Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Kovacsics, Kovácsics, Kowacsics, Marie von

* 1837 (Ort unbekannt), † 1919 in Weimar, aus Ungarn stammende Harfenistin und Sängerin. Ein erster Hinweis auf die Musikerin findet sich 1863 im Deutschen Bühnen-Almanach, wo sie als Sängerin kleiner Gesangspartien in Brünn aufgeführt wird. 1866 wird sie, nun als Harfenistin, als „außercontraktlich abgegangen“ (Bühnen-Almanach 1866, S. 82) bezeichnet, gemeinsam mit dem Choristen Johann Kowacsics. In demselben Jahr berichtet die „Neue Zeitschrift für Musik“ von einem Konzert am 16. Febr. 1866 in Weimar, in dem „unsere neue Harfenistin“ Marie von Kovacsics La danse des fées von Elias Parish Alvars gespielt und damit bewiesen habe, „daß sie nicht nur sehr tüchtig im Orchester ist, sondern daß ihr auch eine bedeutende Virtuosität im Solospiel zu Gebote steht“ (NZfM 1866, S. 116). In der Weimarer Hofkapelle versah sie ihren Dienst zumindest bis 1875 und wirkte in dieser Zeit auch in zahlreichen Konzerten der Weimarer Umgebung, sowohl als Solistin wie auch als Orchesterharfenistin, mit. In Jena war sie regelmäßiger Gast in Konzerten der Singakademie (3. März 1866, 24. Juni 1868, 5. Juli, 20. Nov. 1870, 29. Juni 1871, 24. Nov. 1872, 9. Dez. 1873); am 13. Febr. 1873 verstärkte sie das Orchester in Meiningen, am 11. Febr. 1875 wirkte sie in einer Soiree des Soller’schen Musikvereins mit und am 19. Dez. 1876 in einem Konzert des Musikvereins in Eisenach. Nach einem Auftritt am 9. Dez. 1873 in Jena, in dem sie La Preghiera von Anton Zamara und La Danse des Sylphes von Félix Godefroid vortrug, werden auch ihre solistischen Leistungen, „die trefflichen Vorträge der gewandten Weimarer Harfenistin“ (NZfM 1874, S. 349), gewürdigt.

Häufig wird sie bei Konzerten in Weimar namentlich aufgeführt, sehr oft im Zusammenhang mit der Aufführung Liszt’scher Werke. Alan Walker zufolge war Liszt häufiger Gast im Hause des Ehepaares Kovacsics. Am 15. Mai 1875, als Liszt die Weimarer Orchesterschule besuchte und mit einer Aufführung seiner Symphonischen Dichtung Orpheus geehrt wurde, debütierte in diesem Rahmen die Harfenistin Ilona Kovacsics, die „talentvolle Tochter und Schülerin der seit Jahren mit Ehren ihren Platz in unserer Hofcapelle ausfüllenden Harfenvirtuosin.[…] Das treffliche Debüt der jungen Dame schien ihrem großen Landsmanne besondere Freude zu machen“ (NZfM 1875, S. 241). 1880 ist ein Auftritt der Tochter in einem Leipziger Symphoniekonzert unter Leitung von Carl Walther belegt: „Frl. Ilona Kovatsits [sic] glänzte als Harfenvirtuosin in einem ‚Elfenreigen‘ von Alvars sowohl durch technische Fertigkeit als verständniß- und geschmackvollen Vortrag“ (NZfM 1880, S. 148).

 

LITERATUR

Bock 1866, S. 79; 1868, S. 212; 1870, S. 398; 1873, S. 71

Deutscher Bühnen-Almanach 1863, S. 92; 1866, S. 82

NZfM 1866, S. 102, 116; 1868, S. 242; 1870, S. 266, 291, 439, 477; 1871, S. 56f., 262; 1872, S. 491, 513; 1873, S. 103, 397; 1874, S. 9, 349; 1875, S. 112, 222, 241; 1877, S. 18; 1880, S. 148

Signale 1873, S. 188

Urania 1871, S. 123

Alan Walker, Franz Liszt, 3 Bde., Bd. 1: The Virtuoso Years 1811–1847, London 21987.

 

FH

 

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