Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Zamara, Therese, Teresina, Theresine

* 14. Apr. 1856 in Wien, † 23. Aug. 1927, Harfenistin und Harfenlehrerin. Die Familie des aus Mailand stammenden Anton (Antonio) Zamara (1829–1901) schrieb in mehrfacher Hinsicht in Wien Harfengeschichte. Anton Zamara war 1842 bis 1892 Soloharfenist im Hofopernorchester, er war Verfasser einer Harfenschule, Komponist und am Konservatorium Lehrer zahlreicher prominenter HarfenistInnen (1869–1900). Sein Sohn Alfred Zamara (1863–1940), jüngerer Bruder von Therese, war sein Nachfolger an der Oper und betätigte sich ebenfalls als Komponist; im Professorenverzeichnis des Konservatoriums wird er für die Jahre 1884 bis 1919 aufgeführt. Therese Zamara, obgleich von Zeitgenossen in ähnlicher Weise gerühmt, füllte diese Funktionen nur teilweise aus: Immerhin war sie von 1898 bis 1919 ebenfalls Professorin am Wiener Konservatorium, wirkte im Orchester des Wiener Ring-Theaters und einige Monate im Orchester der italienischen Oper in Bukarest. Kompositionen sind nach jetzigem Forschungsstand von ihr nicht erhalten.

 

Therese Zamara 1875.

Therese Zamara wurde von ihrem Vater an der Harfe und von Franz Ramesch (Lebensdaten unbekannt) am Klavier ausgebildet und zwar im Rahmen eines Studiums am Konservatorium, das sie 1874 mit der besonderen Ehrung einer „silbernen Gesellschaftsmedaille“ abschloss (Signale 1874, S. 640). Bereits 1871 hatte sie bei einem Konzert der Sängerin Adelina Patti mitgewirkt. 1873 hatte ihr Vater sie an der Aufführung einer von ihm komponierten Fantasie über Motive aus Luisa Miller von Verdi für zwei Harfen beteiligt und förderte seine Tochter auch anschließend durch gemeinsame Auftritte, so am 8. Nov. 1875 in Triest, wo Therese auch Gelegenheit zum Vortrag dreier „Solo-Stücke“ hatte (AmZ 1875, Sp. 766). Die „Allgemeine musikalische Zeitung“ bescheinigte der Musikerin bereits, dass sie „durch den Schwung, mit dem sie Alles wiedergiebt, durch die Sicherheit, welche sie überall verräth, zu einer der bedeutendsten Virtuosinnen ihres Instrumentes zu zählen sein dürfte“ (ebd.). In den Jahren 1876 bis 1882 folgten Konzerte in Wien, Zagreb, Linz, Pest, Prag, Pressburg und Graz. Die „Neue Berliner Musikzeitung“ schrieb nach einem eigenen Konzert in Wien: „Die glänzende Virtuosität der Künstlerin zeigt sie als eine würdige Nachfolgerin ihres berühmten Vaters“ (Bock 1878, S. 150).

In der Wintersaison1883/84 hielt Therese Zamara sich vier Monate lang in Bukarest auf, wo sie an der italienischen Oper ein Engagement hatte und Solokonzerte gab. Vor der Rückkehr nach Wien schlossen sich Auftritte in Linz, Salzburg, Meran und Klagenfurt an. 1888 führte eine Tournee sie durch Rumänien, 1889 konzertierte sie wiederum in Prag, und 1891 sind Konzerte in Innsbruck, Osijek und Zagreb belegt, wo sie der lokalen Presse zufolge stürmisch gefeiert wurde, auch für ihre Mitwirkung in Mascagnis Cavalleria rusticana (Dobronic-Mazzoni, S. 20f.).

In ihrem Wohnort Wien war sie nicht nur als Solistin häufig tätig, sondern auch in größer besetzten Werken, etwa bei der Wiener Erstaufführung von Liszts Vertonung des 137. Psalms An den Wassern Babylons. 

Therese Zamara um 1912, Photographie.

1913 veröffentlichte die Presse anlässlich ihrer Übernahme an die nunmehr staatliche Akademie für Musik und darstellende Kunst nochmals eine Photographie. Eine letzte Erwähnung vom 1. Okt. 1924 betrifft einen Feuerschaden in ihrer Wohnung im XIII. Bezirk (Hadikgasse 5). 

 

LITERATUR

AmZ 1875, Sp. 766

Bock 1873, S. 183f.; 1878, S. 150

C. M. Ziehrers Deutsche Musik-Zeitung 1875, Nr. 29, S. 8

FritzschMW 1875, S. 373f.

Der Hausbesitzer/Hausherren Zeitung 1. Okt. 1924

Innsbrucker Nachrichten 27. März 1891

Neue Freie Presse 17. Febr. 1884

NZfM 1876, S. 486; 1882, S. 336; 1883, S. 22, 354, 473; 1884, S. 120, 200; 1887, S. 122

Prager Tagblatt 22. März 1889

Die Presse 25. Nov. 1882

Salzburger Chronik 23. März 1884

Signale 1874, S. 640; 1878, S. 227, 565; 1879, S. 215; 1880, S. 131; 1883, S. 324; 1884, S. 264; 1885, S. 228; 1889, S. 179

Das Vaterland [Wien] 1886, 5. Dez., S. 7; 12. Dez., S. 7

Wiener Bilder 19. Jan. 1913, S. 4, 6

Wurzbach, Frank/Altmann, ÖM

Ludwig Eisenberg u. Richard Groner (Hrsg.), Das geistige Wien. Mittheilungen über die in Wien lebenden Architekten, Bildhauer, Bühnenkünstler, Graphiker, Journalisten, Maler, Musiker und Schriftsteller, Wien 1889.

Rajka Dobronic-Mazzoni, „The Zamaras: the Viennese Family of Harpists”, in: The American harp journal 19 (2003), H. 2, S. 19–22.

 

Bildnachweis

C. M. Ziehrers Deutsche Musik-Zeitung 1875, Nr. 29

Wiener Bilder 19. Jan. 1913

 

Freia Hoffmann

 

 

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