Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Seipelt, Josephine, Josepha

* 1816 in Bartfeld (Ungarn), † 27. Jan. 1841 in Wien, Pianistin, Klavierlehrerin und Komponistin. Sie wuchs neben zwei weiteren Geschwistern als Tochter des Sängers, Regisseurs, Chordirektors und Komponisten Joseph Seipelt (1787–1847) und dessen Frau Klara geb. Hofmann (ca. 1781–1850) auf. Ihre musikalische Ausbildung erhielt sie bei dem Klavierlehrer und Komponisten Franz Jacob Freystädtler, einem Schüler W. A. Mozarts. Von ihrem Vater wurde sie außerdem in Kompositionslehre unterrichtet und schrieb unter anderem Variationen über ein von Joseph Seipelt vorgegebenes Thema (1827) sowie „mehreres im Kirchenstyle und einige Lieder, eben so melodiös als schulgerecht“ (Wiener AmZ 1841, Sp. 224).

Als Pianistin debütierte Josephine Seipelt in einem Konzert am 10. März 1825 im Wiener Redoutensaal mit dem ersten und dem letzten Satz aus Moscheles’ 2. Klavierkonzert in Es-Dur op. 56. Während ein Rezensent der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ in dem Auftreten der jungen Pianistin lediglich den Wunsch des Vaters, seine Tochter als Wunderkind zu präsentieren, und in dem Vorspiel eine (körperliche) Überforderung des Mädchens sieht („Die arme Kleine zerarbeitete sich zum Erbarmen; allein, was nützt der beste Wille, wo die physischen Kräfte nicht ausreichen! Warum gleich eine so schwierige Aufgabe wählen? Warum so unchristlich ein schuldloses Geschöpf in Wien öffentlich auftreten lassen, wo die musikalischen Wunderkinder wie Pilze hervorschiessen? Warum einer übelangebrachten Vaterliebe vielleicht gar nur: Eitelkeit – den Sieg über die gesunde Vernunft erringen lassen?“, AmZ 1825, Sp. 244f.), führt ein Korrespondent der Zeitschrift „Der Sammler“ Unsicherheiten im Spiel auf die Ängstlichkeit der jungen Künstlerin zurück: „Wenn Dlle. Seipelt Gelegenheit hat, sich durch öfteres Erscheinen vor dem Publicum aller Ängstlichkeit zu entschlagen, so wird ihr Spiel auch an Kraft und Freiheit gewinnen und sich binnen Kurzem zu dem, was es wirklich werden kann, herausbilden“ (Der Sammler 1825, S. 128).

Bis 1830 erfolgten einige weitere Auftritte der Pianistin in Wien, die ihr öffentliche Anerkennung einbrachten. Dazu zählen unter anderem ein Konzert im Theater an der Wien im Jahr 1826 und zwei am 5. März und 28. Mai desselben Jahres veranstaltete Musikalische Akademien.

Die Konzertprogramme von Josephine Seipelt enthielten neben dem Klavierkonzert in Es-Dur von Moscheles unter anderem Ries’ Klavierkonzert Nr. 3 cis-Moll op. 55, Variationen von Leopoldine Blahetka sowie Kompositionen von Kalkbrenner und Herz.

Nach ihrem 14. Lebensjahr ist Josephine Seipelt nicht mehr öffentlich aufgetreten. Stattdessen wirkte sie als Klavierlehrerin in Wien und wurde als solche „in viele der angesehensten Familien berufen“ (Wiener AmZ 1841, Sp. 244). Sie kümmerte sich auch um die musikalische Ausbildung ihrer Schwester Amalie, die später als Sängerin am Wiener Hoftheater angestellt war.

Josephine Seipelt starb 1841 infolge einer Lungenerkrankung.

 

LITERATUR

AmZ 1825, Sp. 244f., 345; 1826, Sp. 301f., 314; 1827, Sp. 851

AWM 1841, S. 224

Berliner AmZ 1826, Sp. 259

Cäcilia 1827, S. 166f.

Offenbacher AmZ 1827/8, Sp. 243

Der Sammler 1825, S. 128; 1826, S. 208

Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 1826, S. 208

Wurzbach, OeML

Eduard Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, 2 Bde., Bd. 1, Wien 1869, Repr. Hildesheim [u. a.] 1979.

 

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