Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Hering, Jenny Sara

Geburtsdaten unbek., † 1890, Ort unbekannt, Pianistin. Jenny Hering wurde vermutlich seit 1854 am Leipziger Konservatorium zur Pianistin ausgebildet. Im Rahmen einer öffentlichen Prüfung am 1. Mai 1857 trug sie Mendelssohns Klavierkonzert Nr. 2 d-Moll op. 40 vor. Sehr viel Fertigkeit, aber auch nur diese. Das seelenlose Spiel zeugt von keinem Talente, wenn auch von Fleiss“ (Niederrheinische Musik-Zeitung 1857, S. 167). Zu einem weiteren Prüfungsvorspiel im folgenden Jahr heißt es: „Frl. Hering aus Leipzig spielte den ersten Satz aus dem G dur Concert von Beethoven. So sehr auch die diesmaligen Leistungen der Clavierspielerinnen denen der Clavierspieler nachstanden, müssen wir doch gestehen, daß Frl. Hering ihre Aufgabe recht befriedigend löste, und sie unter den sich producirenden Schülerinnen für die Fertigste und Bedeutendste erklären“ (NZfM 1858 I, S. 155).

Von 1855 bis 1869 konzertierte sie regelmäßig, beschränkte ihre Auftritte jedoch zunächst auf Leipzig und die nähere Umgebung (Gera, Altenburg, Zwickau, Erfurt). Laut Dörffel wirkte sie zwischen 1856 und 1865 sieben Mal bei Konzerten im Gewandhaus mit. So auch beim 17. Abonnementkonzert am 24. Febr. 1859, bei dem sie zusammen mit Louise Hauffe, ebenfalls einer ehemaligen Studentin des Leipziger Konservatoriums, Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nr. 10 Es-Dur (KV 365) für zwei Klaviere und Orchester „correct und mit sicherer Beherrschung“ (NZfM 1859 I, S. 129) vortrug.

Emil Kneschke notiert in „Das königliche Conservatorium der Musik zu Leipzig“: „Jenny Sara Hering aus Leipzg, geschätzte Pianistin, spätere Gattin von Robert Heckmann in Köln, mit dem sie viel gereist, beide als Mitglieder des von ihnen als Seitenstück zum ‚Florentiner‘ begründeten Heckmannschen Quartetts, mit dem sie auch im Gewandhaus gastirten, leider schon gestorben (eines der ersten Opfer der Influenza 1890) (Kneschke S. 76f.).

Die Hervorhebung ihrer „sicheren Beherrschung des Technischen“ (NZfM 1868, S. 337) und der „lobenswerhten Präcision“ (NZfM 1865, S. 72) ist vielen Rezensionen gemeinsam. Kritik wird hingegen mehrmals an ihrer Werkauswahl geübt: „Letztere überraschte durch den Vortrag der Moses-Phantasie von Thalberg mit dem Versuche, längst Todtgeglaubtes wieder zu neuem Leben zu erwecken“ (NZfM 1862 II, S. 220).

Ihr Repertoire umfasste Kompositionen von Joh. Seb. Bach, Mozart, Beethoven, Moscheles, Chopin, Felix Mendelssohn, Robert Schumann, Liszt, Thalberg und Anton Rubinstein.

 

LITERATUR

AmZ 1863, Sp. 199; 1864, Sp. 149; 1868, Sp. 31, 589; 1869, Sp. 358

The Athenæum 1862 I, S. 266

Deutsche Allgemeine Zeitung 1858, S. 589

Euterpe 1865, S. 49

Die Grenzboten 1860, S. 355

Leipziger Zeitung, Wissenschaftliche Beilage 1863, S. 88

NZfM 1856 I, S. 8, 186; 1857 I, S. 59, 205; 1858 I, S. 153ff.; 1859 I, S. 59, 129; 1860 I, S. 58, 224; 1860 II, S. 155; 1862 II, S. 220; 1863 I, S. 83, 90, 168; 1864, S. 82; 1865, S. 72, 395; 1868, S. 337; 1872, S. 234

Neue Wiener Musikzeitung 1856 , S. 76

Niederrheinische Musik-Zeitung 1857, S. 167

Signale 1862, S. 114f.; 1865, S. 180; 1868, S. 404; 1874, S. 825; 1878, S. 957

Alfred Dörffel, Festschrift zur hundertjährigen Jubelfeier der Einweihung des Concertsaales im Gewandhause zu Leipzig, Leipzig 1881.

Emil Kneschke, Das königliche Conservatorium der Musik in Leipzig. 1843–1893, Leipzig u. New York [1893].

 

Dajana Bujak/Hendrik Hemken/JW

 

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