Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Phrym, Kathinka, Cathinka, Katinka

* in Athen, Lebensdaten unbekannt, Pianistin. Erste Konzerte der Pianistin sind in München nachgewiesen. Hier spielte sie 1864, als „Schülerin des Herrn [Carl] Evers [1819–1875] in Graz“ (AmZ 1864, Sp. 161) angekündigt, u. a. ein Klavierkonzert von Chopin und das Spinnerlied von Mendelssohn. Ihren Unterricht setzte sie am Münchner Konservatorium bei Hans von Bülow (1830–1894) fort. Im Rahmen der Prüfungskonzerte trug sie 1868 die neunte der Etudes d’exécution transcendante (Ricordanza) von Liszt vor. Weitere Konzerte folgten im Winter 1869/1870 in Laibach (slowenisch: Ljubljana), unter anderem zusammen mit dem Violinisten Julius Heller. In der Ankündigung zu ihrem ersten Laibacher Konzert am 14. Dez. 1869 wird sie als „Schülerin der Clavierheroen [Alexander] Dreischock [sic, 1818–1869], [Anton] Rubinstein [1829–1894] und [Hans von]  Bülow bezeichnet, wobei lediglich für die beiden Letztgenannten eine Lehrerschaft bestätigt werden kann. Kunstreisen führten die Pianistin anschließend nach Graz (1872–1874), Triest (1873), Halle (1874), Leipzig (1874), Magdeburg (1877), ins slowenische Celje (1877) und nach Mailand (1877). Zusammen mit dem Violinvirtuosen Richard Sahla unternahm sie zudem Konzertreisen nach Graz (1877, 1878) und Eggenberg (1877).

Die überlieferten Rezensionen vermitteln ein gemischtes Bild ihrer pianistischen Fähigkeiten. So schreibt ein Rezensent nach ihrem Auftritt am 31. Jan. 1873 im Schillervereinssaal in Triest: „Die junge Künstlerin, welche im Besitz einer eminenten Technik, über einen ungewöhnlich hohen Grad von Kraft und Ausdauer verfügt, wußte die Vorzüge ihres Spiels besonders bei den Piecen von Mendelssohn [Variations sérieuses], Liszt [eine Konzertetüde] und Rubinstein [Valse allemande] zur Geltung zu bringen; weniger reussirte sie dagegen mit dem Schumann’schen Werke [Violinsonate op. 105 in a-Moll], für welches ihre Fähigkeiten entschieden nicht ausreichend sind, und auch bei den Chopin’schen Piecen [u. a. Andante spianato et Grande Polonaise brillante op. 22] blickten neben manchen recht wohlgelungenen Einzelheiten noch viel Naturwüchsigkeit und Unreife durch“ (NZfM 1873, S. 114). Die „Neue Berliner Musikzeitung“ bescheinigt ihr nach diesem Auftritt ebenfalls „eine gewisse, an Ungestüm grenzende Wildheit“, durch welche das Scherzo b-Moll op. 31 von Chopin „wirklich fast bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet“ (Bock 1873, S. 67) wurde. Der Kritiker der „Neuen Zeitschrift für Musik“ bezeichnet Kathinka Phrym nach ihrem Auftritt beim 9. Euterpe-Konzert in Leipzig im Jahr 1874 zwar als „tüchtigen weiblichen Techniker“ (NZfM 1874, S. 105), hofft jedoch gleichzeitig, dass ihr „die Zukunft noch Geschmacksveredelung und sorgfältige Pflege angedeihen lassen möge“ (ebd.).

Anton Rubinstein widmete der Pianistin seine Nouvelle mélodie in Fis-Dur op.93 Nr. 7 und ein Impromptu in As-Dur.

 

LITERATUR

AmZ 1864, Sp. 161, 176, 374; 1873, Sp. 302; 1874, Sp. 173, 186

Besednik. Kratkočasen in podučen list za slovensko ljudstvo 10. Jan. 1870

Bock 1868, S. 257; 1872, S. 95; 1873, S. 67

Cillier Zeitung 1877, 17. Mai, 12., 22. Juli

FritzschMW 1874, S. 177

Laibacher Zeitung 1869, 11., 14., 16., 21. Dez.

Marburger Zeitung 1877, 12., 16. Dez.

NZfM 1872, S. 115, 515; 1873, S. 111, 114; 1874, S. 51, 99, 105, 173; 1877, S. 384, 443; 1878, S. 49

Signale 1877, S. 311

Die Woche 1905, S. 1759

 

JW

 

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