Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Körner, Johanna

Geburts- und Sterbedaten unbekannt, aus Prenzlau stammend, Violoncellistin. Sie war Schülerin des Violoncellisten der Berliner Hofkapelle Moritz Ganz (1802–1868). Johanna Körner und ihre Schwester, die Pianistin Mathilde Körner, erhielten laut „Rheinischer Musik-Zeitung“ „durch Verwendung Meyerbeer’s bei Sr. Majestät dem Könige von Preussen von höchstdemselben ein Stipendium zur weitern Ausbildung“ (Rheinische Musik-Zeitung 1852/53, S. 936).

Die Schwestern traten von 1850 bis 1852 gemeinsam in Berliner Salons und Konzerten auf. 1852 waren sie in Greifswald zu hören. Im selben Jahr berichtet die „Neue Zeitschrift für Musik“ vom Plan einer Kunstreise durch Deutschland, der sich laut „Rheinischer Musik-Zeitung“ Konzerte in Paris und London anschließen sollten. Ob die Reise stattgefunden hat, ist unklar. 1853 gaben die Schwestern ein Konzert in Stettin.

Während Mathilde Körner nach derzeitigem Kenntnisstand danach nicht mehr aufgetreten ist, gibt es einzelne Belege für eine weitere Konzerttätigkeit Johanna Körners. So hat sie 1858 zwei Mal in Berlin gespielt. 1867 findet sich noch einmal ein Hinweis auf den Auftritt einer „Violoncellistin Körner“ (NZfM 1867, S. 463) in Berlin.

Johanna Körner ist eine der ersten nachweisbaren Violoncellistinnen, entsprechend wurde ihre Instrumentenwahl in der Presse thematisiert: „Die Wahl dieses Instrumentes steht in der musicirenden Damenwelt ziemlich vereinzelt da; wir erinnern uns wenigstens nicht, ausser Lisa Christiani einer Virtuosin dieses Instrumentes begegnet zu sein; es ist daher diese Production schon um der interessanten Erscheinung willen zu beachten“ (Bock 1858, S. 348). Die Qualität ihres Spiels wurde unterschiedlich bewertet. Während die „Neue Berliner Musikzeitung“ 1852 ihre „anerkennenswerthe Geschicklichkeit“ (Bock 1852, S. 134) lobt, fällt das Urteil im selben Blatt ein Jahr später vernichtend aus: „Frl. Johanna jedoch steht noch an der Schwelle der Kunst, und wird, ohne zu stolpern, dieselbe schwerlich überschreiten, wenn ihr nicht eine geschickte Künstlerhand unter die Arme greift. Die Variationen von Rode sowohl, wie die Fantasie über den bekannten Schubert’schen Sehnsuchtswalzer, waren ganz geeignet, jede Sehnsucht nach Musik zu verscheuchen. Das unaufhörliche Schleifen der Töne glich in der That dem Winseln gewisser Vierfüssler“ (Bock 1853, S. 60). Differenzierter urteilt 1858 die „Vossische Zeitung“: „Frl. Körner ist auf ihrem Instrumente für gewisse Seiten des Spiels zu Hause. Sie besitzt zunächst einen sehr schönen weichen Ton und behandelt Figuren und Passagen mit Grazie. Zu schwierige Aufgaben dürfen die letzteren indeß nicht stellen, weil dann der Ton sich leicht verwischt oder die Klarheit verliert. Auch ist die Intonation nicht immer ganz rein und hält sich gegen das begleitende Instrument in der Schwebe. Die verschiedenen Saloncompositionen, nach deren Vortrag sich unser Urtheil bestimmt, ließen die Gaben der Künstlerinn möglichst allseitig auftreten“ (Vossische Zeitung 26. Okt. 1858).

 

LITERATUR

Bock 1850, S. 373, 380; 1852, S. 125, 134; 1853, S. 60; 1858, S. 342, 348, 364

NZfM 1852 II, S. 93; 1867, S. 463

Rheinische Musik-Zeitung 1852/53, S. 936

Signale 1852, S. 302

Vossische Zeitung 26. Okt. 1858

Hans Engel, Musik und Musikleben in Greifswalds Vergangenheit. Anläßlich des 750. Gründungsjubiläums der Stadt Greifswald neu hrsg. und erw. von Ekkehard Ochs und Lutz Winkler (= Greifswalder Beiträge zur Musikwissenschaft 9), Frankfurt a. M. [u. a.] 2000.

Volker Timmermann, „‚Das Violoncello aber, dieser halbgewachsene Mann.... Violoncellistinnen in den 50er und 60er Jahren des 19. Jahrhunderts, in: Musik und Emanzipation. Festschrift für Freia Hoffmann zum 65. Geburtstag, hrsg. von Marion Gerards u. Rebecca Grotjahn, Oldenburg 2010, S. 111–118.

 

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