Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

CramerKramer, Angélique, Angelika (Katharina), geb. Canavas,Carnavas, CanevasCanervas

Geburtsdatum unbekannt, aus Paris stammend, † 9. Apr. 1775 in London, Harfenistin, Pianistin und Sängerin. Über ihre musikalische Ausbildung liegen keine Informationen vor. Um 1770 heiratete sie den Geiger und Komponisten (Johann) Wilhelm Cramer (1746–1799), der zu dieser Zeit Violinist beim Mannheimer Hoforchester war und 1769/70 im Gefolge Herzog Christians IV. von Pfalz-Zweibrücken eine Reise nach Paris unternommen hatte. Sie begleitete ihn nach Mannheim, wo 1771 ihr erster Sohn, der spätere Pianist und Komponist Johann Baptist Cramer (1771–1858) geboren wurde. 1872 kam der zweite Sohn Franz (Anton Dorotheus) Cramer (1872–1848) zur Welt, der Violinist und Dirigent wurde. 1772 trat Wilhelm Cramer eine Konzertreise nach England an. Nachdem er sich entschlossen hatte, dauerhaft in London zu bleiben, holte er 1774 seine Familie nach. In der Londoner Presse finden sich Ankündigungen für ein „Grand Concert of Vocal and Instrumental Music“ Wilhelm Cramers am 22. Apr. 1774, in dem neben Carl Friedrich Abel, Johann Christian Fischer und Caecilia Grassi vor allem die Mitwirkung von Angélique Cramer als Sängerin und Instrumentalistin hervorgehoben wird: „Several new Songs by Mrs. Cramer, accompanied by herself on the Harp, (being her first Performance in public) and a Concerto on the Piano Forte by the same“ (Public Advertiser 18. Apr. 1774). Es ist belegt, dass Angélique Cramer in gemeinsamen Konzerten mit ihrem Mann zuvor auch in Mannheim als Harfenistin aufgetreten war; unklar ist jedoch, wann diese Konzerte stattfanden. Die Fachpresse erinnert sich noch 1808 an gemeinsame Auftritte des Ehepaars Cramer und vergleicht sie mit denen eines anderen Künstlerpaares: „Ich meyne zuerst Hrn. Konzertm. Spohr aus Gotha und dessen kunstgebildete Gattin [Dorette Spohr], welches treffliche Künstlerpaar […] mich an ein in gar manchem Betracht ähnliches Paar erinnerte, das vor 25 bis 30 Jahren in Mannheim und nachher in London glänzte – an W. Cramer, den grossen Violinisten, und seine Gattin, die herrliche Harfenistin“ (AmZ 1808, Sp. 717). Ein Jahr nach dem Londoner Konzert starb Angélique Cramer an den Pocken. Ihr Mann Johann Wilhelm Cramer erlangte in London durch sein Wirken als Violinvirtuose und vor allem Orchesterdirigent musikgeschichtliche Bedeutung.

 

LITERATUR

AmZ 1808, Sp. 717

Gazetteer and New Daily Advertiser [London] 22. Apr. 1774

General Evening Post [London] 11. Apr. 1775

Middlesex Journal and Evening Advertiser [London] 11. Apr. 1775

Morning Chronicle and London Advertiser 1774, 9., 10.,12., 18., 23. März, 2,. 6., 13., 15., 18., 22. Apr.

Public Advertiser [London] 1774, 10., 12., 29. März, 2., 9., 12., 14., 18., 19., 20., 22. Apr.

MGG 2000 (Art. Cramer, (Johann) Wilhelm, Art. Cramer, Johann (John) Baptist, Art. Cramer, Franz (Anton Dorotheus))

Louis Spohr, Lebenserinnerungen, hrsg. von Folker Göthel, Tutzing 1968.

 

HB

 

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