Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Mayer, MeyerMeier, Lorenzina, LorenzaLorenzine

Geburts- und Sterbedaten unbekannt, Flötistin. Da sie in einer Rezension der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ 1831 als „jungfräuliche Concertistin“ (AmZ 1831, Sp. 436) beschrieben wird, ist sie vermutlich zwischen 1810 und 1820 geboren. Wahrscheinlich stammte sie aus Palermo, die „Allgemeine musikalische Zeitung“ bezeichnet sie 1828 jedoch als Deutsche. 1828 trat sie zusammen mit der Sängerin Rosina Lugani in Ancona auf. Danach konzertierte sie in Triest, 1829 in Mailand und Trier; 1830 gastierte sie in Stuttgart, Berlin, Nürnberg und Wien. Der Kritiker der „Trierer Zeitung“ war von der Flötistin in höchstem Maße angetan: „Dem. Lorenzina Mayer […] hat in dem gestern Abend […] gegebenen Concert auf das Glänzendste durch ein meisterhaftes Flötenspiel die Wahrheit und Unparteilichkeit meiner […] ergebensten Anzeige dargetan. Vortrefflich ist die Kraft und Zartheit der Töne, die sie mit so vielem Geschmack und schöner Spielmanier der holden Flöte entlockt, ausgezeichnet das Staccato so wie das Hinfließende der Passagen in ihrem Spiel, sicher und lebendig das Allegro, so wie das Adagio seelenvoll“ (zit. nach Bereths, S. 72). Von der Philharmonischen Akademie Verona wurde sie „mit einem sehr ehrenvoll abgefaßten Diplom zum Mitgliede aufgenommen (Castelli 1830, S. 76). Ihre weitere Reisetätigkeit führte sie 1831 nach Wien, Graz, Triest, Venedig und Turin. In Venedig spielte sie in den Zwischenakten einer Oper: „Mademoiselle Meyer, the famous female performer on the flute, has been playing lately at Venice with great applause. She certainly not only exceeds anything that could be expected from one of the fair sex, but has few rivals even when sex is put out of question (The Harmonicon 1831, S. 307).

1834 gastierte sie in Paris, und 1845 bis 1846 sind Konzerte in London nachgewiesen. So gab sie 1845 eine Matinee zusammen mit dem Pianisten Stocken: „Mdlle Mayer, the female flutist, gave a fantasia by Drouet, in which she displayed sufficient taste and execution to do away in a great measure with the prejudice existing in disfavour of flute performances in the hands of the fair sex“ (Musical World 1845, S. 333).

Ihr Repertoire umfasste u. a. Werke von Rossini, Louis Drouet und Monteleone. Bei den meisten Konzerten erregte sie Aufmerksamkeit durch die für Frauen ihrer Zeit höchst ungewöhnliche Instrumentenwahl. Trotzdem fand ihr Spiel stets uneingeschränkte Anerkennung: „Wenn man auch die Sache nicht liebt, denn in Weiberhänden bringt dieses Instrument wirklich keine plastisch schöne Attitüde hervor, so kann man doch der Kunst den Bewunderungszoll nicht versagen. Die jungfräuliche Concertistin besitzt eine seltene Fertigkeit, einen vollen reinen Glockenton, und ihr bezauberndes Pianissimo ist nur vergleichbar mit dem Säuseln einer fernen Aeolsharfe“ (AmZ 1831, Sp. 436).

 

LITERATUR

AmZ 1828, Sp. 142, 699; 1830, Sp. 270; 1831, Sp. 436

AWM 1845, S. 380

Castelli 1830, S. 76; 1831, S. 71

Gazzetta Piemontese 1832, S. 110

Gazette musicale des Paris 1834, S. 131

Le Guide musical No. 47, 22. Nov. 1866

The Harmonicon 1828, S. 171; 1831, S. 307f.

Iris 1831, S. 131

MusW 1845, S. 333

The New Monthly Belle Assemblée 1846, S. 124

NZfM 1834 I, S. 84

Österreichische Revue 1864, S. 146

Revue musicale 1829, S. 119

La Romance. Journal de Musique 1834, S. 62f.; 1835, S. 44

Teatri, arti e letteratura 1827/28, S. 75

Schmidl

Gustav Bereths, Musikchronik der Stadt Trier (1800–1850), 2 Bde., Bd. 1, Das Konzert- und Vereinswesen, Mainz 1978.

Eduard Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, 2 Bde., Bd. 1, Wien 1869, Repr. Hildesheim [u. a.] 1979.

Marina Calore, Il Teatro del Corso,1805–1944. 150 anni di vita teatrale Bolognese tra anedotti e documenti, Bologna 1992.

 

AH

 

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