Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

SchwartzSchwarz, Klara, Clara

Lebensdaten unbekannt, deutsche Violinistin. Erste Hinweise auf eine Konzerttätigkeit von Klara Schwartz stammen aus dem Jahr 1885. Am 15. März des Jahres wirkte die Musikerin in einem Wohltätigkeitskonzert des Münsteraner Männergesangvereins unter der Leitung von Louis Roothan mit, in dem sie Souvenir de Haydn von Hubert Léonard, den zweiten Satz (Adagio) aus Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 g-Moll op. 26 sowie Henryk Wieniawskis Polonaise brillante A-Dur op. 21 beisteuerte. Am 10. Mai des Jahres spielte sie in einem Konzert in Kreuznach unter der Leitung von Gisbert Enzian Mendelssohns Konzert e-Moll op. 64 sowie Solokompositionen von Gustav Hollaender und Aleksander Zarzycki. Im Herbst war die Musikerin in einem Konzert des Sängers Henric Westberg in Köln zu hören und ließ dabei, so ein Korrespondent der „Neuen Zeitschrift für Musik“, „viel Talent erkennen; reicher und seelenvoller Ton, gewandte Technik und richtige Auffassung traten bei ihren Vorträgen zu Tage, so daß bei eifrigem Studium der Dame ein günstiges Prognostikon für ihre späteren Erfolge zu stellen ist“ (NZfM 1886, S. 526). Köln, der Wohnort von Klara Schwartz, war zugleich auch ihr zentraler Wirkungsort. Ebenda wirkte die Geigerin am 26. Dez. des Jahres in einem Weihnachtskonzert mit. 1907 wird in der Zeitschrift „Signale für die musikalische Welt“ Berlin als Wohnsitz der Musikerin angegeben. Dort war sie zwischen 1902 und 1913 als Geigenlehrerin am Stern’schen Konservatorium sowie am Konservatorium von Emil Breslauer engagiert.

Für das Jahr 1887 liegen keine Hinweise auf Konzerte der Violinistin vor. In den folgenden Jahren war sie weiterhin in Köln (1891, 1906) zu hören, konzertierte aber auch in Berlin (1888, 1891, 1899, 1906 o. 1907), Metz (1889 o. 1890), Essen (1892), Hamburg (1897), Düsseldorf (1898), Aachen (1899), Leipzig (1906) und Weimar (1907).

Im Repertoire von Klara Schwartz waren, abgesehen von den bereits genannten Kompositionen, weitere von Joh. Seb. Bach (Sonate für Violine solo Nr. 2 a-Moll BWV 1003, Violinsonate A-Dur BWV 1015), Jean-Marie Leclair (Gavotte, Sarabande, Tambourin), Edouard Lalo (Symphonie espagnole für Violine und Orchester d-Moll op. 21), Henryk Wieniawski (Konzert Nr. 2 d-Moll op. 22), Max Bruch (Schottische Fantasie für Violine und Orchester op. 46), Antonín Dvořák (Konzert a-Moll op. 53) und Edvard Grieg (nicht näher benannte Violinsonaten) enthalten.

Von den Kritikern der Tages- und Fachpresse erfuhr Klara Schwartz eine vorwiegend positive Rezeption. Die Zeitschrift „Die Musik“ schreibt 1901 über einen Auftritt der Geigerin in Berlin: „Von Frl. Klara Schwartz, die kein Neuling im Konzertsaal ist, konnte ich nur das Adagio und Finale des Dvorakschen Konzerts hören; sie spielte es mit grosser und reiner Tongebung und völliger Beherrschung der nicht geringen Schwierigkeiten, mit einer beinahe männlichen Kraft und ausreichender geistiger Interpretation“ (Die Musik 1901/02 I, S. 346). Dem „Musikalischen Wochenblatt“ zufolge verfügte die Geigerin „über einen schönen, edlen Ton, spielt rein und mit anerkennenswertem durchgeistigten Vortrag“ (FritzschMW 1906, S. 806), und die „Neue Musik-Zeitung“ zählte sie zu den „hervorragendsten deutschen Geigenkünstlerinnen“ (NMZ 1898, S. 279). Weiter heißt es dort: „Sie gehört nicht zu den sogenannten Specialitäten, sie spielt ihren Beethoven mit großem Ernst und Verständnis, sie weiß Mendelssohn mit Grazie, mit geschmeidigem Ton und brillanter, duftiger Technik zu interpretieren, sie versteht sich auf Bach, singt ihren Spohr mit großer Vortragssüße, besitzt für Bruch das nötige Pathos und den erforderlichen Schwung, und weiß eben so sehr den romantischen und nordischen Meistern sowie den Verfertigern von halsbrecherischen Virtuosenstückchen gerecht zu werden“ (ebd.).

 

Klara Schwartz um 1898.

 

LITERATUR

FritzschMW 1891, S. 324, 608, 611; 1899, S. 456; 1906, S. 806

Der Klavier-Lehrer 1888, S. 297; 1908, S. 297

Die Musik 1901/02 I, S. 346f.; 1903/04 III, S. XII; 1905/06 I, S. 363; 1906/07 I, S. 248

NMZ 1898, S. 279

NZfM 1885, S. 155; 1886, S. 526; 1887, S. 37; 1890, S. 234; 1899, S. 369; 1906, S. 13

Die Redenden Künste 1897, S. 831

Signale 1891, S. 613; 1892, S. 1080; 1899, S. 71; 1905, S. 483; 1907, S. 195; 1908, S. 1038

Louis Charles Elson, University Dictionary of Music and Musicians (= University Musical Encyclopedia 9), New York 1912.

Richard Stern, Was muss der Musikstudierende von Berlin wissen? Nach authentischem Material, Berlin 1914.

Julius Luppa, Die Geschichte des Solinger Musiklebens im 19. Jahrhundert, Münster 1934.

Peter Muck, Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester, 3 Bde., Bd. 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Erst- und Uraufführungen, Tutzing 1982.

Carola Jüllig, Juden in Kreuzberg. Fundstücke, Fragmente, Erinnerungen, Berlin 1991.

Liste der Lehrenden des Stern’schen Konservatoriums, http://www.udk-berlin.de/sites/
musikwissenschaft/content/e345/e486/e494/e62549/infoboxContent90923/
LehrendeSternKons_ger.pdf, Zugriff am 27. Dez. 2013.

 

Bildnachweis

NMZ 1898, S. 279

 

AB

 

© 2014 Freia Hoffmann