Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Sprinz, Nanette, Anna

* um 1800, † nach 1832 (Orte unbekannt), österreichische Pianistin. Nanette Sprinz gehört zu den Pianistinnen, die aus der Musikschule von Maria Theresia Paradis in Wien hervorgingen. Ein erster in der Fachpresse belegter Auftritt fand am 29. Okt. 1814 in Wien statt, bei dem sie ein Klavierkonzert von Dussek spielte (AmZ 1814, Sp. 791). 1817 wird sie als Mitwirkende bei den Schülerkonzerten erwähnt, die ihre blinde Lehrerin regelmäßig veranstaltete. Gemeinsam mit Franziska Bihler musizierte sie Allegro und Rondo von Jan Ladislav Dussek sowie ein Rondo brillant von Johann Nepomuk Hummel „mit solcher Anmut und Präzision, daß jede Erwartung übertroffen wurde“ (Leopold v. Sonnleithner, zit. nach Ullrich 1963/4, S. 57). Im selben Jahr wird sie vom Berichterstatter der „Wiener allgemeinen musikalischen Zeitung“ als Beispiel für die außergewöhnlichen Erfolge ihrer Lehrerin hervorgehoben: „Wie weit sie [Paradis] die Ausbildung in der Musik zu bringen vermag, sieht man an dem Fräulein Sprinz, die so fertig, so schön, so ausdrucksvoll sie auch spielt, unter ihrer Leitung je länger je mehr Fortschritte in der Kunst macht“ (Wiener AmZ 1817, Sp. 322).Vielleicht nahm sie nach dem Tod von Maria Theresia Paradis (1824) auch Unterricht bei dem Klavierlehrer und Komponisten Anton Halm (1789–1872), in einer Rezension seiner Werke wird sie zumindest als seine Schülerin genannt (AmZ 1838, Sp. 137).

Die Auftritte von Nanette Sprinz beschränkten sich auf Wien. Am 11. Febr. 1818 wirkte sie in einem Konzert mit, über das in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ zu lesen war: „Lobenswerth spielte Fräulein Sprinz eine Polonoise für das Pianoforte von Leidesdorf mit Orchester-Begleitung (AmZ 1818, Sp. 132). Weitere Konzerte fanden am 14. März und am 4. Sept. 1828 im Kärntnertortheater statt, wo sie jeweils Variationen von Henri Herz vortrug. Am 16. Dez. 1828 musizierte sie im k. k. großen Redoutensaal Adagio und das alle Virtuosenkräfte in Anspruch nehmende Pianoforte-Rondo von Henri Herz „mit bekannter Meisterschaft (AmZ 1829, Sp. 31). Auch 1830  fand „Dem. Sprinz, die ausgezeichnete Pianistin in der Musikpresse Erwähnung (AmZ 1830, Sp. 287). 1832 führte die Musikerin, „deren elegantes Spiel jeder Zeit eine höchst willkommene Erscheinung bleibt (AmZ 1832, Sp. 226f.), Variationen über God save the King von Friedrich Kalkbrenner auf. 

Nach 1832 lassen sich keine Hinweise auf eine weitere Konzerttätigkeit finden; möglicherweise hat Nanette Sprinz nach einer Heirat das öffentliche Klavierspiel aufgegeben. 

 

LITERATUR

AmZ 1814, Sp. 791; 1818, Sp. 132; 1828, Sp. 296f., 752; 1829, Sp. 31; 1830, Sp. 287; 1832, Sp. 226f.; 1838, Sp. 137

Wiener AmZ 1817, Sp. 322

Offenbacher AmZ 1827/28, Sp. 293

Hermann Ullrich, „Die erste öffentliche Musikschule der Maria Theresia Paradis in Wien 1808-1824“, in: Musikerziehung 1962/63, S. 187–191; Forts. 1963/64, S. 56–62.

 

Marion Fürst/FH

 

© 2011 Freia Hoffmann