Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Orger, Caroline, verh. Reinagle

* 1. Mai 1817 (? nur Oxford DNB) oder 1. Mai 1818 in London, † 11. März 1892 in Tiverton/Devon, Pianistin, Organistin, Klavierlehrerin und Komponistin. Ihre Eltern waren der Übersetzer und Schriftsteller Dr. Thomas Orger (1767–1853) und die Schauspielerin und Dramatikerin Mary Ann Orger geb. Ivers (1788–1849). Ihre Ausbildung fand in London und Leipzig statt, wo sie (nach Oxford DNB) von Friedrich Wieck (1785–1873) unterrichtet wurde. Zurück in London, wurde sie Mitbegründerin der Society of Female Musicians. Am 3. Mai 1843 stellte sie in den Hanover Square Rooms in London ihr eigenes Klavierkonzert vor, am 18. Mai desselben Jahres ihr Klaviertrio, das sie am 1. Nov. 1844 auch in einer Soiree der Society of British Musicians präsentierte. Jackson’s „Oxford Journal“ verglich das Werk der jungen Komponistin mit der Kammermusik Louise Farrencs und fügte hinzu: „It is pleasant to know that it will not lose by such a parallel“ (16. Nov. 1844). „As a pianoforte player Miss Orger has the bold spirited style of a sound musical thinker, to whom the idea is of greater consequence than a brilliant scale-passage, or a pearly shake“ (ebd.).

1846 heiratete Caroline Orger den Komponisten Alexander Robert Reinagle (1799-1877) und ließ sich in Oxford nieder, wo ihr Mann von 1822 bis 1853 Organist an der Kirche St. Peters in the East war. Mit ihrem Mann zusammen gab sie regelmäßig Konzerte und arbeitete als Klavierlehrerin. In den 1870er Jahren lebte das Paar in Kidlington. Nach dem Tod ihres Mannes 1877 kehrte Caroline Reinagle nach Oxford zurück. Ihre letzten Jahre verbrachte sie wegen chronischen Asthmas in Tiverton/Devon, wo sie 1892 an einer Lungenentzündung starb.

Ihre Publikation „A Few Words on Pianoforte Playing“ gibt Ratschläge für Betonungen, Phrasierung, Fingersatz, Gestaltung von Sonatensätzen, Anschlag im Legato und Staccato, Tempo rubato, Ausführung von Verzierungen und Blattspiel. Angeführt werden Beispiele aus Klavierwerken von Mendelssohn, Beethoven, Joh. Seb. Bach, Stephen Heller, Weber, Dussek, Hummel, Chopin, Mozart und Haydn. Darüber hinaus empfiehlt sie das Studium von Werken Händels, Scarlattis, Sterndale Bennetts und Schumanns, „the great and original genius“ (1862, S. 290), was auch Rückschlüsse auf ihr eigenes Repertoire erlaubt.

 

WERKE FÜR KLAVIER

Klavierkonzert (1843); 1. Klavierquartett (1844); Tarantella op. 4 e-Moll (1846); 2. Klavierquartett Es-Dur (1847); Sonate für Klavier A-Dur op. 6 (1855); Volunteer Rifle March (1860)

 

SCHRIFTEN

Caroline Reinagle, A few words on Pianoforte Playing, with rules for fingering some passages of frequent occurrence, London [1854 oder 1855].

Caroline Reinagle, „A Few Words on Pianoforte Playing, in: MusT 1862, S. 239–242, 255–258, 287–290.

 

LITERATUR

Zwei Briefe des Schriftstellers Leigh Hunt an Caroline Orger vom 24. Nov. [1833?] u. 9. Apr. 1839, University of Iowa, Bibliothek, MsL H94or3 u. MsL H94or2

The Musical Examiner 1843, S. 193

MusW 1843, S. 166; 1844, S. 363

Jackson’s Oxford Journal 16. Nov. 1844

Brown Bio, Brown Brit, Ebel, Grove 5, Sartori Enci, New Grove 1, Cohen, GroveW, MGG 2000, New Grove 2001, Oxford DNB

Jane Bowers u. Judith Tick (Hrsg.), The Western Art Tradition. 1150–1950, Urbana u. Chicago 1987.

 

FH

 

© 2009 Freia Hoffmann