Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Sigl, Siegl, Siegel, Klara, Clara

* ca. 1794, vermutlich aus Passau (AmZ 1806, Sp. 571; Biba, S. 194), nach anderer Angabe aus Brixen/Südtirol (AmZ 1809, Sp. 358) stammend, Sterbedaten unbekannt, Violinistin. Gemeinsam mit ihren jüngeren Geschwistern konzertierte sie als Kindervirtuosin. Über ihre musikalische Ausbildung sind keine Details bekannt, doch der Vater, der sie und ihre Geschwister auf den Konzertreisen begleitete, war selbst Musiker. Ein aus Passau erhaltener Anschlagzettel gibt an, dass es sich um des „bürg[er]l[ichen]Stadttambours Kinder allhier“ handle (zit. nach Biba, S. 194).

Bereits im Alter von ca. zwölf Jahren konzertierte die Geigerin gemeinsam mit ihrem Bruder, dem ca. fünfjährigen Violoncellisten Ignatz Sigl. 1804 spielten sie gemeinsam in Salzburg. Unter den HörerInnen war auch Maria Anna Mozart, die Ignatz Sigl darauf das einstige Kindercello ihres Bruders schenkte. In der Presse jedoch ernteten die KindervirtuosInnen meist mehr Mitleid als Bewunderung: „Ich selbst habe sie nicht gehört, da es mich immer schon mit Wehmuth erfüllt, wenn ich nur von reisenden Virtuosen in frühen Kinderjahren höre; und hier vollends einen fünfjährigen Violoncellisten! Klara spielte ein Konzert von Pleyel“ (nach einem Konzert in Passau, AmZ 1806, Sp. 571). 1805 trat ein weiterer Bruder, der Geiger Friedrich Sigl, zum Ensemble hinzu. 1808 konzertierten Ignatz und Klara Sigl in Prag. Auch hier zeigte sich die Musikkritik eher unbeeindruckt von der Leistung der jungen Musiker: Einer Harfenistin „folgten die Geschwister Siegel, die wol in ihren Affichen noch einige Jahre sich nicht von dem zarten Jugendalter trennen werden, das sie sich hier beylegten, so wie sie auch in ihrer kleinen Kunst – er auf dem Cello und sie auf der Violin – nicht sehr vorwärts zu schreiten scheinen. Auch sie kamen noch allzufrüh, und ihre Einnahme mag nicht viel bedeutender, als eben ihre Kunst gewesen seyn“ (AmZ 1808, Sp. 312). 1809 spielte das Geschwisterpaar in Siena und erhielt eine etwas wohlwollendere Kritik: „Die erstere spielt recht artig Violin, der zweyte Violoncell, wie man es von einem Kinde erwarten kann“ (AmZ 1809, Sp. 358). Ab 1812 wird Klara Sigl bei Konzerten ihrer Familie nicht mehr namentlich genannt, weshalb unklar ist, ob und in welcher Form sie noch daran teilgenommen hat. Stattdessen wirkte bei den folgenden Konzerten (Leipzig, Königsberg und Amsterdam, 1812 in Berlin gemeinsam mit der Geigerin Friederike Klinsing) neben dem Bruder Ignatz und dem Vater die jüngere Schwester Catharina (*1805 oder früher) mit. Diese trat im Zeitraum von 1812 bis 1814 stets als siebenjährige Sängerin auf – ein erneuter Hinweis darauf, dass das Alter der Kinder zu Werbezwecken nach unten hin korrigiert wurde, wie es bereits der Rezensent der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ vermutet hatte. Ab 1819 betrat noch ein weiterer jüngerer Bruder, der sechsjährige Violoncellist Eduard (*1813), die Konzertbühne. Er löste damit den – vermutlich für einen Kindervirtuosen zu alt gewordenen – Violoncellisten Ignatz Sigl ab und konzertierte fortan gemeinsam mit seiner Schwester Catharina.

Über den weiteren Lebensweg Klara Sigls liegen keine Informationen vor. Ihre Geschwister Catharina und Ignatz fanden eine Anstellung als Hofsängerin und als Violoncellist in der königlichen Kapelle in München.

 

LITERATUR

AmZ 1806, Sp. 571; 1808, Sp. 312; 1809, Sp. 358; 1812, Sp. 465f.; 1813, Sp. 45f.; 1814, Sp. 117; 1819, Sp. 327, 397; 1824, Sp. 697

Vossische Zeitung 5. Dez. 1812

Otto Biba, „Anschlagzettel zu einem Konzert der drei Geschwister Siegl am 12. August 1805 in Passau“, in: Beethoven und andere Wunderkinder. Wissenschaftliche Beiträge und Katalog zur Ausstellung, hrsg. von Ingrid Bodsch [u. a.], Bonn 2003, S. 194.

 

HB

 

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