wurde“ (Heindl, S. 156). In den 1850er Jahren machte sie sich als Klavierlehrerin und Komponistin in München einen Namen. Um 1852 erlangte die Pianistin durch die Erfindung musikalischer Spiele, mit denen u. a. Notenschrift und harmonische und melodische Grundlagen erlernt werden können, Bekanntheit. Die königliche Regierung der Oberpfalz und von Regensburg legte am 11. Juli 1853 und am 16. März 1857 allen musikalischen Lehranstalten des Regierungsbezirks die Verwendung dieser Spiele für den Anfangsunterricht nahe. In einem am 12. Okt. 1853  in den „Neuesten Nachrichten aus dem Gebiete der Politik“ publizierten Zeugnis bestätigen auch namhafte Persönlichkeiten wie Ignaz Moscheles, die Komponisten und Dirigenten Franz und Ignaz Lachner und der damalige Kapellmeister Heinrich Proch den Wert dieser Erfindungen für den Musikunterricht.

Erste Auftritte der Pianistin scheinen um 1841 erfolgt zu sein: „Bei Lesung des angekündigten Konzertes der Pianistin Dlle. Sophie Bohrer können wir nicht umhin zu fragen, warum uns nicht auch der Genuß zu Theil wird, Fräul. Gompertz, deren seelenvolles Spiel, das wir besonders beim Vortrage einer Thalberg´schen Phantasie bewunderten, sowie ihrer so lieblich komponierten Lieder, von Hernn Baier und Fräul. v. Faßmann gesungen, uns noch in angenehmer Erinnerung ist – wieder öffentlich zu hören?“ (Münchner Tagblatt 23. Okt. 1841). Am 26. Aug. 1847 berichtet das „Münchner Tagblatt“: „Briefe aus Wien melden, daß unsere Landsmännin, die durch ihre Compositionen und als Virtuosin bekannte Pianistin Frl. Gertrude Gomperz in der großen Kaiserstadt sich der freundlichsten und ehrenvollsten Aufnahme zu erfreuen habe und ihr schönes Talent die Anerkennung der berühmtesten Kunst-Notabilitäten dort findet“ (Münchner Tagblatt 26. Aug. 1847). Das „Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung“ meldet am 5. Juni 1866, dass sich „eine unserer vorzüglichsten Meisterinnen, Frl. Gertrude Gompertz, nach längerem Aufenthalte in Wien“ wieder in München befinde, „um ihren bisherigen Beruf  fortzusetzen“ (ebd.). Demnach erfolgte Mitte der 1860er Jahre eine weitere Reise nach Wien.

 

WERKE FÜR KLAVIER

Eleonoren-Galopp (München); Propheten-Quadrille, 1850 (München); Julietten (München); Immortellen-Polka (München); Variations sur un thême original de Th. Milanollo (München); Kobold Walzer, 1850 (München)

 

SCHRIFTEN

Kurz gefasste theoretische Anleitung nebst praktischen Beispielen für Musik, sowohl zur Unterrichtsertheilung als zum Selbststudium, Wien 1850.

Neue Methode zur sichern und raschen Ausbildung der Finger und des Handgelenkes für das Pianofortespiel. Mit einer anatomisch-physiologischen Erläuterung von Dr. N. Rüdinger, München 1878.

 

LITERATUR

Bayerische Landbötin 14. Aug. 1853

Beilage zur Neuen Münchner Zeitung 13. Aug. 1853

Bock 1848, S. 273; 1850, S. 49

Gewerbeblatt aus Württemberg 1854, S. 411

Königlich bayerisches Intelligenzblatt für die Oberpfalz und von Regensburg 1853, S. 987f.

Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung 1863, 16. Febr.; 1866, 5. Juni

Münchner Tagblatt 1841, 23. Okt.; 1847, 26. Aug.

Signale 1878, S. 529, 938

Friedrich Benedict Wilhelm von Hermann, Bericht der Beurtheilungs-Commission bei der Allgemeinen Deutschen Industrie-Ausstellung zu München im Jahr 1854, München 1855.

Johann Baptist Heindl, Galerie berühmter Pädagogen, verdienter Schulmänner, Jugend- und Volksschriftsteller und Componisten aus der Gegenwart in Biographien und biographischen Skizzen, 2. Bde., Bd. 1, München 1859.

Edouard-Marie Oettinger, Moniteur des Dates, contenant un million de renseignements biographiques, génealogiquesSupplément et appendice, hrsg. von Hugo Schramm Macdonald, Leipzig 91882.

 

Jannis Wichmann

 

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