Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Benesch, geb. Proch, Friederike

* 1804, vermutlich in Wien, † 1872 (Ort unbekannt), Pianistin und Klavierlehrerin. Ihre Mutter war vermutlich die älteste Tochter des Komponisten Vincenc Václav Maschek (1755–1831). Kurze Zeit nach der Geburt von Friederike Prochs Bruder, Heinrich Proch (1809–1878), verließ die Familie Wien, da der Vater „als Oberamtmann auf die Fürst Elzterhaysche [sic] Herrschaft Pottendorf berufen wurde“ (Deutsche Arbeit 1909, S. 763). Durch den Kontakt zur Familie Esterházy, die als „musikliebende und musiktreibende Aristokratenfamilie bekannt“ (ebd.) war, und die später fast wöchentlich stattfindenden Privatkonzerte der Eisenstädter Hofkapelle im Hause der Familie Proch wuchsen die Geschwister in einer sehr musikalischen Umgebung auf. Bei einem Privatkonzert war auch der junge Liszt mit seinem Vater zugegen. 1819 zog die Familie in die Wiener Neustadt.

Vor 1823 heiratete Friederike Proch den Geigenlehrer ihres Bruders, Joseph Benesch (1795–1873), mit dem sie 1826 nach Laibach und im Jahr 1830 wiederum nach Wien übersiedelte. Zwischen 1824 und 1840 lassen sich dort mehrere Konzerte nachweisen. In der Regel fanden öffentliche Auftritte Friederike Beneschs im Rahmen von Konzerten ihres Bruders oder ihres Mannes statt.

1860 übernahm sie als Enkelin des Gründers die Geschäftsführung des Wiener Verlags C. Barth und gab diese später an ihren Sohn Walter Benesch ab.

Im Jahr 1835 bewährte Friederike Benesch „in einem C. Weber´schen Rondo ihren anerkannten Ruf als wackere Pianistin“ (AmZ 1835, Sp. 379). Für den Vortrag eines Grand Duo mit der Harfenistin Therese Heilingmeyer 1840 in Wien wurde sie für „reinen Anschlag und korrekte Geläufigkeit“ gelobt (Der Adler 1840, S. 1262). Zu ihrem Repertoire zählten u. a. Werke von Kalkbrenner, Ries und Weber.

 

LITERATUR

Der Adler. Allgemeine Welt- und National-Chronik 1840, S. 1262

AmZ 1827, Sp. 892f.; 1833, Sp. 210, 569; 1835, Sp. 379

Deutsche Arbeit Aug. 1909, S. 763-765

Berliner AmZ 1830, S. 86

Castelli 1833, S. 75

Intelligenzblatt zur Laibacher Zeitung 17. Okt. 1823

Österreichisch-ungarische Revue 1864, S. 146

Österreichischer Zuschauer 1836, S. 203

Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt 1833, S. 28, 203

Wiener-Moden-Zeitung und Zeitschrift für Kunst schöne Literatur und Theater 1832, S. 1248; 1836, S. 128, 152

Eduard Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, 2 Bde., Bd. 1, Wien 1869, Repr. Hildesheim [u. a.] 1979.

Murray G. Hall, Österreichische Verlagsgeschichte, 1918–1938: Belletristische Verlage der Ersten Republik, 2 Bde., Bd. 2, Wien 1985.

 

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