Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Barth, Elise, Elisa 

* ca. 1800 vermutlich in Prag, † 1840 ebd., Pianistin, Klavierlehrerin, Lehrerin am Konservatorium und Komponistin.

Dionys Weber, Direktor des Prager Konservatoriums, war sehr früh vom musikalischen Talent des Mädchens so überzeugt, dass er ihren Unterricht übernahm. Auf diese Weise war Elise Barth bereits im Alter von sieben Jahren mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, für den ihr Lehrer eine Vorliebe hatte, und vielen anderen Komponisten vertraut. Ihr Repertoire erstreckte sich bald von Clementi, Scarlatti und Bach bis zu Hummel und Moscheles. Darüber hinaus betont Schilling ihre guten Fähigkeiten im Blattspiel.

Als Elise Barth ihre erste Konzertreise in die Badeorte Böhmens unternahm, wurde ihr große Anerkennung zuteil. Nach Prag zurückgekehrt, beschäftigte sie sich vermehrt mit Harmonielehre sowie Generalbassstudien und begann zu komponieren. Über ihre Kompositionen ist jedoch nichts Näheres bekannt.

Ab 1829 finden sich zunehmend positive Konzertkritiken, die insbesondere die Reinheit, Präzision, Kraft und Sicherheit des Klavierspiels erwähnen. Darüber hinaus überzeugte Elise Barth insbesondere durch „Besonnenheit, Ruhe und eine außerordentliche Delicatesse im Anschlage, vor Allem aber durch eine echt weibliche Zartheit und Milde des Vortrags“ (AmZ 1830, Sp. 142f.).

Gemeinsam mit dem Violinisten Wilhelm Pixis und der Sängerin Podhorsky reiste Elise Barth im Jahr 1832 nach Wien, wodurch sie ihren Ruf als ausgezeichnete Pianistin festigen konnte. Noch im selben Jahr erklärte sie sich bereit, den Gesangsschülerinnen des Prager Konservatoriums Klavierunterricht zu erteilen. Hierbei handelte es sich um eine unentgeltliche Tätigkeit, bei der lediglich die „Bemühungen der Lehrerin […] durch zeitweilige Renumerationen entlohnt“ (Branberger, S. 54) wurden. Dennoch übte Elise Barth ihre Lehrtätigkeit am Konservatorium bis zu ihrem Tod im Jahre 1840 aus.

 

LITERATUR

AmZ 1809/10, Sp. 104; 1827, Sp. 2791830, Sp.142f.; 1832, Sp. 851; 1837, Sp. 390

Castelli 1829, S. 96, S. 168; 1832, S. 164

Iris 1832, S. 176

NZfM 1837, S. 166; 1840 I, S. 24

Schilling, Gaßner, Mendel, Cohen

Johann Branberger, Das Konservatorium für Musik in Prag, Prag 1911.

Freia Hoffmann, „Institutionelle Ausbildungsmöglichkeiten für Musikerinnen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts", in: Von der Spielfrau zur Performance-Künstlerin. Auf der Suche nach einer Musikgeschichte der Frauen, hrsg. von Freia Hoffmann und Eva Rieger, Kassel 1992, S. 77-94.

 

Sandra Middeldorf

 

© 2007 Freia Hoffmann