Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

FernandesFernandez, Cecile

* um 1850 (Ort unbekannt), Sterbedaten unbekannt, Pianistin. Als Schülerin der renommierten, auch am Englischen Hof unterrichtenden Lucy Anderson trat sie Ende Mai 1867 in einem von zahlreichen Gesangs- und Instrumentalkräften bestrittenen Konzert in der Londoner St. George’s Hall erstmals öffentlich auf. Dort erschien sie als „a young pianist – a very young pianist“ (MusW 1867, S. 355) und gab „a promise of future excellence“ (The Orchestra 1867, S. 148). Während der ersten Hälfte des Jahres 1869 unternahm sie eine Tournee aufs Festland; Konzerte sind im Febr. in München und im Mai in Augsburg belegt. Im Münchner Konzert wirkte auch Hans von Bülow mit. Im Juli trat sie wieder in London auf. Im Febr. und Juni 1873 spielte sie in Konzerten der Royal Academy of Music. 1875 wird die Musikerin in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ als „Frl. Fernandes Hofpianistin aus London“ bezeichnet (NZfM 1875, S. 234). Über ihren weiteren Lebensweg liegen keine Informationen vor.

Aus ihrem Repertoire werden für das erste Londoner und für das Augsburger Konzert genannt: ein Satz aus dem Konzert a-Moll (op. 85) von Johann Nepomuk Hummel, ein Rondo La Gaieté von Carl Maria von Weber (vermutlich Rondo brillant op. 62), ein Klaviertrio von Beethoven, das Impromptu As-Dur von Chopin, eine Fantasie über irische Lieder von Julius Benedict (1804–1885) sowie ein Klavierduo über Meyerbeers Hugenotten von George Alexander Osborne (1806–1893). Das Letztere musizierte sie zusammen mit dem italienischen Hofpianisten Tito Mattei, der sich seit 1865 in London aufhielt. Das Klavierduo gehörte auch später noch zum Repertoire der Künstlerin, so im Februar-Konzert von 1873.

In der Besprechung ihres ersten Auftritts wird ein bemerkenswerter Ratschlag formuliert, betreffend das Duo mit Tito Mattei (1867): „Mademoiselle Cecile Fernandes is a brilliant performer, but if she wishes to appear to the best advantage, she should eschew all piano duets with any one not of her own sex. A man’s touch is so clear and strong, even when very light, that it makes the delicacy of a woman’s sound like feebleness; as this advantage on this part is owing to mere muscular strength, it is impossible for a woman to rival it“ (Victoria Magazine 1867, S. 279). 

 

LITERATUR

AmZ 1869, Sp. 158

Bock 1869, S. 55

MusT 1869, S. 413

MusW 1867, S. 355; 1873, S. 135, 430

NZfM 1869, S. 67; 1875, S. 234

The Orchestra 1867, S. 148

Signale 1869, S. 269

Victoria Magazine 1867, S. 279

 

Peter Schleuning

 

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