Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

McKnight, Edith (Lilian)

* 1862 in Coventry (England), † nach 1920 (wahrscheinlich Isle of Man), Organistin und Musiklehrerin. Edith  McKnights Eltern waren der Uhrmacher Henry McKnight (1838?) und Edith McKnight (1837?). Sie verbrachte ihre Kindheit mit den Eltern in Warwickshire, zunächst in Coventry, dann in Warwick. Über Edith McKnights erste schulische oder musikalische Ausbildung gibt es keine Informationen. Im Jahr 1881 trat sie eine Stelle als Organistin der Kirche in Alfreton (Derbyshire) an. Ob die Familie bereits vorher in die etwa 100 Kilometer entfernte Stadt gezogen war oder die Eltern ihre Tochter zur ersten Anstellung begleiteten, ist zurzeit nicht zu klären. Wahrscheinlich ist jedoch, dass die Familie bereits vorher nach Derbyshire zog, um der Tochter eine Ausbildung an der „Derby School of Music“ zu ermöglichen. 1852 von Edward Chadfield und dessen Schüler Arthur Francis Smith gegründet, bot die Schule Privatunterricht im Orgel- und Klavierspiel sowie Klassen für Gesang, Kontrapunkt und Musiktheorie. Edith McKnights Studien an diesem Institut sind in verschiedenen Quellen belegt, möglicherweise ließ sie sich hier aber auch erst nach dem Erhalt ihrer Stelle in Alfreton weiterbilden.

Im Jahr 1886 nahm die Organistin erfolgreich an den Prüfungen zur „Associateship“ des Royal College of Organists in London teil. Bereits ein Jahr später bestand sie an der selben Institution die Prüfung zum „Fellow of the Royal College of Organists“ (F.R.C.O.), die höhere der beiden Qualifikationen und eine der besten, die man zu dieser Zeit in England als OrganistIn erreichen konnte. Der „Derby Mercury“ verweist in seinem Bericht dabei „upon the high place taken by Miss McKnight in the examination und fügt hinzu: „a success by the way which for a lady is almost unique(The Derby Mercury, 3. Aug. 1887).

Von Alfreton aus baute sich die junge Musikerin mit zahlreichen Konzerten in der Umgebung einen guten Ruf als Organistin auf. Der früheste Hinweis berichtet von einem Konzert am 2. Dez. 1885, das sie in Brinsley anlässlich der Einführung einer neuen Orgel gab. Es folgten mehrere Konzerte in Alfreton, Derby, Peel auf der Isle of Man und im Nachbarort Ripley („Miss McKnights playing was a great treat“, The Derby Mercury 25. Dez. 1889). Außerdem soll sie zwei Konzerte in Sheffield gegeben haben, „being the only lady who has successfully managed this extremely difficult organ (Musical Opinion and Music Trade Review 1900, S. 102).

Neben ihren Konzerten und der Arbeit als Organistin in der Gemeinde gab Edith McKnight auch Unterricht. 1884 und 1886 bestanden zwei ihrer Schülerinnen die Prüfung der Royal Academy of Music Londoon im Fach Klavier, im Jahre darauf erhielten zwei Schülerinnen ein Zertifikat im Fach Musiktheorie von der National Society of Professional Musicians.

Bereits 1888 hatte Edith McKnight ihr erstes Konzert auf der Isle of Man gegeben. Vielleicht traf sie hier zum ersten Mal die Organistin Mary Louisa Wood, die eine gute Freundin wurde. Während ihrer Anstellung in Alfreton hatte die Musikerin gemeinsam mit ihren Eltern in der Church Street gewohnt. 1892 gab sie diese Stelle auf und zog nach Malew auf der Isle of Man, um dort Organistin, Musiklehrerin und Chorleiterin des King Williams College in Castletown zu werden. Die Eltern zogen nicht mit auf die Insel, sondern lebten an der Küste Lancashires.

Nun konzertierte die Organistin auf der Isle of Man, in Lancashire und reiste für Auftritte auch nach London. 1892 schrieb die „Musical News“ anlässlich eines Konzerts in der Exeter Hall: „There are as all the world knows lady Fellows of the College of Organists, indeed that institution seems to have been the first to grant diplomas upon examination to ladies. On Saturday last the audience heard the performance of a lady F.C.O., who has already made something like a reputation of herself as a skilful player (Musical News 1892 I, S. 149).

Edith McKnight spielte hauptsächlich Werke von Orgel-Komponisten des 19. Jahrhunderts wie Charles-Marie Widor, Henry Smart, Jacques-Nicolas Lemmens, Gustav Adolf Merkel, Richard Dawre, Théodore Dubois, Charles-Alexis Chauvet, Edwin Lemare, Alexandre Guilmant und Edward d’Evry. Aber auch Musik von Joh. Seb. Bach und Händel findet sich häufig in ihren Programmen. Daneben spielte sie Kompositionen von Mendelssohn, William Sterndale Bennett und Charles Gounod.

An der Knabenschule unterrichtete Edith McKnight mit großem Erfolg nach dem Tonic-Sol-fa-System, einer von John Curwen entwickelten Variante der Solmisation. So brachte sie zum Beispiel 1898 eine Kantate von Charles William Pearce zur Aufführung: The boys entered thoroughly into the spirit of the by no means easy composition, and the singing reflected the highest credit on Miss McKnight (The Organist 1898, S. 225). Sie engagierte sich auch in der Tonic-Sol-fa-Association und spielte 1896 anlässlich deren jährlichen Zusammenkunft im Crystal Palace in London. In demselben Jahr brachte Arthur William Moore (Historiker, Folklorist und Politiker auf der Isle of Man) „Manx Ballads and Music“ heraus, eine Sammlung hiesiger Volkslieder, harmonisiert von Edith McKnight und ihrer Freundin Mary Wood.

Bis zum Jahr 1908 ist eine Konzerttätigkeit nachzuweisen, danach verlieren sich die Spuren ihrer  Tätigkeit. Mindestens bis 1920 lebte sie aber noch unverheiratet auf der Isle of Man: Die „Manx Quaterly“ berichtet im Oktober des Jahres von einem Gartenfest zu Ehren des Besuchs der Königlichen Familie, zu dessen geladenen Gästen auch „Miss E. L. McKnight“ (The Manx Quarterly 1920, S. 245) gehörte.

 

LITERATUR

The Derby Mercury 1882, 27. Dez.; 1884, 25. Juni; 1886, 16. Juni, 21. Juli; 1887, 19. Jan., 3., 17. Aug., 7. Dez.; 1889, 25. Dez.

The Manx Quarterly 1910, S. 852; 1920, S. 245

Musical Herald 1894, S. 235; 1896, S. 241; 1897, S. 230; 1908, S. 139; 1910, S. 292

Musical News 1891 II, S. 583; 1892 I, S. 104, 128, S. 149; 1896 II, S. 22; 1898 I, S. 407

Musical Opinion and Music Trade Review 1899, S. 241; 1900, S. 102; 1902, S. 746

Musical Standard 1886 II, S. 69; 1896 II, S. 61

MusT 1888, S. 622; 1897, S. 310; 1907, S. 598

MusW 1885, S. 787; 1887, S. 956, S. 1015; 1888, S. 632, S. 756; 1889, S. 4

The Organist 1897, S. 210; 1898, S. 225; 1901, S. 82; 1899, S. 410; 1902, S. 10, S. 244

The Pall Mall Gazette 1886, 16., 27. Nov.

Warwick Bardon Henshaw, Biographical Dictionary of the Organ, 2003-2010, http://www.organ-biography.info/, Zugriff 29. Okt. 2010.

Arthur William Moore, Manx Ballads and Music, Douglas (Isle of Man) 1896.

Frederick W. Thornsby, Dictionary of Organs and Organists, London 1912.

 

Christine Fornoff

 

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