Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Döring, Wilhelmine, Minna

Geburtsdatum unbekannt, in Darmstadt, † 14. Juli 1870 ebd. (Kassel?), Pianistin und Klavierlehrerin. Über ihre familiäre Herkunft und frühe pianistische Ausbildung ist nichts bekannt. Seit 1852 ist in den Prüfungsprotokollen des Leipziger Konservatoriums eine Frau Döring verzeichnet. Ihr Studium schloss Wilhelmine Döring am 23. Apr. 1857 mit einem ersten Preis für den Vortrag der Variationen und dem Finale aus einem Septett von J. N. Hummel ab. Vermutlich um 1861 nahm sie in Weimar Unterricht bei Franz Liszt. Spätestens 1863 ließ sie sich in ihrer Heimatstadt Darmstadt nieder, wo sie im selben Jahr zur großherzoglich hessischen Hofpianistin ernannt wurde.

Wilhelmine Döring trat schon während ihrer Ausbildungszeit öffentlich auf. So gab sie zu Beginn des Jahres 1858 ein Konzert in Darmstadt und spielte 1861 als „neue Schülerin von Liszt“ (NZfM 1861 I, S. 119) erneut in ihrer Heimatstadt, dazu auch in Jena und Weimar. Im Winter 1865/66 war sie im Konzert des Dresdener Musikvereins in einem Klaviertrio zu hören. Nach der Rückkehr nach Darmstadt und ihrer Ernennung zur Hofpianistin  schon 1861 hatte „der gesammte großherzogliche Hof“ (Signale 1861, S. 696) ihrem Konzert dort beigewohnt und dem Spiel der Pianistin „in hohem Grade Anerkennung“ (NZfM 1861 II, S. 212) erwiesen  ging Wilhelmine Döring anscheinend nur selten auf Konzertreisen. In ihrer Heimatstadt war sie in den 1860er Jahren hingegen regelmäßig u. a. in den Philharmonischen Konzerten und im Musikverein zu hören. Die wenigen in der zeitgenössischen Musikpresse publizierten Bewertungen ihres Spiels sind freundlich, jedoch inhaltlich wenig konkret.

Das Repertoire Wilhelmine Dörings gestaltete sich, soweit erkennbar, durchaus weitläufig und seriös. So spielte die Pianistin Musik Mendelssohns (Klaviertrio c-Moll), Mozarts (Klavierkonzert d-Moll KV 466), aber auch Werke von Joh. Seb. Bach und Carl Maria von Weber. Einen Schwerpunkt in ihren Programmen bildeten Werke ihres Lehrers Liszt.

In Darmstadt arbeitete Wilhelmine Döring auch als Klavierlehrerin. Zumindest ein Mal gab die „dahier wohlbestallte und gesetzte Clavierlehrerin […] mit ihren Schülerinnen ein 216händiges Clavierconcert zum Besten der Invaliden“ (Signale 1867, S. 350). Weitere Einzelheiten zur Unterrichtstätigkeit Wilhelmine Dörings sind nicht bekannt.

1870 melden die „Signale für die musikalische Welt“ aus New York, dass Wilhelmine Döring „binnen Kurzem hier ihren Wohnsitz aufzuschlagen gedenkt“ (Signale 1870, S. 100). Dazu kam es jedoch nicht mehr. Die Pianistin starb am 14. Juli 1870 „nach schweren Leiden“ (Mendel) in ihrer Heimatstadt. In der Zeitschrift „Die Tonhalle“ heißt es hingegen, dass sie in Kassel verstorben sei.

 

LITERATUR

AmZ 1865, Sp. 131, 138

Bock 1864, S. 343

Didaskalia 5. Juli 1868

Grossherzoglich hessisches Regierungsblatt 1863, S. 176

Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt. Frankfurter Nachrichten 1863, S. 228

Monatsschrift für Musik und Theater 1857, S. 306f.

Niederrheinische Musik-Zeitung 1857, S. 167

NZfM 1861 I, S. 73, 119, 176; 1861 II, S. 212; 1862 I, S. 15, 37; 1862 II, S. 168; 1863 I, S. 169; 1864, S. 299, 365f.; 1866, S. 81; 1870, S. 289

Signale 1858, S. 118; 1861, S. 696; 1863, S. 388; 1865, S. 905; 1867, S. 350; 1870, S. 100, 584; 1871, S. 434

Symphonia. Fliegende Blätter für Musiker und Musikfreunde  1863, S. 46

Die Tonhalle. Organ für Musikfreunde 1870, S. 546

Urania. Musikzeitschrift für Orgelbau, Orgel- und Harmoniumspiel 1870, S. 144

Mendel

Prüfung der Schüler und Schülerinnen des Conservatoriums der Musik zu Leipzig, 1849 – 1862: http://www.slub-dresden.de/sammlungen/digitale-sammlungen/werkansicht/cache.off?tx_dlf[id]=17990&tx_dlf[page]=1&cHash=90241f8f0d486a2283b62331ae17c045, Zugriff am 21. Sept. 2011.

 

VT

 

© 2010 Freia Hoffmann