Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Codelli, Maria Concha Baronesse de, Concha-Condelli, Concha Codelli

Lebensdaten unbekannt, aus Triest stammende Violinistin. Eine erste Erwähnung betrifft ein Wohltätigkeitskonzert im Herbst 1892 in ihrer Heimatstadt, bei dem sie zusammen mit ihrer Schwester, der Violoncellistin Elisa bzw. Elsa de Codelli, musizierte. Während sich die Auftritte der Violoncellistin anscheinend auf Triest beschränkten, weitete Maria ihren Wirkungskreis auf Berlin, London und Wien aus. Ein Berliner Konzert in der Wintersaison 1898/99 nahm die „Neue Zeitschrift für Musik“ zum Anlass, die Musikpraxis des Adels in Italien seit der Renaissance zu würdigen, um in diesem Fall doch Vorbehalte gegen öffentliche Auftritte zu formulieren: „Heute identifiziren sich beinahe die Damen der Gesellschaft mit den Künstlern von Fach; sie geben sogar öffentliche Concerte mit Eintrittsgeld. Sie verlangen also, daß man an sie denselben kritischen Maßstab wie an den Künstler lege. So muß denn auch gesagt werden, daß die Geigerin Baronesse Maria Concha Codelli glänzende, für den Salon passende Eigenschaften besitzt, aber zum öffentlichen Auftreten noch nicht reif ist. Für acrobatische Kunststücke, wie sie in Sarasate’s Zigeunerweisen verlangt werden, reicht ihr technisches Vermögen nicht aus. Besser gelangen ihr anspruchslosere Kompositionen, wie Andante religioso von De Angelis und Barcarola von Contin. […] Dafür bringt sie einen warmen, zum Herzen sprechenden Ton mit, wie überhaupt ihre schlanke, elegante Figur mit den Saiten ihrer Violine zu vibriren und zu beben scheint“ (NZfM 1899, S. 52). Weitere Konzertbesprechungen lassen vermuten, dass die Geigerin mögliche Defizite recht rasch beheben konnte. In Berlin schloss sie sich dem „Neuen ersten deutschen Frauen-Streichorchester-Verein“ unter Mary Wurm an. Am 10. Okt. 1899 gab das Orchester, bestehend aus 17 Violinen, je drei Bratschen und Violoncelli, zwei Kontrabässen und einer Harfe, im Beethoven-Saal sein erstes Konzert. Maria Concha de Codelli war Konzertmeisterin und fügte dem Orchester-Programm zwei Sätze aus Viottis 24. Violinkonzert bei, „mit süssem Ton, technisch äusserst sauber und rhythmisch ausserordentlich lebendig und präcise“ vorgetragen (FritzschMW 1899, S. 708).

Englische Fachzeitschriften berichten von einem Violin-Recital der Baronesse in der Londoner Steinway Hall am 30. Mai 1900. Die Geigerin „played selections from Bruch, Ries, Tartini, Tirindilli, Schubert-Wilhelmj, and Georg Liebling charmingly, her coup d’archet being by turns brilliant or pathetic, and her technique perfect“ (Violin Times 1900, S. 132). Die „Musical News” bescheinigen ihr „a pleasing style and good taste“ (Musical News 1900 I, S. 538); die „Musical Times“  vergleicht sie sogar mit einem der berühmtesten Geiger des 19. Jahrhunderts: „Her style reminds one of that of Señor Sarasate, the tone of the upper notes being remarkably pure and silvery in quality, and her execution being clear and brilliant (MusT 1900, S. 481). Die Vermutung, man werde von der Musikerin „probably hear more in London concert rooms“ (ebd.), erfüllte sich indes nicht.

Ein Konzert Maria Concha de Codellis in Wien um oder nach 1900 wird von Barbara Hausegger erwähnt, leider ohne Zeitangabe. In der italienisch-sprachigen „Il Piccolo“ wurde es nach Aussage der Autorin „denkbar schlecht“ kritisiert. „Zwei deutschsprachige Zeitungen hingegen − die Neue musikalische Presse und die Triester Zeitung  finden den Auftritt der Geigerin durchaus lobenswert. Wobei in der Triester Zeitung nicht nur das Spiel, sondern auch Gewandung und Aussehen der jungen Dame sehr wohlwollend aufgenommen wurden“ (Hausegger, S. 165).

 

LITERATUR

FritzschMW 1899, S. 708

Gazzetta musicale di Milano 1893, S. 344f.; 1900, S. 45

Musical News 1900 I, S. 538

MusT 1900, S. 481

NZfM 1899, S52

Signale 1892, S. 1095; 1897, S. 164; 1899, S. 41, 871

Violin Times 1900, S. 132

Barbara Hausegger, „Trieste, citta musicalissima“, in: Wien Triest um 1900. Zwei Städte eine Kultur?, hrsg. von Cornelia Szabó-Knotik, Wien 1993, S. 165172.

 

Freia Hoffmann

 

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