Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Onitsch, Nina, verh. Bielczizky, Bielcziczky, Bielzizky, Bielcitschky

* 7. Juli 1816 in Wien, Sterbedaten unbekannt, Pianistin und Sängerin. Die Tochter eines Wiener k. k. Polizeioberkommissars erhielt von ihrem neunten Lebensjahr an Klavierunterricht, wobei zunächst Penzel als ihr Lehrer genannt wird. Dieser stellte sie 1827 im Rahmen eines von ihm veranstalteten Konzertes in dem Josefstädter Theater in Wien erstmals der Öffentlichkeit vor. Nach Penzel übernahmen der Klaviervirtuose und Komponist Wenzel Wilhelm Würfel (1791–1832) und nach dessen Tod der Geiger und Konzertpianist Carl Maria von Bocklet (1801–1881) die weitere Ausbildung der Pianistin. Unterricht erhielt sie außerdem von Sigismund Thalberg (1812–1871), der sie einem Korrespondenten der Zeitschrift „Moravia“ zufolge schließlich „so weit heranbildete, daß sie sich seitdem in der That bedeutenden Ruhm erwarb“ (Moravia 1839, S. 488).

Das erste eigene Konzert von Nina Onitsch ist am 10. Febr. 1833 im Großen Saal im Verein der Musikfreunde in Wien verzeichnet. Das Programm enthielt Hummels Klavierkonzert Nr. 5 As-Dur op. 113 sowie ein Rondo von Würfel. Die Resonanz in der Fachpresse war durchaus positiv. Der Korrespondent des „Allgemeinen musikalischen Anzeigers“ bescheinigt der jungen Pianistin „Reinheit, Zierlichkeit und Gefühl“ (Castelli 1834, S. 43). Ähnlich äußert sich der Theaterkritiker Johann Nepomuk Hofzinser, der Nina Onitsch aufgrund der gezeigten Leistungen eine erfolgreiche Karriere voraussagt: „Mechanische Fertigkeit und Gefühl des Vortrags zeichnen ihr Spiel jetzt schon im hohen Grade aus, und so kann man bey ihrer zarten Jugend, wenn der Eifer, der sie zu beseelen scheint, nicht erkaltet, mit Gewißheit ihr einst einen der ersten Plätze unter Deutschlands Claviervirtuosen verbürgen“ (Der Sammler 1833, S. 104).

Bis 1845 sind Auftritte von Nina Onitsch als Pianistin in Wien belegt. Das Repertoire der Künstlerin umfasste insbesondere Werke von zeitgenössischen Komponisten wie Würfel, Hummel, Moscheles und Thalberg.

Seit 1834 sind auch Auftritte als Sängerin verzeichnet. Wiederholt enthalten ihre Konzertprogramme in den folgenden Jahren neben Klavierwerken auch Gesangsnummern, wobei ihr im „Gesange […] mindere Fertigkeit und wenig [...] Ausdruck“ bescheinigt wurde (Castelli 1836, S. 44). Dennoch gelang es ihr, sich als Opernsängerin zu etablieren. 1838 wirkte sie in Brünn erstmals in einer Opernproduktion mit.

Um 1840 heiratete Nina Onitsch den Tenor Wenzel Bielczizky (Bielcziczky, 1818–1865). Beide Künstler waren 1841 als Sänger in Berlin engagiert.

Neben ihren Auftritten als Sängerin trat Nina Bielczizky weiterhin auch als Pianistin vor die Öffentlichkeit. Als solche konzertierte sie jedoch fast ausschließlich in Wien. Als Sängerin dagegen trat sie vermehrt auch außerhalb Wiens auf.

 

Nina Onitsch, Lithographie.

 

LITERATUR

Der Adler 1840, S.1726

AmZ 1833, Sp. 412; 1834, Sp. 399; 1840, Sp. 958; 1845, Sp. 727

Bock 1841, S. 340; 1847, S. 423, S. 483; 1848, S. 90

Brünner Zeitung der K. K. Privilegirten Mährischen Lehnbank 1838, 18., 25., 26., 27. Okt.

Castelli 1833, S. 36; 1834, S. 43; 1836, S. 44

Musical Standard 1880 II, S. 7

MusW 1865, S. 214

Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt 1833, S.104

NZfM 1834 I, S. 24; 1844 I, S. 171f.

Moravia. Ein Blatt zur Unterhaltung, zur Kunde des Vaterlandes, des gesellschaftlichen und industriellen Fortschrittes 1838, S. 276, S. 316; 1839, S. 412, 488

Musical Standard 1880 Bd. 19, S. 7

Österreichisch-ungarische Revue 1864, S. 146

Wiener AmZ 1847, S. 423, 483; 1848, S. 90

Schilling, Becker, Klemm, Wurzbach

L. Wolf, Almanach für Freunde der Schauspielkunst auf das Jahr 1841, Berlin 1842.

Eduard Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, 2 Bde., Bd. 1, Wien 1869.

Robert Prölss, Geschichte des Hoftheaters zu Dresden. Von seinen Anfängen bis zum Jahre 1862, Dresden 1878.

Edouard-Marie Oettinger, Moniteur des Dates, contenant un million de renseignements biographiques, génealogiquesSupplément et appendice, hrsg. von Hugo Schramm Macdonald, Leipzig 91882.

 

Bildnachweis

Muller Collection. http://digitalgallery.nypl.org/nypldigital/dgkeysearchdetail.cfm?trg=1&strucID=750225&imageID=1504463&total=1&num=0&parent_id=667397
&word=&s=&notword=&d=&c=&f=&k=0&sScope=&sLevel=&sLabel=&lword=
&lfield=&imgs=20&pos=1&snum=&e=w, Zugriff am 23. Okt. 2011.

 

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